Adventmail 2023/07 (Tiere)

Ich lese viel seltener Sachbücher als Belletristik, und noch viel seltener solche über Tiere. Eins jedoch kaufte ich mir vor ein paar Jahren. Es heißt „Rabenschwarze Intelligenz“ und stammt vom deutschen Evolutionsbiologen Josef Reichholf. Krähenvögel interessieren mich nicht erst, seit ich mich über Wilhelm Buschs Hans Huckebein amüsierte. Bilder von Kolkraben, deren Flugshows ich einmal bei einem Besuch im Cumberland Wildpark in Grünau (OÖ.) bewunderte, wählte ich früher sogar als Facebook-Profilfotos. Mein Totemtier sozusagen.
Es gibt viele verblüffende Beispiele für die Intelligenz von Tieren, aber eines der beeindruckendsten ist vielleicht die Fähigkeit von Krähen, komplexe Werkzeuge zu verwenden. Sie gehören mit Papageien zu den intelligentesten Vögeln und sind in der Lage, eine Vielzahl von Tools zu nutzen, um an Nahrung zu gelangen. Einige Arten von Krähen verwenden Zweige, um Insekten aus Baumrinden zu fischen, andere verwenden Steine als Ambosse, um Nüsse zu knacken. Und sie finden und nutzen Werkzeuge nicht nur, sie modifizieren sie auch, um sie für bestimmte Aufgaben besser geeignet zu machen. Zum Beispiel haben Wissenschaftler:innen beobachtet, dass Krähen Zweige zu einem Haken verbiegen, um besser an Insekten heranzukommen.
In einer Studie aus dem Jahr 2014 wurden Krähen trainiert, einen Draht so zu biegen, um Futter aus einem Röhrchen zu fischen. Die Vögel erkannten schnell, dass sie den Draht wiederverwenden konnten, anstatt jedes Mal einen neuen biegen zu müssen, und bewahrten ihr Werkzeug auf.
Reichholf erzählt in seinem Buch vom hochintelligenten Kolkraben Mao, der zum Vertrauten eines gewissen Carlo wurde. Dieser wurde auf Bauernhöfen von Hunden oft zähnefletschend empfangen und verbellt – bis Mao eingriff: Als einmal ein Schäferhund Carlo kläffend verfolgte, versetzte ihm der aus der Luft eingreifende Rabe mit seinem mächtigen Schnabel einen kräftigen Hieb zwischen die Ohren. Der Hund „sträubte alle Haare, machte einen gewaltigen Satz mit allen vieren in die Luft und sauste heulend zum Hof zurück“, berichtete Reichholf. Anderen Hofhunden erging es genauso und alle lernten. „Keiner wagte mehr, Carlo anzubellen, gleichgültig, ob er mit dem schwarz gefiederten Ungeheuer oder alleine unterwegs war.“

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