Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er ist ein Allesfresser und verspeist seit jeher auch Tiere. Kleinkinder stecken Regenwürmer oder Käfer in den Mund, mit Ess-Tabus verbundener Ekel wird erst später sozial erworben. Und das ist kulturell durchaus unterschiedlich, wie wir wohl alle von Reisen wissen. Auf Märkten in Thailand z.B. werden Taranteln, Skorpione, Insektenlarven u.a. No-Gos für Mitteleuropäer:innen feilgeboten. Mein Mut bei der Reise dorthin 2018 reichte immerhin zum Kosten einer knusprigen Larve, davor hatte ich schon mal eine Heuschrecke gegessen. Kein Problem hätte ich mit dem in Fernost als Delikatesse geltenden Hundefleisch, so wie ich bei einem Feinschmecker-Event schon mal Biber, zubereitet von Starkoch Max Stiegl, genoss. Oder Papageientaucher auf Island.
Besonders beliebt ist in Österreich Schweinefleisch, der Jahresverbrauch liegt bei 33,5 kg pro Kopf (Geflügel: 13 kg, Rind/Kalb: 10 kg). Warum aber essen sowohl Juden als auch Muslime kein Schwein? Das geht auf religiöse Vorschriften zurück, wonach Schweine als buchstäblich unrein gelten. Es gibt mehrere wissenschaftliche Erklärungsversuche dafür. Der überzeugendste: Durch Vergrößerung der Ackerflächen, Rodungen und Erosion gingen in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas die vormals ausgedehnten Wälder um 2000 v. Chr. auf nur noch kleine Restbestände zurück. Die Schweine, die bis dahin in Eichen- und Buchenwäldern Schatten, Nahrung und feuchten Schlamm zum Suhlen fanden, verloren dadurch ihre ökologische Nische und wurden zu Nahrungskonkurrenten des Menschen – im Gegensatz zu den Wiederkäuern Rind, Schaf und Ziege.
Eines der bekanntesten Nahrungstabus ist das ebenfalls religiös begründete Verbot für Hindus, Rinder zu schlachten und zu essen. Im Christentum gab es bis zum Beginn der Neuzeit ein päpstliches Schlachtverbot für Pferde, Aleviten essen keine Hasen, Inkastämme in Peru keine Hirsche. Es gibt aber auch nichtreligiöse Verbote: So ist innerhalb der EU das Schlachten von Hunden und der Handel mit Hundefleisch seit 1986 untersagt. Insekten werden von der Mehrheit der Europäer nicht als Nahrungsmittel in Betracht gezogen, obwohl viele Arten prinzipiell essbar sind und in vielen Kulturen des „Südens“ auch verzehrt werden. Forschende fanden in zwölf untersuchten Kulturräumen insgesamt 38 Fleischtabus (aber nur sieben Pflanzentabus).
In der christlichen Fastenzeit war Fleisch lange strengstens untersagt. Kurfürst Maximilian ging in Bayern im 17. Jahrhundert sogar so weit, Verstöße mit Haftstrafen zu ahnden. Doch die Not machte vor allem die Ordensleute erfinderisch. Seit dem Konstanzer Konzil (1414-1418) hieß es: Alles, was im Wasser lebt, wird als Fisch gezählt. Und Fische waren ja schließlich erlaubt. Somit kamen in der Fastenzeit in Klöstern neben Fischen auch Biber und Fischotter auf den Tisch. Das soll angeblich fast zur Ausrottung der Tiere geführt haben.