Adventmail 2023/24 (Tiere)

Es ist wieder so weit: Ich hole Tonfiguren aus Lateinamerika, die ich vor ein paar Jahren im Salzburger Bildungshaus St. Virgil gekauft habe, aus ihrer Schachtel, löse sie vom schützenden Zeitungspapier und stelle sie im Wohnzimmer zu einem weihnachtlichen Ensemble zusammen: Maria, Josef und das neugeborene Kind, die drei Weisen aus dem Morgenland – und Ochs und Esel, die bei den meisten Krippenszenerien nicht fehlen dürfen. Dabei ist im Weihnachtsevangelium nach Lukas keine Rede von diesen beiden Nutztieren, erwähnt werden nur Hirten, die auf freiem Feld Nachtwache bei ihrer Schafherde hielten und dann (wohl ohne die Tiere allein zu lassen) auf Geheiß der Engel den Messias bewundern.
Aber warum Ochs und Esel?
Dafür gibt es theologische Gründe. Und weil dem Volksglauben die Berichte in den Evangelien zu karg, zu wenig ausgeschmückt waren.
Die früheste noch existierende, wenn auch stark stilisierte künstlerische Darstellung von Ochs und Esel, die dem Jesuskind huldigen, ziert einen Sarkophag in Sant’Ambrogio in Mailand, entstanden etwa um 385 n. Chr., kurz nachdem das Christentum im Imperium Romanum zur Staatsreligion erklärt worden war.
Glaubensgeschichtlich waren Ochs und Esel – von Kirchenvätern der Spätantike allegorisch gedeutet als vom Gesetz unterjochte Juden und als Heiden – schon VOR Maria und Josef an der Krippe. Außerdem verweisen beide Tiere schon auf die gesamte Geschichte Jesu: Der Ochse war ein gängiges Opfertier, er kündigt somit das Opfer Christi schon an. Der Esel wiederum war das Reittier der Könige – siehe Palmsonntag! – und der Karawanenführer; nur mit einem Esel an der Spitze einer Karawane konnte man die oft steinigen Wüstenpassagen sicheren Schrittes durchqueren und dessen feines Witterungsvermögen für den Lebensquell Wasser optimal nutzen.
Explizit genannt wurden beide Tiere in dem um 600 n. Chr. entstandenen apokryphen – also nicht in den Kanon der Bibel aufgenommenen – „Pseudo-Matthäus-Evangelium“. Dort heißt es: „Sie (Maria) legte den Knaben in eine Krippe, und Ochs und Esel beteten ihn an. Da ging in Erfüllung, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist: ‚Es kennt der Ochse seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herren. Aber Israel erkennt’s nicht und mein Volk vernimmt’s nicht. ‚“ (Jes 1,3) Eine implizite Mahnung zum Glauben also.
Franz von Assisi war der erste, der zu Weihnachten ein Krippenspiel veranstaltete. Im kleinen Dorf Greccio in Latium wollte er zu Weihnachten 1223 den Menschen die Botschaft von Weihnachten näherbringen, indem er die Dorfbewohner:innen samt ihrem Getier einlud, die Betlehemszene selbst nachzuspielen – ein offenkundiger Gegensatz zu den festlichen Pontifikalmessen in den damaligen Kathedralen. Ochs und Esel stellten die Armseligkeit eines Stalles dar. Franziskus wollte damit laut dem Südtiroler Theologen Martin Lintner sinngemäß vermitteln: „Wir sind arme Leute und leben oft in schäbigen Behausungen. Auch unser Inneres gleicht oft einem Stall – da gibt es Mist und Unrat, aber auch heimelige Wärme. Jesus ist sich jedenfalls nicht zu minder, bei uns einzukehren.“

PS: Euch allen ein herzerwärmendes Fest heute Abend und eine beglückende Weihnachtszeit.

Adventmail 2023/23 (Tiere)

Rilkes „Panther“ würde als eines der berühmtesten Tiergedichte gut in diese Serie passen. Doch es war für viele von uns Schullektüre und es ist traurig. So traurig, „als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt“.
Lieber was Lustig-Gereimtes zum Thema Tiere. Von drei Meistern der deutschen Sprache.

Christian Morgenstern: Möwenlied
Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwe tot,
Ich laß sie lieber leben –
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.

Joachim Ringelnatz Die Ameisen
In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Rest der Reise.

So will man oft und kann doch nicht
Und leistet dann recht gern Verzicht.

Heinz Erhard: Der Guck-Guck
Der Guck-Guck ist ein Vogeltier,
das weiß man ganz genau.
Kommt er jedoch als Hund zur Welt,
so nennt man ihn Schau-Schau.

Adventmail 2023/22 (Tiere)

Im Alten Testament wird erzählt, dass Mose fuchsteufelswild wurde, als er mit den beiden Steintafeln und den Zehn Geboten darauf vom Sinai wieder herunter zu den Israeliten kam. Dieses „störrische Volk“ (O-Ton Jahwe) hatte sich ungeduldig wartend neue Götter gewünscht und ausgerechnet Moses Bruder Aaron dazu gebracht, ihm ein Goldenes Kalb zur Verehrung zu schaffen. In dem viele Fragen aufwerfenden Kapitel 32 des Buches Exodus heißt es, „als Mose dem Lager näher kam und das Kalb und den Tanz sah, entbrannte sein Zorn“. Er packte das häretische, aus Goldschmuck gegossene Machwerk, „verbrannte es im Feuer und zerstampfte es zu Staub“. Monotheismus und Götzendienst sind unvereinbar, so das Fazit der Erzählung.
Heilige Tiere wie das Wohlstand symbolisierende junge Rind finden sich in vielen Kulturen weltweit und sehr früh in der Menschheitsgeschichte. Jäger/Sammler waren vom Jagderfolg abhängig, bäuerliche Kulturen von Herdentieren; und um das Wohlwollen der Gottheiten zu sichern, wurden ihnen Tiere geopfert (auch dem Gott Israels, vorzugsweise Lämmer von Schafen oder Ziegen; Arme opferten ersatzweise Tauben).
Und Gottheiten wurden selbst mit Tieren identifiziert, besonders im Alten Ägypten: Apis war der heilige Stier von Memphis und zugleich irdische Verkörperung des Gottes Ptah; die Göttin Hathor wieder trat in Kuhgestalt mit Hörnern auf, Thot wurde mit Ibiskopf, Anubis mit dem eines Schakals dargestellt, Horus als Falke, und auch viele andere Tiere wurden als heilig angesehen: Widder, Katzen, Mantelpaviane, Krokodile und sogar Mistkäfer (Skarabäen). Der griechische Göttervater Zeus näherte sich Europa als Stier und Leda als Schwan. In nördlichen Kulturen genossen Bär, Bison und Pferd kultische Verehrung, in den Indiokulturen Amerikas Schlange und Jaguar. Die indische Mythologie mit ihren heiligen Kühen, Affen und Ratten und dem elefantenköpfigen Ganesha sei hier nur kurz erwähnt.
Und welche Tiere vergöttern wir heutzutage? Unvergessen ist „Das Fest des Huhns“, die köstliche Dokumentarfilm-Parodie aus dem Jahr 1992. Die Sitten und Gebräuche der „Ureinwohner“ Oberösterreichs werden darin von afrikanischen Forschungsreisenden im Stil europäischer Anthropologen beschrieben. Über die „Religion“ finden sie heraus, dass die Kirchen zwar leer sind, die Menschen sich jedoch in Zelten zusammenfinden, dort literweise Bier trinken, dazu hauptsächlich Hühner essen und anschließend dann kollektiv den kultischen Vogerltanz aufführen. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass das Lamm als Opfersymbol vom Huhn abgelöst wurde.

Adventmail 2023/21 (Tiere)

Große, verdienstvolle Männer, manche mit Pferden unterm Hintern und mit Tauben auf dem Haupt, die ihnen aufs selbige kacken, sind die üblichen Hauptdarsteller der Denkmäler in den europäischen Kulturmetropolen. In Edinburgh stießen meine Liebste und ich auf unserer Schottlandreise 2014 auf ein Kontrast-Standbild: Beliebteste Sehenswürdigkeit der Stadt ist die kleine Statue eines treuen Hundes namens Bobby. Der bronzene Skye Terrier hockt bescheiden und jenseits von Grandiosität auf der Spitze einer Granitsäule eines Brunnens mitten in der Altstadt. Und das Denkmal steht dort seit 150 Jahren, errichtet kurz nach dem Tod des Hundes.
Geboren wurde Bobby angeblich am 4. Mai 1855, er gehörte John Grey, einem Wachmann der Stadtpolizei von Edinburgh. Der starb drei Jahre später, 1858, und fand in Greyfriars Kirkyard seine letzte Ruhestätte. Bewacht wurde Greys Grab fortan von seinem treu ergebenen Terrier: Bobby soll den Rest seines enorm langen Hundelebens dort am Friedhof verbracht haben. 14 Jahre lang – und damit länger als die durchschnittliche Lebenserwartung von Terriern – hat der Hund angeblich das Grab seines ehemaligen Besitzers bewacht, bis er selbst am 14. Januar 1872 starb.
Bobbys Treue sorgte schon damals für Aufsehen und Bewunderung. Lady Burdett-Coutts, Präsidentin des Damenkomitees der Tierschutzorganisation „Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals“ (RSPCA), gab die Statue zu Bobbys Ehren noch kurz vor seinem Tod beim bekannten Bildhauer William Brodie in Auftrag. Enthüllt wurde sie am 15. November 1873 und ist heute als „Greyfriars Bobby“ (nach dem Namen des Friedhofs) das kleinste denkmalgeschützte Objekt Edinburghs.

Terrier Bobby – der treueste Hund Schottlands

Wir wollen jenen unromantischen Kritikastern nicht glauben, die behaupten, die ganze Geschichte sei nur erfunden bzw. Bobbys sei ein einfacher Streuner gewesen, der auf dem Friedhof herumschlich, weil er dort immer wieder etwas zu essen bekam.
Dennoch ist die Geschichte bei den Bewohnern wie Touristen von Edinburgh äußerst beliebt. Reisende aus der ganzen Welt bestaunen die kleine Hundestatue und reiben (zum Unmut des um Denkmalschutz bemühten Stadtrates) an ihrer Nase. Denn das soll Glück bringen.
Ich habe 2014 nicht gerieben. So viel Skepsis muss sein.

Adventmail 2023/20 (Tiere)

Ich war gerade an der Grenze zwischen Kindergarten und Volksschule, als ich zum ersten Mal mit dem heuer 100-jährigen Disney-Konzern in Berührung kam. Ein Vertreter machte meiner alleinerziehenden Mutter schmackhaft, für mich Knirps ein Micky-Maus-Jahresabo zu lösen und damit Leseförderung zu betreiben. Die 52 Hefte, damals noch in der deutschen Übersetzung der legendären Erika Fuchs (grübel, schluck, zitter, bibber und „Dem Ingenieur ist nichts zu schwör“), gingen leider verloren. Heute betrüge ihr Sammlerwert Tausende Euro.
Lieber als die immer sehr vernünftige (Micky) Maus war mir damals schon und blieb bis heute der cholerische Loser Donald Duck. Von meinem Taschengeld kaufte ich mir noch bis zur Gymnasialzeit die Lustigen Taschenbücher mit Donald und den anderen Enten Dagobert, Daisy und Tick, Trick und Track. Und ich musste schmunzeln, als meine Enkel auf unseren gemeinsamen Urlaubsreisen mit Begeisterung ebenfalls diese Bücher lasen.
Eine weitere Comic-Tierheldin, die ich als Kind liebte, war die Reihe mit der Collie-Hündin „Bessy“, weniger mochte ich die damals auch recht beliebten „Fix & Foxy“-Hefte. Auch den Comics-„Urvater“ Wilhelm Busch und seinen Raben „Hans Huckebein“ fand ich großartig.
Comics aus dem Hause Disney finde ich heute so lala; aber bis heute schätze und sammle ich Graphic Novels als ernst zu nehmendes literarisches Genre. Damit zurück zur Maus: Für Einsteiger:innen und alle, die das noch nicht kennen, empfehle ich wärmstens „Maus. Die Geschichte eines Überlebenden“ (engl.: Maus. A Survivor’s Tale; 1986) von Art Spiegelman. Der dafür mit dem Pullitzer Preis (!) ausgezeichnete Comic-Autor verarbeitet hier die Geschichte seines Vaters, eines polnischen Auschwitz-Überlebenden, und bringt nebenbei auch die eigenen Reaktionen auf dessen schwierigen Charakter zum Ausdruck. Spiegelman weist den Volksgruppen/Nationen dabei Tiergattungen zu: Juden zeichnet er als Mäuse, Deutsche als Katzen, US-Amerikaner als Hunde, Polen als Schweine, um dadurch (und durch das Medium Comic) Abstand zum erzählten Grauen zu wahren.

Adventmail 2023/19 (Tiere)

Nur sein „Spatzi“ machte dem Hochbetagten Probleme. Alle seine anderen Frauen, die Richard Lugner mit Tiernamen bedachte, seien nach wie vor freundschaftlich mit ihm verbunden, sagte der seit heuer 90-Jährige über seine zahlreichen Liebschaften. Die erste hieß „Mausi“; die Ehe wurde nach 16 Jahren geschieden. Was blieb, war Lugners Vorliebe, seinen Partnerinnen Kosenamen aus dem Tierreich zu geben. Es folgten „Hasi“ und „Käfer“, „Bambi“, „Katzi“ sowie „Kolibri“. „Spatzi“ machte Lugner 2014 zu seiner fünften Ehefrau, die Ehe hielt nur zwei Jahre. „Da ist alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann“, zitierte der Hamburger „Stern“ den Dauergast in deutschsprachigen Klatschspalten und Adabei-Sendungen.
Tiernamen in Liebesbeziehungen und vor allem für Frauen sind keine Seltenheit. Ober-Macho Hugh Hefner nannte seine „Playboy“-Gespielinnen „Kaninchen“, die gerade mal 1,47m große Edith Piaf galt als der „Spatz von Paris“, Ambros besang neben der „Blume aus dem Gemeindebau“ auch eine wenig aussichtsreiche Liebe: „Du bist a leiwaunda Hos, oba mit uns zwaa is‘ hoffnungslos.“
Ich mochte es nie besonders, wenn mich meine Angetraute „Hase“ nannte, muss aber zugeben, dass ich sie selbst manchmal augenzwinkernd „Mäuschen“ oder „Gazellchen“ tituliere. Die „Wirtschaftswoche“ listete vor einigen Jahren die beliebtesten Kosenamen der Deutschen auf. „Baby“ und „Süße/r“ verwiesen dabei „Bär(chen)“, „Maus/i“ und „Hase“ auf die Plätze.
Wem das zu wenig einfallsreich ist: HIER finden sich 140 Vorschläge, wie die/der Liebste benamst werden könnte. Neben Klassikern wie „Liebling“, „Ein und Alles“, „Engel(chen)“ und „Schnucki(putz)“ sind da auch „Fischli“, „Hummelchen“, „Kröte“ oder „Euli“ zu lesen. Oder wie wär’s mit „Spechtler“, „Walrösschen“, „Göserl“ oder „Aali“? Einer liebenden Phantasie sind keine Grenzen gesetzt…

Adventmail 2023/18 (Tiere)

Ich überlege, welche Bücher mit „Tierhelden“ ich bisher schon las. „Krambambuli“ und „Animal Farm“ in der Schule fallen mir ein, Jack Londons „Wolfsblut“, der Katzen-Krimi „Felidae“ und noch bevor das Buch erfolgreich verfilmt wurde: „Schiffbruch mit Tiger“, den „Booker Prize“-Roman von Yann Martel, der mich besonders fesselte.
Es geht darin um eine besondere Episode im „Life of Pi“, so der Originaltitel. Sein Vater ist Zoodirektor in Indien, muss aber aus wirtschaftlichen Gründen nach Kanada auswandern und tut dies mit Familie und dem halben Zoo auf einem japanischen Frachter. Der gerät in einen schweren Sturm, das Schiff kentert und sinkt. Alle kommen um bis auf den jugendlichen Pi, ein Zebra, einen Orang-Utan, eine Hyäne und einen bengalischen Tiger namens „Richard Parker“. Im Rettungsboot kommt es zum Überlebenskampf, den nur Richard Parker und – mit Glück und Einfallsreichtum – Pi überstehen.
Pi und der mit Fischen gefütterte Tiger „arrangieren sich“ und überleben schlecht und recht einige Monate. Sie stranden an einer Insel aus Algen, eine Art Schlaraffenland, auf der es von Erdmännchen wimmelt: Der ausgehungerte Tiger frisst sich an ihnen satt, auch Pi ernährt sich von den süßen Algen, bis er merkt, dass die ganze Insel bei Nacht zur fleischfressenden Falle wird. Es folgt die Flucht beider mit dem Rettungsboot. Nach 227 Tagen auf See landen Pi und Richard Parker an der mexikanischen Küste, letzter verschwindet, „ohne sich umzudrehen“, im Dschungel.
Ein Untersuchungs-Team aus Japan hört sich später diese Geschichte ungläubig an. „Wenn Sie nur wahrhaben wollen, was Sie glauben können, wofür leben Sie dann überhaupt?“, entgegnet ihnen Pi. Auf die Bitte der Besucher hin erzählt er ihnen eine Alternativversion seiner Odyssee, diesmal ohne Tiere: Auf dem Rettungsboot befinden sich nun neben Pi ein französischer Koch, ein Matrose, der sich beim Sturz ins Rettungsboot ein Bein bricht, und Pis Mutter. Es kommt zu Mord, Totschlag und Kannibalismus.
Am Ende seiner Erzählung lässt Pi entscheiden, welches die wahre und bessere Geschichte sei. Über die Wahrheit lasse sich schwer befinden, so die Zuhörer. Die Geschichte mit den Tieren sei aber wohl die bessere. Darauf der religiöse Pi: „Und genauso ist es mit Gott.“
So sehe ich das übrigens auch (und das geht jetzt über Tierisches hinaus). Allen Respekt vor der Überzeugung, dass die Erde nur ein unbedeutendes Staubkorn im All und mit dem Tod alles aus ist. Aber für die „bessere Geschichte“ halte ich eine Sicht auf das Leben und die derzeit so brüchige Welt, die auf einen liebenden Gott setzt, der/die auf jedes „Staubkorn“ seiner/ihrer Schöpfung schaut und alles gut ausgehen lässt. Und zur besseren Geschichte wird so ein Glaube erst recht, wenn er zum Anstoß wird, respekt- und liebevoll mit anderen Menschen, mit Tieren und Pflanzen umzugehen.

Adventmail 2023/17 (Tiere)

„When we look down at the earth from space we see this amazing, indescribably beautiful planet.“ Das sagte der US-amerikanische Astronaut Ronald John Garan Jr. nach seinen Weltall-Aufenthalten ab 2008. Mehr als ein halbes Jahrhundert vor ihm war das erste Lebewesen im All nicht Neil Armstrong, auch nicht Juri Gagarin, sondern die Hündin Laika.
Vor ihr hatten sowohl die Sowjetunion als auch die USA – damals Weltmächte in Konkurrenz um die Vorherrschaft im Weltraum – bereits Erfahrungen mit Tieren in großen Höhen gesammelt. Laika – die streunende Husky-Terrier-Kreuzung wurde auf den Straßen Moskaus aufgegriffen – war das erste, das Anfang November 1957 die Hochatmosphäre verließ und via Rakete (Sputnik 2) in die Erdumlaufbahn gebracht wurde. Bei Tests zeigte sich, dass Hunde die Belastungen am besten verkraften konnten.
Anfangs waren sie noch zu dritt: außer Laika auch die Hündinnen Albina und Muschka. Laika, vom russischen Weltraumexperten Oleg Gasenko ausgewählt und trainiert, bestand die langen und intensiven Tests mit Belastung durch Zentrifugen und Raumnot am besten. Sie wurde an ein besonderes Gel mit hohem Nährwert gewöhnt, das im Weltraum als Nahrung dienen sollte. Und um die Hündin an die kleine Kabine von Sputnik 2 zu gewöhnen, wurde sie bis zu drei Wochen lang in immer kleineren Käfigen gehalten. In der Enge hörte Laika auf, Fäkalien auszuscheiden.
Bereits drei Tage vor dem Start der Mission wurde die Hündin in der Raumkapsel untergebracht. Ihr Körper wurde mit Sensoren versehen, die ihre Körperfunktionen überwachen sollten. Am 3. November 1957 startete die Rakete vom heutigen Kasachstan aus. Während der ersten Minuten nach dem Start zeigten die telemetrisch übermittelten Daten an, dass Laikas Puls auf den dreifachen Wert des Ruheniveaus stieg. Der Herzschlag verlangsamte sich mit Erreichen der Schwerelosigkeit wieder, hoher Stress war aber offenkundig. Nach etwa fünf bis sieben Stunden Flugzeit wurden vom Raumflugkörper keine Lebenszeichen mehr übermittelt. Laika war vermutlich wegen des zu geringen Wärmeschutzes einen Hitzetod gestorben.
Ihre Rückkehr zur Erde war zwar nicht vorgesehen, dennoch überraschte ihr früher Tod. Die Mission gilt dennoch als Erfolg, denn die Erkenntnisse aus Sputnik 2 ermöglichten letztlich die erste bemannte Raumfahrt mit Kosmonaut Gagarin. Oleg Gasenko äußerte sich 1998 – Jahre nach der sowjetischen Informationssperre wegen der Kritik an Tierversuchen im Westen – öffentlich zu Laikas Tod: „Je mehr Zeit vergeht, desto mehr tut es mir leid. Wir haben durch die Mission nicht genug gelernt, um den Tod des Hundes zu rechtfertigen.“
Wie auch immer – Laika wurde eine Berühmtheit. Im Zuge des US-Space-Programms „Opportunity“ wurde ein Stückchen Marsboden nach ihr benannt; ab 1987 gab es eine finnische Rock-Band namens „Laika & The Cosmonauts“; Romancier Heinrich Steinfest erzählte 2020 „Der Chauffeur“ von der Rückkehr Laikas auf die Erde. Und auch in Moskau erinnert seit 1997 eine Gedenktafel an Laika – obwohl ihr Name auf Deutsch etwas despektierlich „Kläffer“ bedeutet…

Adventmail 2023/16 (Tiere)

Mein ältester Enkel Gabriel ist seit heute elf. Vielleicht das beste Alter, um sich alles Mögliche und Unmögliche aus dem jährlich erscheinenden Guinness-Buch der Rekorde zu merken. Gabriel ist Spezialist dafür und stand mir für dieses Mail über Rekorde aus der Tierwelt beratend zur Seite.

  • Dass der Gepard das schnellste Landtier mit einer maximalen Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h ist, mag vielen noch geläufig sein. Aber dass es einen Fisch gibt, der diese Raubkatze noch übertrifft, verblüfft wohl nicht nur mich: Der Marlin hält mit dem Fächerfisch den Geschwindigkeitsrekord im Wasser: Beide sollen bis zu 110 km/h erreichen. Schnellstes Tier überhaupt ist ein Vogel: Auf seinen Sturzflügen erreicht der Wanderfalke eine Geschwindigkeit von mindestens 180 km/h.
  • Die meisten würden wohl das größte Tier der Erde unter den Dinosauriern vermuten. Doch auch wenn wir nicht mit Sicherheit sagen können, wie groß diese urzeitlichen Giganten wirklich waren, kommt vermutlich keiner an den Blauwal heran. Mit einem Körper länger als ein Eisenbahnwagen (33 Meter) und einem Gewicht von 33 Elefanten (100-180 Tonnen) ist der Blauwal das größte und schwerste Tier, das je auf der Erde gelebt hat.
  • Die Seewespe, eine vor allem im Indopazifik vorkommende Quallenart, gilt als giftigstes Tier der Welt. Mit dem Gift ihrer vielen Nesselzellen könnte sie 250 Menschen töten. Viel gefährlicher für Menschen die Stechmücke. Denn sie überträgt zahlreiche Krankheiten überträgt wie Malaria, Enzephalitis und Gelbfieber, an denen geschätzte 700 Millionen Menschen jährlich erkranken und 725.000 sterben.
  • Die Stärksten im Tierreich sind Afrikanische Elefanten. Sie entwurzeln ohne größere Anstrengung Bäume, um an die frischen Blätter zu kommen. Allein der Rüssel eines Elefanten ist stark genug, um einen Baumstamm zu tragen. Verglichen mit seiner Größe ist ein anderer aber noch viel stärker: Der Stierkopf-Dungkäfer rollt zwar keine Mistkugel wie der Skarabäus, aber er kann Dinge ziehen, die mehr als 1000-mal schwerer sind als er selbst.
  • In der Nähe von Brüllaffen möchte man lieber nicht leben, Das Gebrüll der Männchen, mit dem sie in Süd- und Mittelamerika Weibchen anlocken, ist noch in fünf Kilometern Entfernung zu hören und entspricht mit bis zu 100 Dezibel einem Presslufthammer aus zehn Metern Entfernung. Sogar 188 Dezibel laut, aber wegen ihrer Tiefe für menschliche Ohren kaum wahrnehmbar, sind die rhythmischen Laute der Blauwale. Ihre Rufe sind für Artgenoss:innen im Meerwasser bis zu 800 Kilometer weit zu hören.
  • Das Wirbeltier mit der längsten Lebenserwartung wird erst mit 150 Jahren geschlechtsreif. Der Grönlandhai lebt im eiskalten Nordatlantik bzw. nördlichen Polarmeer, wo sich diese Fische nur langsam bewegen und auch nur langsam wachsen. Die ältesten gefundenen Tiere waren weit über fünf Meter lang und 400 Jahre alt. In der antarktischen Tiefsee entdeckten Forscher:innen einen zwei Meter hohen, vasenförmigen Riesenschwamm, den sie auf 10.000 Jahre alt schätzten.

Adventmail 2023/15 (Tiere)

Heute ein wirklich ausgefuchstes Rätsel: In diesem Adventmail habe ich Dutzende Vertreter:innen der Fauna „versteckt“. Ihr sollt herausfinden, welche und wie viele. Um es euch nicht zu leicht zu machen, gilt: Satz- oder Leerzeichen zwischen den Buchstaben sollt ihr nicht beachten. Ziemlich gefinkelt, nicht? Vielleicht gelingt’s ja paarweise eher, den Test zu bestehen… und wer nicht alle findet, muss nicht vor Scham sterben. (Die Lösung präsentiere ich in 3 Tagen; bis dahin eure heißen Tipps bitte als persönliche Nachricht an mich)
Es begann wie in einem Schundroman: Walter Haiders Wunsch, lange bevor er als Pastor Chorleiter in Kalifornien wurde, war es, nach Las Vegas zu fahren. Im Casino trug er eine eigelbe Krawatte und rote Schmuckuhr und kiebitzte erst mal am Pokertisch, Wein aus der DAC-Kellerei in der Hand statt wie sonst ein Glas Radler und schon leicht betrunken. Greta pirschte sich aufgeganselt an ihn heran, spechtelte in Walters Karten. Der war nicht gleich Feuer und Flamme, halb freute, halb ärgerte er sich. „Ich ahne, was jetzt kommt“, dachte er. „Mein Lieber“, flüsterte die gamsige Greta, „ich hab ein Abo an der Bar. Komm, wir gehen nebeneinander ins Séparée und sind bald pudelnackt.“ Und: „Ich hab hier ein Unikat“, zeigte sie auf ihren Hintern. „Baby, Aktion ist angesagt.“ Wie kann frau nur so frech sein? Ach, diese Leidenschaft!
Walter spitzte ihr rattenscharf ins Dekolleté, bereit, noch am selben Abend zu vögeln. Doch seine Lust endete abrupt (was eben noch gilt, ist oft bald passé): Es kam Elfriede, die er vom Vorabend kannte. „Gestern warst du noch Raumausstatter aus OÖ“, schimpfte sie barsch. „Hallo, kapierst du’s nicht? Du hurst hier herum?! Denk an den Attersee, ans Augebiet und ans Segelsetzen. Sei parat, sonst hast du‘s verbockt!“ Gefahr in Verzug, wie selbst Walter flott erkannte. Elfis Papa geisterte auch herum, bereit, den Dolm zu erdrosseln. Der rief: Alk-Einfluss!“ und sagte aalglatt: „Ich weiß, hab keinen Applaus verdient, aber auch nichts verbrochen. Ich hab die Gerti gern …- ich mein: die Elfi. Lasst mich einen Schwur machen, das pinnen wir uns an die Wand: Damit wir nicht länger mit der Qual leben, sehen wir uns Berkeley an!“


Die Lösung: Es sind insgesamt 70 Tiere!
Im ersten Absatz: Fuchs Elch Fink Aar Ente Hamster Tiere Reh
Im zweiten Absatz: Hund Hai Wal Schlange Storch Ren Igel Kuh Kiebitz Schwein Dackel Adler Unke Tapir Gans Specht Lamm Bär Hahn Eber Gams Boa Henne Pudel Katze Yak Echse Esel Schaf
Im dritten Absatz: Spitz Ratte Amsel Vögel Ochse Iltis Kamel Rabe Maus Barsch Okapi Uhu Natter Sau Egel Gelse Ara Bock Wiesel Otter Papagei Olm Drossel Falke Aal Laus Rochen Tiger Wurm Ur Spinne Qualle Sberk(=Krebs, der bekanntlich verkehrt rum läuft😉)
Eine besonders motivierte Rätselfreundin fand ALLE Tiere und sogar noch eins mehr (Ren) als ich meinte, versteckt zu haben. Und sie fügte noch einen Vorschlag für einen “10-Tiere-Schluss” hinzu:
Rasch wankte er heimwärts mit schlaffen Beinen unter viel Sternenhimmel und dachte noch: “Ob Greta und Elfi nicht dasselbe wollen? Vielleicht starte ich echt mit beiden was…?”, und am Sofa sank er in den Schlaf… (Schwan Affe Elster Imme Delfin Assel Star Hecht Fasan Rind – CHAPEAU, Claudia!)