Adventmail 2023/08 (Tiere)

Kurz vor Allerheiligen las ich im „Standard“ ein Interview mit Michael Köhlmeier, der sich darin für einen humaneren Umgang mit Tieren aussprach. „Am ärmsten ist das Schwein, sein Nutzen für uns besteht nur in seinem Tod. Die Hälfte der Richter im Jenseits sind höchstwahrscheinlich Schweine. Dann gnade uns Gott.“
Das führt mich Spaltenbodengegner zur Frage: Auch wenn sie keine so prominente Rolle beim Jüngsten Gericht einnehmen: Kommen Tiere in den Himmel? Haben sie überhaupt eine Seele?
Seit 2011 gibt es in Wien einen Tierfriedhof. Er liegt, ein wenig zurückversetzt, gegenüber vom Haupttor des Zentralfriedhofs. Ein Hundegrab für fünf Jahre kostet knapp 600 Euro, ein Grabstein bis zu 1.000 und für die jährliche Grabpflege werden noch einmal 95 Euro fällig. Manche mögen es verrückt finden, doch es ist ein Faktum, dass für viele Menschen, ob Single oder in Familien, das Haustier ein wichtiger Lebenspartner ist.
Die Bibel spricht von der Seele als göttlichem Lebensatem, die Menschen und Tieren gleichermaßen in sich tragen. Kirchenlehrer Thomas von Aquin definierte eine Wachstumsseele und eine Empfindungsseele, die Menschen und Tiere miteinander teilen – im Unterschied zur Vernunftseele, die nur dem Menschen eigen sei. Der Mensch besitzt aufgrund seiner Vernunft also eine Sonderstellung, die er im Auftrag Gottes als Dienst an der Schöpfung recht gebrauchen soll.
Im Mittelalter gab es Gerichtsprozesse gegen Tiere, die „etwas angestellt“ hatten: Auch wenn das heute komisch klingt, die Menschen damals waren überzeugt, dass Tiere auch Teil der Rechtsgemeinschaft sind. In manchen Kirchen ist es heute üblich, dass Gläubige ihren Hund in die Messe mitnehmen.
Darf, wer seinen Hund bestattet, darauf hoffen, dem Flocki oder Rex im Himmel wieder zu begegnen? Der Apostel Paulus schrieb, dass die ganze Schöpfung darauf wartet, aus ihrem Leiden und vom Tod befreit zu werden. In der Bergpredigt sagt Jesus: Selig die Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich. Ich glaube, dass damit auch die Tiere gemeint sind. Sie sind ja die Schwächsten, weil sie ihre Bedürfnisse nicht artikulieren können, und leiden – jedenfalls in Ländern mit industrieller Landwirtschaft – am meisten unter der qualvollen Ausbeutung durch die Menschen. Ich glaube, dass Gott auf der Seite seiner Geschöpfe steht – und wir sollten das auch tun.

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