Adventmail 2023/01 (Tiere)

In meiner Grazer Uni-Zeit reiste ich mit einer Studierendengruppe nach Assisi. An einem der Tage trennte ich mich von der Gruppe und wanderte allein in den herrlichen umbrischen Bergen. Dabei hatte ich eine Art spirituelles Erlebnis, das gut zum heiligen Franziskus passt, der mit Tieren sprechen konnte – ihnen also besonders verbunden war: Auf den Wandersteigen fielen mir immer wieder Käfer, Würmer und anderes Getier auf, auf die zu treten ich von der Schöpfung Gottes Ergriffener achtsam vermied.
Auch heute noch erfassen mich Ehrfurcht und Dankbarkeit, wenn ich – so wie bei der sommerlichen Radtour entlang von Lech und Donau – auf Rehe, Hasen oder Greifvögel treffe. Ich halte dann fast den Atem an, wenn ich ihnen nahe bin. Will nicht stören. Nur schauen und staunen.
Unbegreiflich ist mir, was in Österreichs Thronfolger Franz Ferdinand und in William Frederick Cody, genannt Buffalo Bill, vorging, die Tiere zu Zehntausenden erschossen.
Der designierte Nachfolger Kaiser Franz Josephs I. gilt als schießwütigster Habsburger. Dieser Schlächter im Jagdrock ließ Buch über 274.899 getötete Tiere führen, auf seiner Weltreise 1892/93 an Bord des Schiffes Kaiserin Elisabeth bedauerte er, dass es ihm nicht vergönnt war, mit der Bordkanone Wale zu töten. An einem Tag schaffte es Franz Ferdinand, 3000 Möwen abzuknallen. Gehilfen luden seine Schnellschussgewehre nach und mussten die Kadaver zählen.
Mit dem Namen Buffalo Bills untrennbar verbunden ist die Tragödie der Fast-Ausrottung der amerikanischen Bisons, von denen noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts Millionen über die Great Plains zogen. Bis 1890 wurden sie in einem wahren Blutrausch enorm dezimiert. Eine Rolle spielte dabei ein neues Gerbverfahren, das die dicke Bisonhaut haltbarer und elastischer machte: perfekt, um Gürtel oder Stiefel herzustellen. So entwickelten Cody u.a. die Bisonjagd rasch zu einem riesigen Geschäft, das durch den Bau der Eisenbahn in Nordamerika noch „befeuert“ wurde: Nun konnten die Jäger bequem von eigens dafür eingesetzten Zügen aus auf die Tiere schießen. Als es kaum mehr Bisons gab, zog Buffalo Bill als Entertainer mit klischeehaften Wild-West-Shows durch die Welt – und gastierte 1890 und 1906 auch in Wien.

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