Adventmail 2023/05 (Tiere)

Es löste Heiterkeit aus, als vor einigen Jahren im Radio zu hören war, dass Hans Adler von einem Streik der AUA berichtet. Der frühere Chefredakteur der ORF-Wirtschaftsredaktion ist bei weitem nicht der einzige mit diesem edlen Familiennamen, allein mit seinem Vornamen Hans listet Wikipedia weitere neun mehr oder weniger prominente Männer auf; insgesamt sind es hunderte Personen, etwa der Individualpsychologe Alfred, der Krimiautor Jussi oder der SDAP/SPÖ-Gründer Viktor.
Mein Lieblingsjournalist im ORF ist auch tierisch gut. Armin Wolf verbeißt sich in so manchen Studiogast, ohne verbissen zu wirken. Das könnten Politiker sein wie Johannes Hahn oder früher Franz Fischler, Rudolf Hundstorfer und Gesine Schwan.
Auch die Kultur ist voll von Tiernamenträger:innen. Ich nenne nur den Essayisten Anton Kuh, den Bildenden Künstler Erwin Wurm, Austropop-Sänger Ulli Baer oder die grandiose Dostojewski-Übersetzerin Swetlana Geier. Bei den Celebrities begnüge ich mich mit Daniela Katzenberger.
Eine meiner vielen Tanten heißt Edeltraud Mücke (das gäb‘ nach Verheiratung mit Michael Stich einen schönen Doppelnamen). Apropos Sport: Als Teenager schwärmte ich für den US-Schwimmstar Mark Spitz und der Ex-ÖFB-Teamkapitän Christian Fuchs war mir immer sehr sympathisch.
Im Netz stieß ich auf eine imposant lange Liste mit tierischen Familiennamen. Darunter auch „gestrafte“ Personen, die „Ferkel“ (308 in den USA, 47 in Deutschland, 1 in Österreich) heißen, „Hammel“ wie die Miss Austria 2009 Anna oder „Ziege“ wie der deutsche Fußball-Europameister von 1996, Christian.
Zu dem Thema fällt mir ein Witz ein:
Ein Jude namens Adolf Sauschädl will seinen Namen ändern lassen und geht dafür zum zuständigen Amt. Der Beamte äußert Verständnis und fragt den Antragsteller, welchen neuen Familiennamen er in Zukunft tragen möchte. Dessen Antwort: „Wieso Familiennamen? Ich möchte meinen Vornamen auf Moische ändern!“

Adventmail 2023/04 (Tiere)

Kroatien hat eine, ebenso Ägypten, Mexiko, Papua-Neuguinea und 19 weitere Staaten. Sie alle haben ein Tier in ihrer Landesflagge (Österreich nicht, denn der „Bundesadler“ ist, wie auch in Deutschland, Teil des Republikwappens, nicht der Flagge).
In den auf www.countryflags.com/de/tags/tiere aufgelisteten Sujets dominieren „edle“ Tiere, die meisten davon geflügelt. Ägyptens Flagge hat den „Adler Saladins“ in der Mitte, Mexikos Adler hält eine Schlange in Schnabel und Klaue. Albanien hat wie auch Serbien und Montenegro ein zweiköpfiges Exemplar. Kasachstan einen Steppenadler, der moldawische Adler hält einen Schild mit der Abbildung eines Stiers; auch Sambia lässt einen Aar – den Schreiseeadler – auf Fahnen flattern.
Der Kondor dagegen krönt die Flagge Ecuadors, ein Paradiesvogel jene Papua-Neuguineas, ein Kronenkranich jene Ugandas. Kiribati setzt auf den Fregattvogel, Fidschi auf eine Friedenstaube, die Dominikanische Republik auf einen Sisserou-Papagei, Guatemala präsentiert den Nationalvogel Quetzal. Was für ein geflügeltes Tier sich hinter in der Fahne Simbabwes verbirgt, ist nicht eindeutig: Mit großer Sicherheit aber ein Hühnervogel. Brunei begnügt sich mit einem Flügelpaar – als Symbol für Ruhe, Gerechtigkeit und Frieden.
Das Georgs-Kreuz mit berittenem Drachentöter britannisiert Maltas Flagge, auf Bhutans Variante dominiert der Drache ganz unbedroht.
Der „König der Tiere“ findet sich selten auf Flaggen. Spanien hat sein Wappen in der gelben Mitte seiner Flagge integriert – darauf u.a. ein purpurroter Löwe. In Sri Lanka wird die „Löwenflagge“ gehisst. Die kroatische Flagge ist die weltweit „tierfreundlichste“: Insgesamt sind es fünf Tiere: drei Löwen als Symbol Dalmatiens, ein Marder als Symbol Slawoniens und eine Ziege als Symbol von Istrien.
Wir sehen: Die zoologische Vielfalt auf Staatsflaggen ist überschaubar. Schade eigentlich. Dabei fände ich Motive wie aufeinander losstürmende Elefant und Esel (USA!) passend. Oder eine Schlange für Großbritannien, where everybody is ready to queue up. Vielleicht eine Weinbergschnecke (Helix pomatia) für das kulinarisch versierte Frankreich? Ein Wurm für das Mezcal-freundliche Mexiko? Ratte/Hase/Schwein & Co. für China, je nachdem, was im Tierhoroskop gerade dran ist. Und warum nicht ein Schaf für den Hirtenstaat Vatikan?

Adventmail 2023/03 (Tiere)

Sie nannten sich Affen, Adler, Aale, Schildkröten, Tyrannosaurus Rex, Büffel aus Springfield, fliegende Eidechsen oder einfach: Tiere, um in der Popmusik Erfolg zu haben. Und die Stars dieses Metiers heißen Krähe, Seehund, Katzen-Macht oder Schnüffelhund. Ein guter Grund, finde ich, um („Stammgäste“ ahnten es schon) wieder mal eine Playlist mit tollen Songs zusammenzustellen. Diesmal mit meinen (alphabetisch gereihten) Top 20 jener Interpret:innen, die Ausdruck der Artenvielfalt in der Popmusik sind. Und auf der HIER anklickbaren Spotify-Liste finden sich noch einige Bonus-Tracks.

Animals, „House Of The Rising Sun“ (1964): Ein Sixties-Klassiker über ein Freudenhaus in New Orleans, der von Eric Burdons inspiriertem Gesang und dem Orgelspiel von Alan Price lebt und vergessen lässt, dass der Song eine lange Vorgeschichte hat und u.a. von Bob Dylan, Pete Seeger und Miriam Makeba gesungen wurde.
Arctic Monkeys, „I Wanna Be Yours“ (2013): Das jüngste Lied meiner Liste ist eine hübsche Indie-Rock-Perle der britischen Band, in dem sie ein Gedicht des Performance-Literaten John Cooper Clarke vertonen. Dort heißt es u.a. „Let me be your vacuum cleaner/Breathing in your dust/Let me be your Ford Cortina/I will never rust…“
Bee Gees, „Stayin‘ Alive“ (1977): Bee Gees steht doch für Brothers Gibb, werden Popkundige unter euch sagen. Ja eh, aber die Biene im Namen reicht mir, um diesen Disco-Heuler aus der besten Schaffensperiode der Falsett-Akrobaten aus Australien in meine Liste aufzunehmen. Großes Kino – wie auch der dazugehörige Film „Saturday Night Fever“ mit John Travolta.
Buffalo Springfield, „For What It’s Worth“ (1966): Die erste Single der von Neil Young und Stephen Stills gegründeten Band blieb auch ihre beste. Der Bandname hat übrigens wenig mit Büffel zu tun, er geht auf eine Dampfwalze der „Buffalo-Springfield Roller Company“ zurück, die vor dem Wohnhaus von Stills stand.
Byrds, „Turn! Turn! Turn!“ (1965): Sowas darf ein Theologe und Sixties-Fan einfach nicht übergehen. Die US-Folkrocker greifen hier nämlich Biblisches auf – das Buch Kohelet aus der Weisheitsliteratur des Alten Testaments. „To every thing there is a season, and a time to every purpose under the heaven: A time to be born, and a time to die; a time to plant“ … and a time to hear such great songs!
Cat Power, „The Greatest“ (2006): Eine von nur drei Frauen in dieser Liste, it’s a shame. Dabei hab ich sorgfältig gesucht, freilich mit wenig Erfolg. Die Musik und dieser Song der etwas labilen Hippie-Tochter aus Atlanta berührt mich. Ihre meist minimalistischen Songs mit sparsamen Gitarren- und Pianoklängen – hier auch mit Streichern – begleitet sie selbst.
Sheryl Crow, „All I Wanna Do“ (1994): Ein im Radio vielgespielter Grammy-Award-Song, den ich immer wieder gerne höre und der sauschwer zu singen ist. Die ehemalige Lebensgefährtin des Rad-Dopingsünders Lance Armstrong schafft das mit Bravour.
Eagles, „Hotel California“ (1977): „On a dark desert highway, cool wind in my hair…“ – wer kennt und mag diese von Don Henley gesungenen Worte nicht? Und erst recht, wenn das berühmte, unwiderstehliche Gitarren-Duett von Don Felder und Joe Walsh den Song beendet. Gitarren-Soli geraten oft zu lang, diesem könnte ich endlos zuhören.
Eels, „That Look You Give That Guy“ (2009): Mit den „Aalen“ rund um den vollbärtigen US-Singer/Songwriter Mark Oliver Everett verbinde ich eine nette Erinnerung: ein Live-Konzert mit meinen Alternative-Pop-begeisterten Geschwistern Martina und Andreas in der Wiener Arena, die den Anrainern zuletzt zu laut geworden ist.
Gorillaz, „Clint Eastwood“ (2001): Die Debüt-Single der virtuellen Comic-Band ist aufgrund seiner Ähnlichkeit (??) mit der Titelmusik von „The Good, the Bad and the Ugly“ nach dem gleichnamigen Schauspieler benannt. Blur-Mastermind Damon Albarn arbeitet für dieses Projekt bis jetzt erfolgreich mit dem Zeichner Jamie Hewlett und wechselnden Studiomusikern zusammen.
Tom Jones, „It’s Not Unusual“ (1965): Mit diesem Lied startete der wegen seiner Stimm-Power „Tiger“ (deswegen auf der Liste) genannte Waliser seine lange Karriere, die auch noch beachtliche Alterswerke umfasst. Die brave BBC boykottierte den Song anfangs wegen seines sexy Images. Einer der involvierten Studiomusiker war übrigens Leadgitarrist Jimmy Page.
Los Lobos, „La Bamba“ (1987): Dieses uralte, mitreißende mexikanische 6/4-Takt-Volkslied, das erstmals in der Popmusik der Kalifornier Ritchie Valens im Jahre 1958 erfolgreich aufgriff, wurde seither in zahlreichen Coverversionen veröffentlicht. U.a. von den „Wölfen“ als Filmmusik für die Film-Bio des 17-jährig tragisch ums Leben gekommenen Valens.
Lounge Lizards, „Harlem Nocturne“ (1981): Dieser elegante Jazz-Klassiker der Eidechsen aus New York ist eins der wenigen Tracks ihres Debüt-Albums, das nicht aus der Feder des Saxophonisten John Lurie stammt. Ich nahm ihn auf, weil zumindest EINE Jazz-Nummer dabei sein sollte und weil ich Lurie im großartigen Jim-Jarmusch-Film „Down by Law“ (1986) mochte.
The Monkees, „Daydream Believer“ (1967): Waren sie die erste Casting Band? Im September 1965 erschien u.a. in der Zeitschrift „Variety“ eine Anzeige, in der „vier verrückte Jungs zwischen 17 und 21 Jahren“ für eine US-Fernsehserie über eine junge Beat-Gruppe gesucht wurden. Die Serie „The Monkees“ lief dann zwei Jahre lang bis September auf NBC – in der goldenen Ära der Popmusik.
Scorpions, „Wind of Change“ (1990): „Hymne der Wende“ wurde diese erfolgreichste Single aus deutscher Produktion genannt, das Lyrische Ich singt darin über eine Sommernacht an der Moskwa, es hört dem „Wind des Wandels“ zu, der über alte Feindschaften hinwegweht. Und es macht mich unsagbar traurig, wie anders es eine Generation später wieder ist…
Seal, „Kiss From A Rose“ (1994): Der in London geborene Sohn eines Nigerianers und einer Brasilianerin, der es fast zehn Jahre lang mit Heidi Klum aushielt, heißt wirklich so, nämlich Seal Henry Olusegun Olumide Adeola Samuel. Und das ist einer jener Songs, an denen ich mich nicht satthöre.
Cat Stevens, „Father and Son“ (1970): Schöner finde ich ja „Morning has broken“, aber dieses Lied berührt mich mehr. „“Ich habe meinen Vater nie wirklich verstanden, aber er ließ mich immer tun, was immer ich wollte“, sagte der “ sich jetzt Jusuf nennende Muslim-Konvertit über dieses Lied.
T. Rex, „Hot Love“ (1971): Von 1967 bis 1974 gab es im damals noch jungen Ö3 die „Disc Parade“ bzw. „Die Großen 10“, moderiert von Ernst Grissemann und Rudi Klausnitzer. Der vom mir damals Elfjährigen begeistert gehörte Song der britischen Glam-Rock-Band schaffte es erst nach 17 Wochen, mitten im Sommer, mit ihrer „Heißen Liebe“ an die Spitze der Charts. Zurecht, oder?
The Turtles, „Happy Together“ (1967): Es gab eine goldene Ära der Familienband B.ME’s (sprich wie die Bee Gees [Brothers Gibb]), in der meine Söhne und ich bei Festen der autofreien Siedlung auf der Bühne standen und vierstimmig (je zwei Tenöre und Bässe) Songs wie diesen zum besten gaben. Das war für mich wirklich „happy together“.

Adventmail 2023/02 (Tiere)

Marienkäfer sind nicht nur bei Kindern beliebt und gelten als Glücksbringer. Seit geraumer Zeit gibt es in unseren Breiten jedoch den Asiatischen Marienkäfer, der die hier bekannten und als Nützlinge geschätzten mit den 7 Punkten zunehmend verdrängt. Er frisst zwar noch mehr Blattläuse als der heimische, macht sich aber auch über die Larven seiner Konkurrenten her und verdrängt diese immer mehr. „Einmal hier, ist er nun nicht mehr zu bekämpfen. Und natürliche Feinde haben Marienkäfer bei uns wenige, weil die Hämolymphe, das ‚Blut‘ der Käfer, so schlecht schmeckt“, weiß der WWF.

Der Klimawandel, aber auch bedachtlose Ansiedlungsversuche begünstigen die Ausbreitung auch anderer Tiere wie den Buchsbaumzünsler (ostasiatischer Kleinschmetterling), den amerikanischen Signalkrebs, der den heimischen Edelkrebs verdrängt, oder den ebenfalls aus Amerika eingeschleppten Getreideschädling Maiswurzelbohrer. „Der Anblick“, das Medium der Steirischen Landesjägerschaft, listet auch invasive Säugetiere (https://www.anblick.at/ansicht/toetungsauftrag-fuer-invasive-saeugetiere-und-voegel) auf, für die ein Tötungsauftrag gelte: Bisamratte, Marderhund, Nutria sowie der putzige Waschbär. Außerdem ist es jeder Person verboten, invasive Säugetiere und Vögel zu füttern.

Ein besonders kurioser Fall von tierischer Invasion geht auf den kolumbianischen Drogenboss Pablo Escobar (1949-1993) zurück: Für den Privatzoo auf seiner Luxus-Hacienda ließ er Tiger, Giraffen, Elefanten, Büffel, Löwen, Nashörner, Gazellen, Zebras, Flusspferde, Kamele und Strauße einfliegen. Nach dem gewaltsamen Tod Escobars wurden die meisten Tiere verlegt oder gestohlen, andere verhungerten oder verendeten an Krankheiten.

Nicht so die Flusspferde. Die ursprünglich vier Tiere vermehren sich in Kolumbien bis heute unkontrolliert und bedrohen einheimisches Getier wie etwa Seekühe. Und sie rangieren mit 500 Toten im Jahr auf Platz 10 der für Menschen gefährlichsten Tierarten. In Kolumbien sind Flusspferde, die natürlich nur in Subsahara-Afrika vorkommen, inzwischen zu einer wahren Plage geworden – die nun ein Ende haben soll: Die geplante Umsiedlung der aktuell um die 200 Exemplare lässt sich das südamerikanische Land mehrere Millionen Dollar kosten.

Adventmail 2023/01 (Tiere)

In meiner Grazer Uni-Zeit reiste ich mit einer Studierendengruppe nach Assisi. An einem der Tage trennte ich mich von der Gruppe und wanderte allein in den herrlichen umbrischen Bergen. Dabei hatte ich eine Art spirituelles Erlebnis, das gut zum heiligen Franziskus passt, der mit Tieren sprechen konnte – ihnen also besonders verbunden war: Auf den Wandersteigen fielen mir immer wieder Käfer, Würmer und anderes Getier auf, auf die zu treten ich von der Schöpfung Gottes Ergriffener achtsam vermied.
Auch heute noch erfassen mich Ehrfurcht und Dankbarkeit, wenn ich – so wie bei der sommerlichen Radtour entlang von Lech und Donau – auf Rehe, Hasen oder Greifvögel treffe. Ich halte dann fast den Atem an, wenn ich ihnen nahe bin. Will nicht stören. Nur schauen und staunen.
Unbegreiflich ist mir, was in Österreichs Thronfolger Franz Ferdinand und in William Frederick Cody, genannt Buffalo Bill, vorging, die Tiere zu Zehntausenden erschossen.
Der designierte Nachfolger Kaiser Franz Josephs I. gilt als schießwütigster Habsburger. Dieser Schlächter im Jagdrock ließ Buch über 274.899 getötete Tiere führen, auf seiner Weltreise 1892/93 an Bord des Schiffes Kaiserin Elisabeth bedauerte er, dass es ihm nicht vergönnt war, mit der Bordkanone Wale zu töten. An einem Tag schaffte es Franz Ferdinand, 3000 Möwen abzuknallen. Gehilfen luden seine Schnellschussgewehre nach und mussten die Kadaver zählen.
Mit dem Namen Buffalo Bills untrennbar verbunden ist die Tragödie der Fast-Ausrottung der amerikanischen Bisons, von denen noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts Millionen über die Great Plains zogen. Bis 1890 wurden sie in einem wahren Blutrausch enorm dezimiert. Eine Rolle spielte dabei ein neues Gerbverfahren, das die dicke Bisonhaut haltbarer und elastischer machte: perfekt, um Gürtel oder Stiefel herzustellen. So entwickelten Cody u.a. die Bisonjagd rasch zu einem riesigen Geschäft, das durch den Bau der Eisenbahn in Nordamerika noch „befeuert“ wurde: Nun konnten die Jäger bequem von eigens dafür eingesetzten Zügen aus auf die Tiere schießen. Als es kaum mehr Bisons gab, zog Buffalo Bill als Entertainer mit klischeehaften Wild-West-Shows durch die Welt – und gastierte 1890 und 1906 auch in Wien.

Adventmails 2023 (Ankündigung)

in meiner diesjährigen Reihe (der bereits 20sten übrigens) geht’s um Tiere. Ich hatte nie ein Haustier oder ein besonderes Nahverhältnis zu dem von jemand anderen, und meine beste Freundin Gaby sagt mir sogar nach, ein etwas gestörtes Verhältnis zur Fauna zu haben.
Warum also dieses Thema? Erstens stimmt es nicht, dass mir Tiere nichts bedeuten: Ich bewundere viele in freier Wildbahn und bedaure andere, die nach KZ-ähnlicher Haltung auf unseren Tellern landen. Zweitens werde wohl nicht nur ich zu Weihnachten eine Krippe aufstellen, in der neben Josef und Maria auch Ochs und Esel dem neugeborenen Heiland huldigen.
Drittens fällt mir zu „Tiere“ vieles ein, das über Zoologie weit hinausgeht: Tierisches in Familiennamen und generell in der Sprache, in Kunst, Musik, Literatur, Religion, und fleißig wie ein Bienchen sammelte ich über Wochen Assoziationen und Rechercheergebnisse, die ich ab 1. Dezember 2024 mal an euch versende. Lasst euch überraschen/amüsieren/bereichern!
Ich bin vom 25.11. bis 7.12. nochmal weg, Wanderurlaub auf drei Kanaren-Inseln. Die ersten 7 oder 8 Adventmails sollten trotzdem täglich bei euch einlangen. Danke schon vorab dafür, Claudia!
Und wie immer gilt: Über Feedback freue ich mich sehr.
Voradventliche Grüße sendet Robert

Adventmail 2022/24 (Reisen)

Meine Mutter gab meinen Geschwistern zwei Vornamen: Josef Andreas und Martina Kerstin. Ich als Ältester bekam nur einen. Drum gab ich mir in meinen Theologiestudienjahren selbst einen zweiten (der allerdings nie „offiziell“ wurde), der meine Freude am Unterwegssein (hin auf Gott) ausdrückt: Pilgrim – der Pilger, Wallfahrer.
Der Name kommt von lat. „peregre“ (aus/in der, in die Fremde bzw. was über den eigenen Acker, speziell den ager romanus, also über Rom, hinausgeht).Den Namen gibt es auch als Peregrin(ius), so heißt z.B. der Begleiter von Frodo Beutlin in „Der Herr der Ringe“.
Einige von Euch pilgern, wie ich weiß, zu Fuß regelmäßig nach Mariazell bzw. waren auf dem Jakobsweg unterwegs. Ich war zwar schon in Wallfahrtsorten wie Santiago de Compostela, Fatima und Lourdes, aber mit dem Auto und mehr aus „religionssoziologischem Interesse“. Die dort erlebte Frömmigkeit mit religiösem Ramsch, demonstrativer Bußfertigkeit und naivem Wunderglauben blieb mir sehr fremd.
Zugleich sah ich mit Vergnügen Pilgerfilme wie „Ich bin dann mal weg“ (D, 2015), „Dein Weg“ (USA/E, 2010) oder „Saint Jacques … Pilgern auf Französisch“ (F, 2005) und denke mir, in der Pension würde ich das auch gerne machen. Auf dem Camino zum Grab des Apostels Jakobus. Allerdings bevorzugt über die Route von Porto auf dem Caminho Portugues nach Santiago. Weil ich Portugal und den Atlantik so gern mag.
Für die Kathpress schreibe ich ja immer wieder übers Pilgern. Schon interessant: In Zeiten schwindender Religiosität und Kirchenbindung boomen Fußwallfahrten. Vielleicht müsste christlicher Glaube weniger bedacht als vielmehr erlebt werden – als etwas, das einer/m etwas abverlangt und bei dem man bei sich selbst ankommt.
Über das reichhaltige Fußwegenetz in Österreich informiert die Website www.pilgerwege.at.

Im Kontakt mit Natur, Kultur und vor allem lieben Menschen bei sich selbst ankommen – das wünsche ich euch zu Weihnachten und auch im Jahr 2023!

Nebelmeer beim Abstieg vom Piton des Neiges (3070 m) auf La Réunion, dahinter der Indische Ozean

Adventmail 2022/23 (Reisen)

Dass der Homo sapiens im Neolithikum sesshaft wurde und nicht mehr als Jäger und Sammler umherzog, ist eine Medaille mit zwei Seiten: Wer sesshaft ist, hat Ernährungssicherheit und kann Besitz anhäufen, wird dadurch aber auch unfrei. Das ist eine These aus einem der spannendsten Sachbücher, das ich in den vergangenen Jahren las: “Eine kurze Geschichte der Menschheit” von Yuval Harari (2011), inzwischen in 50 Sprachen übersetzt.
Der israelische Historiker blick fast mit Wehmut auf die Hunderttausende von Jahren zurück, als sich die Menschheit von gepflückten wilden Feigen und erlegten wilden Schafen ernährt, „ohne je zu versuchen, in das Leben der Feigen und Schafe einzugreifen“.
Vor rund 10.000 Jahren änderte sich das. „Damals begannen die Sapiens, ihre Anstrengungen fast ausschließlich auf die Manipulation einiger weniger Tier- und Pflanzenarten zu bündeln. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang säten sie Samen, bewässerten sie Pflanzen, jäten Unkraut und führten Schafe auf saftige Weiden“ – in Erwartung von mehr Früchten, Getreide und Fleisch. Harari nennt dies „die landwirtschaftliche Revolution“, die in verschiedenen Weltregionen unabhängig voneinander stattgefunden habe.
In der Geschichtsforschung herrscht die Theorie vor, es sei ein entscheidender Entwicklungssprung der Menschheit gewesen, das entbehrungsreiche und gefährliche Leben als Jäger und Sammler aufzugeben, um als Bauern ein angenehmes Dasein in Wohlstand und Sicherheit zu genießen. Ein „Ammenmärchen“, so Harari dazu. Er spricht vom „größten Betrug der Geschichte”.
Die Bauern hätten im Gegenteil ein härteres und domestizierteres Leben als die Nomaden davor geführt. Diese “ernährten sich gesünder, arbeiteten weniger, gingen interessanten Tätigkeiten nach und litten weniger unter Hunger und Krankheiten”.
Mit den sich ausbreitenden festen Siedlungen konnten zwar mehr Menschen ernährt werden, die Nachteile waren laut dem Autor aber eine regional höhere Bevölkerungsdichte, die Zunahme von Krankheiten sowie der Drang nach Wohlstand („Luxusfalle“). Durch die notwendige Vorratshaltung kam es zu Besitz, der bei anderen zu Begehrlichkeiten führte. Die Folge: Es bildete sich ein hierarchisches System von Herrschern und Eliten, um die Bauern zu schützen oder auszurauben. Und auch für die als Nutztiere domestizierten Tiere bewertet Harari die landwirtschaftliche Revolution als eine schreckliche Katastrophe.
Liebe Leute, lasst uns diesen Irrweg des Homo sapiens zumindest zeitweise korrigieren. Lasst uns ganz sesshaft Lichtblicke jagen, Horizonterweiterungen sammeln…

Abgebrannte Eukalyptusbäume auf Madeira

Adventmail 2022/22 (Reisen)

Meine Familie ist unstet. Meine Großeltern übersiedelten mit ihren zuletzt neun Kindern in immer größere Wohnungen in Leoben, Bruck/Mur, Gleisdorf, die heute zwischen Ende 70 und Anfang 90 Jahre alten „Kinder“ leb(t)en verstreut in der Stmk, in OÖ, NÖ, Tirol, Deutschland und der Schweiz. Ich selbst habe mittlerweile meine 16. Wohnadresse, übertroffen noch von meinem Bruder Andreas (17); meine Schwester Martina sammelt Reiseländer wie andere Briefmarken (bisher 61).
Ich zähle nach, wie viele Länder ich bisher betrat, und komme auf 51. (Dass Reisefreudigkeit nicht einfach mit dem „Blut“ weitergegeben wird, zeigen mir meine Söhne: Sowohl Gregor, weil Vater dreier Volksschüler, und Moritz, weil noch in Ausbildung, als auch Fabian, der eher virtuell „reist“, sind unterdurchschnittlich Reisende.)
Ich habe reisemäßig noch viel vor – auch wenn ich vom Rucksacktourismus meiner Studentenzeit mittlerweile Abschied nahm. Auch für extremes Outdoor mit Zelten im Basislager des Jebel Toubkal (4167m, Marokko 2011) oder Übernachtungen in Hüttenschlafsälen wie in Neuseeland oder Réunion fühle ich mich schon zu alt. Aber Entspannung bei körperlicher Betätigung (gerne auch anstrengend) in freier Natur, Begegnung mit (fremder) Kultur, Hans-guck-in-die-Luft-Spaziergänge durch verwinkelte Altstädte, Genuss von ortsüblichem Speis und Trank – all das reizt mich nach mehrwöchiger Büro- und Stubenhockerei stets von Neuem.
Erleben möchte ich in diesem Leben noch die Tierwelt von Costa Rica, den Indian Summer Kanadas, Radeln auf den Lofoten, Küstenwandern in Cornwall… Städtetrips würden mich dzt. v.a. reizen nach Valencia, Stockholm, Neapel, Tel Aviv+Jerusalem… Radtouren die Elbe entlang bis Hamburg, eine Alpenüberquerung auf der Via Augusta, die Strecke Paris-Wien.
Und wo zieht es euch noch hin?

Diese Möwe auf der Nordseeinsel Borkum drängte sich ins Bild. Ich ließ sie gewähren.

Adventmail 2022/21 (Reisen)

„Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ Diesen Missionsauftrag des auferstandenen Jesus (Mk 16,15) nahmen Mönche auf den britischen Inseln sehr ernst. Im Zuge der „iroschottischen Mission“ (6. bis 8. Jahrhundert) wanderten Persönlichkeiten wie Gallus, Kolumban, Arbogast oder Virgil quer durch ein sicher noch reichlich wildes Mitteleuropa und weckten vor allem in Alamannien nachhaltiges Interesse am christlichen Glauben. Unterstützt wurden sie durch die fränkischen Könige, die sich davon gefestigten politischen Einfluss in dem eben erst gewonnenen Gebiet erhofften. Bis heute zeugen davon kulturprägende Klostergründungen wie Thalbach in Bregenz oder St. Gallen (CH).
Wobei Mission für die iroschottischen (abgeleitet vom irischen Stamm der Skoten beiderseits der Irischen See) Mönche gar nicht vorrangig war. Sie „christianisierten“ nämlich die im altirischen Recht für schwere Vergehen vorgesehene Verbannung und machten daraus ein freiwilliges Bußwerk und ein Leben in Askese. „Peregrinatio pro Christo“ bedeutete Fremd- und Ausgesetztsein um Christi willen. Auch ihre Klöster oder Einsiedeleien waren in der Einschicht, oft auf einer Insel, fernab jeder Zivilisation.
Es gibt zwei beeindruckende Spielfilme über fernab ihrer Heimat missionierende Ordensmänner, denen wenig Erfolg beschieden war: In „Black Robe – Am Fluss der Irokesen“ (Can/Aus 1991) geht es um das Aufeinanderprallen indianischen Geisterglaubens und jesuitischer Demut, in „Silence“ (Scorsese, USA 2016) um die brutale Abwehr jeden religiösen Fremdeinflusses in Japan. Beide Filme zeigen, wie schwer auch dem heute weltweit verbreiteten Christentum kulturelle Integration fiel.
Von Jesus ist die radikale Vorgabe überliefert, um seinetwillen Vater und Mutter hinter sich zu lassen – und damit jede Geborgenheit. Was für eine Glaubensstärke jenseits von jedem Eigennutz – oder soll man sagen: Fanatismus – ist dafür gefordert?! Ich bin gemessen daran ein lauwarmer Christ: Andere missionierend zu überzeugen, sie auch nur bekannt zu machen mit den Kernbotschaften des Christentums, ist mir kein besonderes Anliegen (auch nicht gegenüber meinen Söhnen und Enkeln). Dem liegt wohl meine Auffassung zugrunde, dass es von einem liebenden Gott kein Plus oder Minus gibt, ob man ChristIn, HumanistIn oder AgnostikerIn ist.

Felsformation an der baskischen Küste im französisch-spanischen Grenzgebiet