Adventmail 2022/21 (Reisen)

„Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ Diesen Missionsauftrag des auferstandenen Jesus (Mk 16,15) nahmen Mönche auf den britischen Inseln sehr ernst. Im Zuge der „iroschottischen Mission“ (6. bis 8. Jahrhundert) wanderten Persönlichkeiten wie Gallus, Kolumban, Arbogast oder Virgil quer durch ein sicher noch reichlich wildes Mitteleuropa und weckten vor allem in Alamannien nachhaltiges Interesse am christlichen Glauben. Unterstützt wurden sie durch die fränkischen Könige, die sich davon gefestigten politischen Einfluss in dem eben erst gewonnenen Gebiet erhofften. Bis heute zeugen davon kulturprägende Klostergründungen wie Thalbach in Bregenz oder St. Gallen (CH).
Wobei Mission für die iroschottischen (abgeleitet vom irischen Stamm der Skoten beiderseits der Irischen See) Mönche gar nicht vorrangig war. Sie „christianisierten“ nämlich die im altirischen Recht für schwere Vergehen vorgesehene Verbannung und machten daraus ein freiwilliges Bußwerk und ein Leben in Askese. „Peregrinatio pro Christo“ bedeutete Fremd- und Ausgesetztsein um Christi willen. Auch ihre Klöster oder Einsiedeleien waren in der Einschicht, oft auf einer Insel, fernab jeder Zivilisation.
Es gibt zwei beeindruckende Spielfilme über fernab ihrer Heimat missionierende Ordensmänner, denen wenig Erfolg beschieden war: In „Black Robe – Am Fluss der Irokesen“ (Can/Aus 1991) geht es um das Aufeinanderprallen indianischen Geisterglaubens und jesuitischer Demut, in „Silence“ (Scorsese, USA 2016) um die brutale Abwehr jeden religiösen Fremdeinflusses in Japan. Beide Filme zeigen, wie schwer auch dem heute weltweit verbreiteten Christentum kulturelle Integration fiel.
Von Jesus ist die radikale Vorgabe überliefert, um seinetwillen Vater und Mutter hinter sich zu lassen – und damit jede Geborgenheit. Was für eine Glaubensstärke jenseits von jedem Eigennutz – oder soll man sagen: Fanatismus – ist dafür gefordert?! Ich bin gemessen daran ein lauwarmer Christ: Andere missionierend zu überzeugen, sie auch nur bekannt zu machen mit den Kernbotschaften des Christentums, ist mir kein besonderes Anliegen (auch nicht gegenüber meinen Söhnen und Enkeln). Dem liegt wohl meine Auffassung zugrunde, dass es von einem liebenden Gott kein Plus oder Minus gibt, ob man ChristIn, HumanistIn oder AgnostikerIn ist.

Felsformation an der baskischen Küste im französisch-spanischen Grenzgebiet

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