Adventmail 2005/19 (warten)

Warten

Die Nacht ist ein Schnee gefallen
und fällt auch am grauen Morgen noch.
Du hast dich gehüllt so tief
in deinen Mantel aus Schweigen.

Ich hab mein Herz eingezogen
zwischen seine wunden Schultern.
Die Blumen der Sehnsucht,
nun schlafen sie unterm dünnen Eis.

Das klirrt wie Glas mit
zerbrochenen, kleinen Schollen
am windigen Ufer unserer Träume.

Friedrich-Carl Dieskau

Adventmail 2005/18 (warten)

Bücher rund ums Warten:

“Warten”. Roman. Ha Jin, dtv premium 2000
(National Book Award 1999, PEN/Faulkner Award 2000, nominiert für den Pulitzer 2000)
China, zur Zeit nach der Kulturrevolution. Lin Kong stammt aus der Provinz und lebt als Arzt im Armeekrankenhaus am Rande der Stadt Muji. Das Leben ist geprägt von Regeln, Vorschriften und Rangordnungen, und Lin Kong hat diese Art Leben verinnerlicht. Er ist intelligent, aber unkreativ, er denkt viel nach – sehr viel -, hat aber eigentlich nicht die Kraft, eigene Entscheidungen zu treffen.
Auf dem Land, im heimischen “Gänsedorf”, lebt Shuyu, seine ungeliebte Frau, die er auf Drängen seiner Eltern geheiratet hat und nur während seines Jahresurlaubes sieht. Lin Kong lernt die Krankenschwester Manna Wu kennen, die sich langsam in ihn verliebt, während er sich an die freundliche, bestimmte Frau gewöhnt, und mit ihr eine distanzierte Freundschaft aufbaut, die er irgendwann für Liebe hält. Fortan bemüht sich Lin Kong, ganz ein Mann des Prinzips und der Unumstößlichkeit einmal getroffener Entscheidungen, um die Scheidung von seiner Frau – keine leichte Sache im China kurz nach Mao. Achtzehn Jahre dauert das “Warten” auf die Trennung, während sich die Protagonisten ändern – und, natürlich, das ganze China drumherum.

weiters:

“Warten auf Schnee in Havanna” von Carlos Eire, Wolfgang Müller
Heyne (Mai 2005)
“Der Himmel soll warten” von Katja Henkel
Bloomsbury (Oktober 2005)
“Warten auf den Bumerang”, 1 Audio-CD von Joachim Ringelnatz, Robert Gernhardt, Universal Music (2005)
“Schule ist wie Robinson – alle warten auf Freitag”,
von David Lawrence, Brunnen-Verlag 2005
“Warten auf die Barbaren” Roman von J. M. Coetzee (2001, S. Fischer).
“Warum noch darauf warten? Sextipps für Frauen” von Sylvia de Bejar. dtv 2003
“Wer warten kann, hat mehr vom Leben. Der entspannte Weg zu mehr Gelassenheit” von John Selby. dtv 2004.
Und:
Ohne Autor: “Warten auf Weihnachten”
Igel Records, 2003, 2 CD-Hüllen im Schuber,
Informationen des Verlages: Mit 24 wunderbaren Weihnachtsgeschichten für Kinder zum Hören, Wundern, Lachen und Träumen wird das Warten auf Weihnachten zum wahren Vergnügen. Eine Geschichte für jeden Tag im Advent.
Dieser „erzählende Adventskalender“ öffnet für den begeisterten Zuhörer jeden Tag eine weitere Wundertür. Bekannte Autoren wie Erich Kästner, Paul Maar, Astrid Lindgren, Christine Nöstlinger, Kirsten Boie schreiben heitere oder besinnliche Texte über die schönste Zeit des Jahres. Dazu enthält diese Weihnachtsanthologie viele Originalbeiträge junger deutscher Autoren – und als echtes Weihnachtsgeschenk von Astrid Lindgren die bislang unveröffentlichte und erstmals auf Tonträger erklingende Geschichte „Pippi Langstrumpf feiert Weihnachten“.
Zwischen den Geschichten gibt es kleine „musikalische Weihnachtsplätzchen“ von Bach über Mozart bis Schumann, engelleicht arrangiert für Konzertharfe oder luftig fliegend für Flöte mit Klavierbegleitung: mal silbrig glitzernder Gitarrenklang, mal biblisch tönendes Gebläse.
Spielzeit 4 Stunden 25 Minuten.

Adventmail 2005/17 (warten)

Tom Waits …
…wurde als Thomas Alan Waits am 7. Dezember 1949 in Pomona, Kalifornien, geboren. Seine Eltern trennten sich, als er noch ein Junge war.
Waits arbeitete als Küchenhilfe, Kneipenpianist und Türsteher und tingelte als Musikerpoet durch die Lande. Er schrieb Songs, die von Unterprivilegierten erzählten und sich in miesen Kneipen und schäbigen Motels abspielten.
Sein Debütalbum “Closing Time” wurde 1973 zum Szene-Geheimtipp und seine Fans verehrten ihn als neuen Jim Morrison. Mit seinen folgenden Alben avancierte er zum Kultidol und erlangte weltweite Berühmtheit als Interpret von schwermütig stimmenden Songs.
Er arbeitete mit Bette Middler und Crystal Gayle, mit der er 1982 einen Song zu Francis Ford Coppolas Musical-Film “One From The Heart” beisteuerte. Der Film floppte zwar, die Musik wurde allerdings für einen “Oscar” nominiert.
Neben seiner Musik zeigte sich Tom Waits auch als Schauspieler und hatte Rollen in “Rumble Fish”, “Cotton Club” und “Ironweed”. Sein Auftritt als inhaftierter Radio-DJ in “Down By Law” brachte ihm sehr gute Kritiken ein.
Im Jahr 1981 heiratete Waits die Dramaturgin Kathleen Brennan. Diese brachte 1983 Tochter Kellesimone und 1985 Sohn Casey Xavier zu Welt. Sie war außerdem von nun an Waits Partnerin und arbeitete an dessen Projekten mit.
Mitte der 80er Jahre schaffte Waits den internationalen Durchbruch als Musiker und veröffentlichte die Alben “Swordfishtrombones” und “Rain Dogs”, auf dem Titel wie “Soldier’s Thing”, “Blind Live” und “Downtown Train” veröffentlicht wurden. 1990 schaffte Rod Stewart mit seiner Version von “Downtown Train” Platz drei der US-Charts.
Waits widmete sich mit seiner Frau der Arbeit an einer einem ungewöhnlichen Projekt. Er vertonte mit ihr den Monolog “Frank’s Wild Years” von seinem Album “Swordfishtrombones” zu einem musikalischen Stück, was im gleichen Jahr in Chicago Theaterpremiere feierte.
Mitte der 90er Jahre führte Waits Prozesse gegen seinen Verlag “Third Music Story”, die er beide gewann. Es ging um Veräußerungen von Titeln für Werbezwecke ohne die Zustimmung von Waits. “Heart Attack And Wine” war an Levi’s Jeans und “Ruby’s Arms” an eine französische Käsefirma verkauft worden.
In den 90er Jahren war Waits weiterhin zweigleisig unterwegs. Er spielte in Filmen wie “Dead Man Walking”, “Night On Earth” und 1999 in “Mystery Men” neben Ben Stiller. Und Waits brachte weitere Alben auf den Markt. Mit seinem 1992 veröffentlichten “Bone Machine” konnte er 1993 seinen ersten “Grammy” in der Kategorie “Best Alternative Music” feiern.
Waits lebte abgeschieden und war nur selten auf der Bühne zu erleben. 1998 verließ er das Major-Label “Island” und unterschrieb für ein Album beim Independent-Label “Epitaph”, welches “Bad Religion”-Gitarrist Brett Gurewitz gehörte. Das Werk erschien 1999 als “Mule Variations” und verschaffte Waits erneut weltweiten Erfolg. Chart-Platz vier in Deutschland, Top Ten in anderen europäischen Ländern und in Japan, Platz 30 in den USA. “Mule Variations” wurde in der Sparte Blues mit einem “Grammy” für das “Beste zeitgenössische Folkalbum” ausgezeichnet.
Wiederum mit seiner Frau erarbeitete Tom Waits in der Folge gleich zwei neue Alben auf einmal und brachte diese im Mai 2002 in den Handel – “Alice” und “Blood Money”.
Im Oktober 2005 war Waits in dem neuen Film des italienischen Regisseurs Roberto Benigni zu sehen: “La tigre e la neve” behandelt mit der üblichen Kombination von Humor und Tragik das Thema des US-amerikanischen Krieges im Irak.

Biographie siehe auch www.allmusic.com

Adventmail 2005/15 (warten)

Was empfinden junge Leute, die sich für das Lebenskonzept „Kein Sex vor der Ehe“ entschieden haben und heute verheiratet sind?
Ulrike: “Mein Mann und ich sind seit fast 4 Jahren verheiratet. Vor unserer Ehe haben wir nicht miteinander geschlafen. Damals waren wir uns einig, dass wir mit Sex bis zur Ehe warten wollen. Es half uns einmal einen festen Entschluss gefasst zu haben und klar Stellung zu beziehen, um Situationen zu meistern, wo es nicht leicht ist…
Es ist für mich auch wichtig zu wissen, dass mein Mann nicht nur „das Eine“ von mir wollte, sondern mich als Persönlichkeit schätzt und liebt. Ich denke, dass es gerade bei einem Mann von Stärke und Charakter zeugt, wenn er warten kann, aber natürlich auch bei einer Frau.“ (siehe: www.wahreliebewartet.de)

1993 haben in Amerika 59 Teenager aus freiem Willen schriftlich versprochen, ihre Reinheit für die Ehe zu bewahren und bis zur Hochzeit sexuell enthaltsam zu leben. Seither sind viele Jugendliche diesem Aufruf gefolgt. 1994 versammelten sich vor dem Weißen Haus in Washington bereits 200.000 Jugendliche zu einem “True Love Waits”-Festival.

Adventmail 2005/14 (warten)

Kate Bush* („Wuthering Heights“, 1978) hat nach zwölf Jahren Pause mit „Aerial“** ein neues Album herausgebracht und erntete dafür fast durchwegs Kritikerlob.
Im Vorjahr schrieb der amerikanische Popkritiker John Mendelssohn einen Roman, der das lange Warten auf ein neues Werk der einflussreichen Popsängerin thematisiert: „Waiting for Kate Bush“ (Omnibus Press 2004) ist seit November auch auf Deutsch („Warten auf Kate“, Rockbuch Verlag Buhmann & Haeseler 2005) erhältlich.
Rezensent fritz-the-lovehound (s. amazon.de) aus Berlin schrieb darüber:
„Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und habe mich köstlich amüsiert. Der Roman ist absolut spannend und überaus geistreich geschrieben. Wenn man einen Schuss schwarzen Humor verträgt, kommt man voll auf seine Kosten.
Der Romanheld Leslie Herskovits steht auf einem Hochhaus und will seinem Leben ein Ende setzen, weil es ihm auf der Erde zu kompliziert geworden ist und er zu oft seelische Verletzungen erlitten hat – und weil Kate Bush, sein heiß geliebter Stern am Horizont schon seit Jahren kein neues Album herausbringt. Er weiß alles über sie und es liest sich überaus unterhaltsam, welche Details der Autor aus Kates Leben wahrheitsgetreu in die Handlung hineinwebt. Schnell schlägt das eigene Herz für den Romanheld Herskovits, der zielstrebig immer wieder in Situationen hineingerät, die ihm zum Verhängnis werden. Beim Lesen kommt man sich unwillkürlich selbst ein Stück näher, so alltäglich und doch manchmal faszinierend komisch ist unsere moderne und manchmal echt kaputte Welt mit all den Fallen, die sie uns stellt. Ob Herskovits nun tatsächlich in die Tiefe springt, wird nicht verraten.
Lest dieses Meisterstück eines modernen, einfühlsamen und faszinierenden Romans selbst – er ist unbedingt empfehlenswert und überaus gewinnbringend für die eigene Befindlichkeit in schlechten Tagen.“

*http://de.wikipedia.org/wiki/Kate_Bush; www.katebush.com/
**www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B000BEPLUE/303-6577185-8705804

Adventmail 2005/13 (warten)

Als Henry Van Cleve 1943 stirbt, begibt er sich in die Hölle, wo er glaubt hinzugehören. Im Vorzimmer trifft er auf Seine Exzellenz, den Satan persönlich, einen eleganten, freundlichen Mann mit Sinn für Humor. Der bezweifelt, dass Van Cleve genug gesündigt hat, um sich für den Verbleib in der Hölle zu qualifizieren. Henry aber besteht darauf, ein sündiges Leben geführt zu haben und beginnt, dem Teufel sein Leben zu erzählen.
Dieses ist geprägt durch die Ereignisse, die jeweils an seinen Geburtstagen stattfanden. So betrinkt er sich an seinem 15. Geburtstag und wird von dem französischen Hausmädchen verführt. Als er 21 wird, brennt er mit Martha Strabel, der hübschen Verlobten seines steifen Cousins Albert, durch und heiratet sie, begleitet von dem stillschweigenden Wohlwollen seines Großvaters, dem die Eskapaden seines Enkels einen Riesenspaß bereiten.
Zehn Jahre später ist Martha Henrys harmloser Flirts überdrüssig und flieht zu ihren Eltern, die sie nach ihrer Liebesheirat von zu Hause verstoßen hatten. Henrys Großvater befiehlt seinem Enkel, Martha zurückzuholen, und leistet tatkräftige Mithilfe bei deren erneuter Entführung.
Wiederum 20 Jahre später, Henry wird jetzt 51 und hat einen erwachsenen Sohn Jack, besucht er eine Revuetänzerin mit eindeutigen Absichten und erfährt, dass sie die Geliebte seines Sohnes ist. Gegen 25.000 Dollar nimmt er ihr, plötzlich sehr moralisch, das Versprechen ab, Jack nicht wieder zu sehen. Martha amüsiert sich über das Verhalten ihres Mannes, weiß sie doch, dass Jack schon aufgegeben hatte, die Tänzerin zu treffen.
Weitere zehn Jahre vergehen und Henry tanzt an seinem Geburtstag einen letzten Walzer mit seiner Frau, die wenig später stirbt. Nun wird Henry selbst zum kauzigen Großvater, der wegen seiner vermeintlichen Eskapaden mit jungen Frauen von seinem konservativen Sohn gerügt wird.
1943 schließlich ist es soweit, Henry haucht als 70-Jähriger sein Leben aus. Er besteht gegenüber Seiner Exzellenz darauf, in die Hölle zu kommen, doch der verwehrt ihm den Zutritt mit dem Hinweis, Henrys einzige Sünde sei gewesen, sein Leben ausgekostet und viel Glück erfahren zu haben. Und solche Leute seien in der Hölle nun mal nicht erwünscht. Dann geleitet er Henry zum Fahrstuhl und schickt ihn “aufwärts”.

Das ist der Inhalt des Films “Heaven Can Wait”, dessen deutscher Titel “Ein himmlischer Sünder” die Ironie des Originals nicht ganz trifft. Es war der erste Farbfilm von des Berliner Hollywood-Emigranten Ernst Lubitsch (Drehbuch nach dem Theaterstück “Szuletsnap” von Laszlo Bus-Fekete), dessen Karriere 1943 ihrem Ende entgegenging. Nur noch zwei Filme inszenierte er danach, bevor er am 30. November 1947 an einem Herzinfarkt starb.

Adventmail 2005/12 (warten)

Warum heute drei Adventmails auf einmal?
Vielleicht, weil der Absender die letzten drei Tage zum Schifahren auf der Reiteralm nutzte?
Oder weil er meint, dass ein wenig warten gut zum Thema der diesjährigen Adventmails passt?
Aus Ratlosigkeit? Rastlosigkeit? Heiserkeit? Heiterkeit?
Oder nichts von alledem?
Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?

Fragen über Fragen…

Antworten auf
www.antworten.de

Adventmail 2005/11 (warten)

Die 4D des BG/BORG Graz-Liebenau plante heuer im technischen Werkunterricht Wartehäuschen für den öffentlichen Verkehr und baute Modelle im Maßstab 1:20. Sieben Beispiele waren im Internet zu sehen, die URL ist aber inzwischen (2025) gelöscht.
Stattdessen ein Link zu einer deutschen Website für individuelle Wartehäuschen und HIER kann man sich eines aus Österreich kommen lassen.

Adventmail 2005/10 (warten)

Etymologie von „warten“

„Warten“ kommt vom althochdeutschen und mittelhochdeutschen „warten“ (ausschauen, erwarten), die germanische Wurzel hat auch die Bedeutung „bewachen“, „auf etwas achten“ und kommt z. B. im französischen Lehnwort „guarder“ (bewachen) oder im italienischen „guardare“ (schauen, behüten) vor.

„Grundbedeutung ist somit ‘sehen’, woraus sich im Deutschen ‘auf jemanden hinsehen, den man erwartet’ entwickelt hatte.“ (Kluge, Etymologisches Wörterbuch)

Verwandt sind die Nomina „Wart“ und „Wärter“.