Adventmail 2008/13 (Briefe an…)

Am 6.10.2007 erging folgendes Schreiben an die Redaktion von „Innenwelt – Magazin für seelische Gesundheit und Lebensqualität“:
Sehr geehrte Damen und Herren,
gerade ist mir die aktuelle Ausgabe Ihres Magazins in die Hände gefallen, in dem es um „Wege zur seelischen Gesundheit“ geht. Sie lassen darin eine ganze Reihe von Experten mehr als ein Dutzend Begriffe von Depression bis Psychische Erkrankungen erklären.
Beim raschen Durchblättern fühlte ich mich in das vorige Jahrhundert zurückversetzt, denn auf jeder Doppelseite prangt ein Spezialistenmännerkopf, der mir als Leserin einen Sachverhalt erklärt. Ich finde keine einzige Spezialistin in dieser Ausgabe.
Damit Sie mich richtig verstehen:
1. Ich kenne und schätze einige der hier dargestellten Personen.
2. Meine letzte schriftliche Initiative in Sachen Gender-Sensibität liegt sicherlich mehr als zehn Jahre zurück. Ich neige also keineswegs dazu, bei jeder Gelegenheit aufzuzeigen.
3. Ich bin auf den hier dargestellten Fachgebieten selbst nicht tätig.
4. Was ich aber ganz und gar nicht verstehen kann ist, wie es einem Redaktionsteam gelingen kann, bei einem derart frauenlastigen Thema (sowohl hinsichtlich der Expertinnen als auch hinsichtlich der Betroffenen in Sachen Psyche) so selektiv und durchgängig nur Männer zu Wort kommen zu lassen. Grundsätzlich bin ich davon ausgegangen, dass im 21. Jahrhundert mehr Sensibilität auf diesem Gebiet besteht. Es sollte doch mittlerweile bekannt sein, dass Frauen und Männer unterschiedliche Lebenserfahrungen machen und daher auch unterschiedliche Zugänge zur Welt haben. Dies gilt auch im Bereich der Wissenschaft. Um also die „ganze Welt“ darzustellen, muss auch die „ganze Welt“ vertreten sein.
Zur Erläuterung: Ich bin Unternehmerin und im Bereich Beratung und Training von Betrieben tätig. Als Arbeits- und Wirtschaftspsychologin bin ich Mitglied des Berufsverbandes Österreichischer Psychologinnen und Psychologen.
Als Psychologin kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen, dass die hier vertretenen Spezialisten ausschließlich Mediziner sind, weil es sich um ein Fachmagazin für Medizin handelt. Aber auch das medizinische Fach besteht nicht ausschließlich aus Männern.
Was hielten Sie davon, wenn jemand eine Fachzeitschrift über Journalismus macht und in diesem Magazin äußern sich seitenweise nur Journalisten, aber keine Journalistinnen?
Eine Stellungnahme fände ich wirklich nett!
Mit besten Grüßen,
Mag. Martina Molnar
Geschäftsführung
human-ware GmbH

Sehr geehrte Frau Mag. Molnar,
Grund für die „Spezialistenmännerköpfe“: die Auswahl der Interviewpartner zu den unterschiedlichen Themen beschränkte sich bei dieser ersten Ausgabe der Innenwelt spezial auf Institutsvorstände bzw. Präsidenten der Fachgesellschaften, und in diesen Funktionen sind in Österreich derzeit nun mal Psychiater und nicht Psychiaterinnen zu finden. Daran können wir als Redaktion auch nichts ändern.
1. Bei der Innenwelt spezial handelt es sich nicht um ein medizinisches Fachmedium, die Publikation richtet sich bewusst an Laien und kommt beim Publikum hervorragend an. Übrigens gibt es bereits eine zweite Ausgabe zum Thema Schizophrenie.
2. Warum das Thema psychische Erkrankungen tendenziell „frauenlastig“ sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Abgesehen davon ist es auch nicht in unserem Sinn, hier eine Geschlechtertrennung vorzunehmen. Unser Ziel ist Aufklärung für Betroffene, egal, ob diese nun männlich oder weiblich sind. Als Frau bin ich der Meinung, nicht unbedingt einen weiblichen Experten zu benötigen, bei welcher gesundheitlichen Fragestellung auch immer, wohl aber einen kompetenten Experten.
Mit freundlichen Grüßen,
Katja Beran
Chefredakteurin Innenwelt und Innenwelt spezial

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