Sehr geehrter Herr Klaus von der Flüe!
Zwar weiß ich nicht, ob wir dieselbe Sprache sprechen, Sie im 15. und ich im 21. Jahrhundert, dennoch möchte ich diese einmalige Gelegenheit nützen, um Ihnen einen Brief zu schreiben. Ich habe mich nämlich schon oft über Sie geärgert, obwohl Sie doch ein Heiliger sind – oder sagen wir lieber: obwohl die römisch-katholische Kirche Sie heiliggesprochen hat, was über tatsächliche Heiligmäßigkeit ja bekanntlich nicht viel aussagt.
Aber ich will mit Ihnen nicht über Kirchenpolitik diskutieren, obwohl das sicher interessant wäre, sondern Ihnen eine ganz persönliche Frage stellen: Welches, bitte, sind die wahren Gründe dafür, dass Sie Ihren Bauernhof, Ihre treu sorgende Frau und Ihre zehn Kinder verlassen und fortan als Einsiedler gelebt haben? Das jüngste Kind war damals erst 16 Monate alt. Was hat Sie so sicher gemacht, damit Gottes Willen zu erfüllen? Sie haben bei der Hochzeit doch bestimmt geschworen, füreinander da zu sein, „bis dass der Tod euch scheidet“? Muss man einen solchen Schwur denn nicht halten? Ich denke an Priester, denen es die Kirche äußerst übel nimmt, wenn sie eine in sehr jungen Jahren getroffene Lebensentscheidung rückgängig machen und den Zölibat beenden wollen. Sie aber wurden schon 1649 ein „Seliger“ und 1947 ein „Heiliger“, und Sie gelten als Schutzpatron der Schweiz!
Ich versuche mir vorzustellen, welches Ihre Beweggründe für diesen ungewöhnlichen und in meinen Augen moralisch zumindest zweifelhaften Schritt gewesen sein könnten. Hatten Sie Angst vor weiteren zehn Kindern (oder hatte vielleicht Ihre Frau Angst davor)? Befürchteten Sie, dass Ihr ältester Sohn, der damals 20 war, unter einem starken Vater zu sehr leiden würde? War Ihnen alles zu viel: zu viel Druck, zu viel Lärm, zu viel Arbeit? Hat Ihnen Ihre Frau ständig dreingeredet, wenn Sie Ihre offenbar sehr segensreiche Beratungstätigkeit für Politiker ausübten? Oder hat sie vielleicht ganz schlecht gekocht, und Sie wollten sie nicht kränken, indem Sie ihr die Wahrheit sagten…
Ich fürchte, ich werde auf meine eingangs gestellte Frage keine Antwort bekommen! Und so will ich Ihnen abschließend nur noch eines gestehen: Sie sind mir zwar ein Ärgernis, aber den Namen Klaus finde ich ausgesprochen schön. Wer weiß, ob er heute noch gebräuchlich wäre, gäbe es nicht einen Namenspatron, und sei es auch nur ein so rätselhafter Heiliger wie Sie, lieber Herr von der Flüe!
Mit freundlichen Grüßen aus der Zukunft, Christa aus Wien.
Adventmail 2008/05 (Briefe an…)
An: leserforum@salzburg.com, 24.11.2009
Betreff: Zum Bericht „Erste Nikolausschule in Salzburg“
Ich lese in den „SN“, dass die Katholische Jungschar die „Qualität der Nikolaus-Besuche steigern“ will.
Ich spiele seit mehr als 20 Jahren (fast) alljährlich den heiligen Nikolaus – allerdings nicht pfarrlich abgesegnet. Und ich frage mich, ob die Jungschar ein Monopol auf den Heiligen zu haben glaubt. Das wäre schlimm, denn die wollen aus einem Vorbild, zu dem die Kinder jedes Jahr im Advent aufschauen, einen langweiligen Softie und Dampfplauderer machen!
Nix da, soweits nach mir geht! Ich nehm weiterhin den Krampus mit, denn die Kinder wollen das Gute und das Böse auch mal vor Augen haben und nicht nur im Internet suchen müssen. Und ich werde weiterhin den Zettel, den mir manche Eltern zustecken, verwenden, damit die Kinder Respekt haben bzw. kriegen vor Mächten, die ihre kleinen und großen Sünden kennen.
Kinder sind nämlich – und jetzt haltet Euch mal fest, ihr Jungschar-Wattebauschpädagogen! – manchmal ziemliche Fratzen, die nun einmal Grenzen brauchen, und sei es in Form von einem kräftigen Hieb mit der Rute. Das mach natürlich nicht ich, als guter Nikolaus. Dafür hab ich ja den Krampus dabei. Wer seinen Sohn liebt, der züchtigt ihn, heißt es nämlich schon in der Bibel. Aber das haben die Jungschärler wahrscheinlich schon „modern“ umübersetzt in: Wenn du deinen Sohn liebst, lass ihn alles tun und lassen, was ihm beliebt…
Franz Hüttler, Tamsweg
(Bei Abdruck bitte „Name der Red. bekannt“ schreiben, sonst hetzt die Jungschar ihre arbeitslosen Krampusse auf mich!)
Eva.Neider@salzburg.com an amaetfacquodvis@gmx.at, 1.12.2008
Betreff: Nikolausschule
Sehr geehrter Herr Hüttler,
Wir würden Ihren Leserbrief gerne veröffentlichen, allerdings nur mit Nennung Ihres Namens. Was meinen Sie dazu?
Mit freundlichen Grüßen
Eva Neider
amaetfacquodvis@gmx.at an Eva.Neider@salzburg.com, 1. Dec 2008
Re: Betreff: Nikolausschule
Gut, bin einverstanden.
Beste Grüße,
Franz Hüttler*
[*Der LeserInnenbrief-Abteilung der “Salzburger Nachrichten” ist gar nicht bedenklich vorgekommen, dass die Großmutter des GröFaZ noch “Hüttler” hieß…]
Adventmail 2008/04 (Briefe an…)
(geschrieben am Tag nach einer Lesung der ORF-Kulturmoderatorin C.S. aus ihrem Erstlingsroman „N.“ im Wiener Museumsquartier)
treborme@gmx.at an clarissa.stadler@orf.at, 22.7.2005
Betreff: LesuN.g
Hallo Clarissa Stadler!
Ich saß gestern in der ersten Reihe bei deiner Lesung im MQ. Hat mir gefallen, besonders der unveröffentlichte Text. Dank dir dafür. Störend fand ich nur, dass die monströse Leselampe einen Großteil deines Gesichts verdeckte.
Ich hätte dich noch gerne darauf angesprochen, wie du das hinkriegst: journalistisch zu arbeiten und parallel dazu an belletristischen Texten zu feilen. Ich bin einer jener Germanisten, denen kreatives Schreiben immer ein Herzenswunsch gewesen ist, die aber im Tagesgeschäft des Agenturjournalismus irgendwie nie dazu kommen. Das beißt sich, finde ich. Bist du einfach diszipliniert genug?
Ich verkniff mir die Frage, weil meine BegleiterInnen auf ein Achterl après drängten und du von Signierbedürftigen umgeben warst. Wollte mich nicht anstellen. “Wirkt ziemlich unnahbar”, hieß es dann am Tisch über dich, und “tough woman”. Mag sein. Aber mir sind AutorInnen lieber, die ihr Buch aufblättern und nicht gleich sich. Überrascht hat mich dann dein Schlusssatz. “Sie waren ein wunderbares Publikum.” Eine Floskel – oder kam da was rüber?
Wie auch immer, danke jedenfalls.
Robert
clarissa.stadler@orf.at an treborme@gmx.at, 22.7.2005
Betreff: AW: LesuN.g
lieber robert,
danke für dein mail – nein, es war keine floskel, normalerweise sage ich nur “danke fürs zuhören” – aber für mich war die gestrige lesung wirklich außergewöhnlich. ich hab jetzt ca. zehn mal gelesen, von wien bis leipzig, aber so einen abend wie gestern hab ich nicht erlebt.
ich mag keine öffentlichen auftritte (wirst du mir jetzt nicht glauben, und fernsehen ist noch mal was anderes, da ist man “geschützt”) aber gestern hat eine konzentration zwischen den menschen im publikum und mir da oben stattgefunden, die hab ich physisch spüren können.
ich hör das oft, dass ich so unnahbar oder tough wirke, ich weiss nicht warum dieser eindruck entsteht, ist vielleicht ein schutzschild.
ich hab mich jahrelang an der grenze zwischen feuilletonismus und kolumnenschreiben bewegt (N. ist praktisch nathlos aus meiner standard-kolumne “erscheinungen” entstanden) und immer von der literatur geträumt. weil ichs mir selbst nicht zugetraut habe, war ich dann mit einem autoren liiert. dessen verleger hat mir anläßlich einer lesung gesagt, “sie wollen doch schreiben, das merkt man. wenn sie schreiben wollen, müssen sie sich irgendwann dafür entscheiden!”
im sommer 2003 wars dann so weit. der auslöser war letztendlich wut. in den jahren davor hatte sich viel angestaut…
schreiben als prozess ist ja nicht lustig, aber geschrieben zu haben ist extrem befreiend.
nein, ich bin nicht diszipliniert. ich schreibe ausschließlich nachts, meist nicht mehr als 2-3 stunden und oft wochenlang gar nicht. ich kann mir aber vorstellen, dass dein job anstrengender ist, als meiner, ich hab mich ja aus dem redaktionellen zurückgezogen und moderiere nur noch die zib-kultur.
wenn du das immer wolltest, dann schreib doch! journalismus ist ein guter brotjob, von irgendwas muss man leben. Natürlich hat das nichts mit literatur zu tun, aber man ist dauernd im training, muss sprache verdichten und formulierungen korrigieren. journalismus ist dann frustrierend, wenn man eigentlich was anderes will. mich hat deprimiert, ständig über künstler zu berichten, noch dazu oberflächlich, statt selbst was zu machen.
und die ständigen manipulationen an der wahrheit führen früher oder später zum zynismus.
also alles gute und dank dir für deine reaktion,
clarissa
ps: und wie heißt du und was machst du genau?
von wegen unnahbar…
Adventmail 2008/03 (Briefe an…)
Erstmal eine Klarstellung: Die von mir hier versendeten Mails (und die Antworten darauf) sind kein Fake. Ich wählte nur manchmal einen anderen Namen, wenn ich mich damit beruflich zu sehr exponiert hätte… Und jetzt das heutige, tatsächlich abgeschickte Mail (voraus ging eine Einladung des Wiener Szenelokals „phil“, sich dichterisch für eine Ballnacht im Gartenbaukino zu qualifizieren):
treborme@gmx.at an: An: info@phil.info, 3.11.2006,
Betreff: Ode an das Gartenbau…
> Achtung: Die Namen der ersten Zehn, die auf dieses Mail mit einer kleinen Ode an das
> Gartenbaukino antworten, kommen auf die Gästeliste und dürfen auch eine/n Ballpartner/in mitnehmen.
Ok, hier meine Ode:
Loben will ich’s Gartenbau,
wo ich mir niemals Karten klau
und aller Filme Arten schau.
Und werd ich auch vom Warten blau,
ich mich doch zu starten trau
dorthin mit dem Bartenstau…
doch halt: der heißt doch Bartenstein.
Jetzt lass ich das Loben sein…
Reicht das für eine rauschende Ballnacht?
😉
Robert Mitscha-Eibl
info@phil.info an treborme@gmx.at, 5.11.06
Betreff: Re: Ode an das Gartenbau…
Es reicht. Du stehst hiermit auf der Gästeliste.
Viel Spaß,
das phil-Team
Adventmail 2008/02 (Briefe an…)
treborme@gmx.at an: E-Mail-Beratung der Erzdiözese Wien, 19. 11.08
Betreff: Zilk-Begräbnis
Sg. Seelsorger,
mir ist jetzt der Wortlaut der Predigt von Kardinal Schönborn beim Gottesdienst für den verstorbenen Wiener Bgm. Zilk in die Hände gekommen. Eine Passage daraus hat mich als Geschiedenen neugierig gemacht.
Schönborn sagt nämlich: “Ich habe nie ganz verstanden, warum es bei der Ehe heißt: ‘…bis dass der Tod euch scheidet’. Es stimmt: Der Tod trennt schmerzlich. Aber hört die Liebe mit dem Tod auf? Dauert sie nur so lange bis der Tod die Liebenden scheidet? Nein, die Liebe ist stärker als der Tod….”
Und das sagt der Kardinal zu einem, für den Dagmar Koller die dritte Ehefrau war?! Steht jetzt also die Unaufhörlichkeit der Liebe höher als die Unauflöslichkeit der Ehe? Wenn ja, würde es mich freuen, denn dann hätte eine neue Partnerschaft von mir auch eine Chance auf “kirchlichen Segen”. Oder gelten die Worte des Kardinals nur für die Zilks dieser Welt?
Bitte klären Sie mich auf, falls es eine neue Linie der Kirche gegenüber Wiederverheirateten gibt. Oder – wenn das einen Sinn hat – leiten Sie meine Anfrage an den Kardinal persönlich weiter.
Danke im Voraus,
R. Melchart
telefonseelsorge@surfeu.at an treborme@gmx.at, 26.11.2008
Lieber Herr Melchart!
Ich heiße Tine, ich arbeite bei der Telefonseelsorge Wien und ich möchte Ihnen jetzt auf ihr mail antworten:
Ich habe die Predigt unseres Kardinals nicht gehört, aber, um es mit Ihren Worten zu sagen: Die Unauflöslichkeit der Ehe soll auf die Unaufhörlichkeit der Liebe hinweisen. Die Sakramente sind ja nichts anderes als Zeichen, in denen Gottes (unaufhörliche und unauflösliche) Liebe zu uns Menschen sichtbar werden soll. Und diese Liebe gilt allen gleich, egal ob verheiratet oder geschieden oder wiederverheiratet.
In diesem Sinn kann das Sakrament der Ehe natürlich auch nicht aufgelöst werden, denn das würde ja als Zeichen bedeuten, dass Gott seine Liebe zu uns (zB im Konfliktfall) auflösen kann. Die Kirche sieht aber an der Realität der vielen Scheidungen nicht vorbei. Daher empfiehlt gerade unser Kardinal, das persönliche Gespräch mit allen zu suchen, deren Ehe zerbrochen ist und jeden “Fall” individuell zu betrachten. Einer Segnung Ihrer Beziehung steht nichts im Wege, wenn Sie und Ihre Partnerin diesen von Herzen wünschen.
Allerdings muss ich leider auch dazu sagen, dass sich nicht alle Pfarren und Priester an diese Grundregeln halten. Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, Kontakt zu einer Pfarre und einem Pfarrer bzw. einer Pastoralassistentin zu suchen, wo Sie sich angenommen und wohl fühlen.
Ich hoffe, ich habe Ihnen damit weitergeholfen und wünsche Ihnen alles Gute!
Tine
Adventmail 2008/01 (Briefe an…)
treborme@gmx.at an: kundendienst@orf.at, 31.3.2008
Betreff: Anbrennen
Liebe ORF-Kundendienst-MitarbeiterInnen,
bitte dieses Mail an die Online-Redaktion sport.orf.at weiterleiten…
“Aber auch Konkurrent Jürgen Macho lässt mit AEK Athen in Griechenland derzeit nichts anbrennen…”, heißt es heute, 31. März, in einem Bericht über die gute Form der beiden im Ausland engagierten Fußball-Team-Torhüter. Bei dieser Formulierung muss ich die Augen verdrehen: Muss wirklich in drei von vier Fußball-Berichten die aus Deutschland entlehnte und mittlerweile auch hierzulande nervtötend abgegriffene Metapher “nichts anbrennen lassen” vorkommen??
Im Sport gibt’s ohnehin Deja-vu-Erlebnisse zuhauf. Wäre es da nicht möglich, zumindest in der Berichterstattung ein bisschen Abwechslung zu forcieren und sprachliche Stereotypen zu vermeiden?
Ich ersuche dringend um ein einmonatiges “Anbrenn”-Embargo in Ihrer Redaktion und biete dafür Ersatz-Vokabel wie
– “sich nicht aus der Ruhe bringen lassen”
– “nicht in Hektik verfallen”
– “gelassen bleiben”
– “sich unbeeindruckt zeigen”
– “nicht die Nerven verlieren”
… an.
Mit besten Grüßen,
Robert Mitscha-Eibl
Journalist, Sportfan, Sprachkulturförderer
Adventmails 2008 (Ankündigung)
Liebe FreundInnen! (19.11.2008)
„Briefe (ans Christkind?)“ waren meine Idee für die diesjährigen Adventmails. Ich bat Euch dafür um Beiträge in Form kurzer, augenzwinkernder, querdenkerischer und auch tatsächlich abgeschickter Briefe an mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten oder Institutionen, in denen Ärger, Dank, Weltanschauung, Sehnsucht, Visionen oder Hoffnung ausgedrückt wird – und das möglichst prägnant und gut lesbar.
Die Resonanz war bisher gering. Es gibt erst einen eingelangten Beitrag und eine Handvoll Zusagen – und von etlichen von Euch AdressatInnen hab ich noch gar nichts dazu gehört.
Hab ich vielleicht die erste Ausschreibung zu “kabarettistisch” angelegt? Keine Sorge, der Originalitäts-Druck soll nicht überhand nehmen, es darf, aber MUSS nicht witzig sein. Es gibt doch sicher Themen wie Weihnachtsmusikberieselung, Postfilialenschließung, ORF-Einsparungsideen oder Hundekot, bei denen Ihr Eure Überzeugungen bei den zuständigen Personen deponieren wollt – und bei dieser meiner adventlichen LeserInnen-Gemeinde, sofern es sich nicht nur um rein Privates handelt.
Ich bitte Euch somit inniglich, geht in Euch, kramt nach Brauchbarem im genannten Sinn und beschickt mich mit Euren Konkretisierungen. Und möglicherweise GIBTS ja sogar schon was, an das Ihr noch gar nicht gedacht hattet: Beschwerdebriefe nach ÖBB-Verspätungen oder Urlaubsfiaskos oder Fanpost an Heidi Klum oder Michelle Obama oder….
Und sofern es Reaktionen der Angeschriebenen gibt, sind die natürlich auch willkommen.
In freudiger Erwartung grüßt Euch herzlich
Robert
Und los geht’s, liebe FreundInnen! (30.11.2008)
Ab sofort und bis 24. Dezember wieder Adventmails…
Obwohl ich noch längst nicht genug Beiträge in Form von „Briefen (ans Christkind?)“ bekommen habe, fang ich jetzt mal (mit eigenen) an. Vielleicht motiviert das manche von Euch ja zu eigenen Beiträgen bzw. baut Sorgen ab, ob Euch so etwas überhaupt liegt. Das Wichtigste ist aber, dass Ihr Spaß daran habt.
Ihr werdet sehen/lesen, dass ich meine Mails manchmal unter Pseudonym abgeschickt habe, dass manche schon älteren Datums sind und dass manchmal Antworten angefügt sind. Eins haben meine Briefe nämlich gemeinsam: Sie sind allesamt tatsächlich abgeschickt worden…
Wie jedes Jahr würde ich mich freuen, von Euch Feedback zu bekommen.
Ich wünsche Euch einen substanzvollen, stressarmen Advent.
Robert
Adventmail 2007/24 (Countdown 24-1)
24. Dezember – 1
Höre Jisrael:
ER unser Gott, ER Einer!
Liebe denn
IHN deinen Gott
mit all deinem Herzen, mit all deiner Seele, mit all deiner Macht.
(Dtn 6, 4-5; Buber-Rosenzweig-Übersetzung)
Dieses Hauptgebot der Gottesliebe wird oftmals auch als Glaubensbekenntnis Israels bezeichnet, einer der zentralen Texte des Monotheismus. Auf diesem biblischen Glauben an den einen und einzigen Gott fußt die jüdisch-christliche Glaubenstradition. Monotheistische Religionen sind auch der Islam und die Neuzeitreligion der Baha’i.
Als älteste (bekannte) monotheistische Religion wird gelegentlich der Zoroastrismus (von Zarathustra, um 1.800 v. Chr.) angesehen, entstanden im heutigen Iran. Allerdings ist dessen Hauptgott Ahura Mazda nicht alleiniger Schöpfer.
Nach einer anderen Theorie tritt der Monotheismus erstmals in Ägypten im 14. Jht. v. Chr. auf, bei Pharao Echnaton, der Aton als alleinigen Gott Ägyptens bestimmte. Aber auch hier ist unklar, ob Echnaton die Existenz anderer Götter bestritt.
Es wird allgemein angenommen, dass die altisraelitische/judäische Religion ihre monotheistische Lehre erst seit dem 5. Jht. v. Chr. unter Einflüssen von zoroastrischem und klassisch-griechischem Gedankengut entwickelt habe und vorher ihren Gott (Jahwe) nur als den eigenen Stammesgott (neben Göttern anderer Stämme oder Völker) verstand. Laut dem Selbstverständnis der heutigen Religionen Judentum, Christentum und Islam – die Orthodoxie (Rechtgläubigkeit) tut sich überall schwer mit historischem Denken – war bereits Abraham, der mythische Stammvater des Judentums ca. 1800 v. Chr., Monotheist. In Wahrheit war er bestenfalls Monolatrist, also Verehrer eines einzigen (Haupt)Gottes.
Nach der Europäischen Wertestudie 2000 glauben 83 % der ÖsterreicherInnen an (einen nicht näher definierten) Gott, mehr als 1990 (77 %). Und auch wenn ich mit dem trinitarischen Gottesbild des Christentums so meine Probleme habe, glaube ich doch an den Gott, wie ihn Jesus der Christus vermittelt hat. Aber ob Gott in Jesus Mensch wurde? Hm, schwierige Frage… Ich denke, da lass ich mich mal überraschen.
Und wünsche euch allen, ihr lieben AdressatInnen, ein schönes Fest heute Abend mit vielen schönen Überraschungen. Und auch gleich einen guten Start in ein hoffentlich freudvolles Jahr 2008!
Robert
Adventmail 2007/23 (Countdown 24-1)
23. Dezember – 2
Wenn ich meine Arbeits-Telefonnummer in den Hörer spreche, sage ich „fünfhundertzwölf – zwoundfünfzig – sechsundachzig“. Insofern stimmt der vorletzte Satz des folgenden Wikipedia-Eintrags nicht ganz:
„Mit Aufkommen von elektronischen Sprechverbindungen (Telefon und Sprechfunk) bürgerte sich die Form zwo für zwei ein, um bei schlechter Übertragungsqualität, wie sie anfänglich an der Tagesordnung war, das Wort besser vom lautlich ähnlichen „drei“ unterscheiden zu können. Sie übertrug sich auf den allgemeinen geschäftlichen Verkehr und auf die Umgangssprache. Mittlerweile ist die ‘Zwo’ nicht mehr weit verbreitet. Wert auf die Verwechslungsgefahr ausschließende Aussprache ‘Zwo’ wird allerdings nach wie vor im Sprechfunk und auch im Alltagsbetrieb beim Heer gelegt.“
Adventmail 2007/22 (Countdown 24-1)
22. Dezember – 3
Nach der moralischen Bestärkung im gestrigen Mail wage ich heute ein heißes Thema anzupacken: den Flotten Dreier als kleinstmögliche Besetzung beim Gruppensex. Folgende Illustration dazu – unter 18-Jährige jetzt bitte wegschauen – fand sich noch vor kurzem auf Wikipedia (die jetzt durch eine harmlosere und „politisch korrektere“ – weil mit Kondomen versehene – ersetzt wurde, die ihr sicher gleich mal anklicken werdet http://de.wikipedia.org/wiki/Flotter_Dreier).

sttationen in verschiedenen Sprachen
„Insbesondere von Menschen mit bisexuellen Neigungen wird ein Flotter Dreier als sehr befriedigend geschildert“, behauptete das Internet-Lexikon in der vor drei Monaten noch ungekürzten „Clubversion“: „Fans preisen die zusätzlichen Möglichkeiten der sexuellen Stimulation. Stimuliert die erste Person die zweite, kann diese den Lustgewinn an die dritte Person weitergeben, welche wiederum mit der ersten verkehrt. Dadurch erhält sich ein Kreislauf, indem die Lust ‚zirkuliert’. Man bekommt das, was man gegeben hat, in verwandelter Form wieder zurück.“ Wenn man bedenkt, wie viele Schüler ihre Referate direkt aus Wikipedia übernehmen, klingt dies viel zu verlockend und schrie geradezu nach Überarbeitung und Zensur. Die neue Version ist deutlich weniger enthusiastisch…
Die Berliner Band „Stereo Total“ behandelte das Thema in ihren (auf FM4 oft gespieltem) Song „Liebe zu dritt“ (CD „Musique automatique“, 2001). Die deutsch-französische Künstlerin Francoise Cactus haucht darin lasziv…
„ich liebe es, / liebe zu machen/ am liebsten zu dritt
das ist total out / das ist hippieshit / aber ich sag es laut / ich liebe liebe zu dritt;
ich liebe es, / von vier händen gestreichelt zu werden / ist der eine müde, der zweite ist fit
uuuh! bei der liebe zu dritt…“
Empfehlenswerte Filme zum Thema Dreieckskonstellationen sind „Jules und Jim“, „Henry & June“, „Intime Fremde“ und „Die fetten Jahre sind vorbei“, passende Bücher z.B. „Menage a trois“ von Juerg Kilchherr und „Der Gott Jesu Christi. Betrachtungen über den Dreieinigen Gott“ von Joseph Ratzinger.