Adventmail 2008/02 (Briefe an…)

treborme@gmx.at an: E-Mail-Beratung der Erzdiözese Wien, 19. 11.08
Betreff: Zilk-Begräbnis
Sg. Seelsorger,
mir ist jetzt der Wortlaut der Predigt von Kardinal Schönborn beim Gottesdienst für den verstorbenen Wiener Bgm. Zilk in die Hände gekommen. Eine Passage daraus hat mich als Geschiedenen neugierig gemacht.
Schönborn sagt nämlich: „Ich habe nie ganz verstanden, warum es bei der Ehe heißt: ‚…bis dass der Tod euch scheidet‘. Es stimmt: Der Tod trennt schmerzlich. Aber hört die Liebe mit dem Tod auf? Dauert sie nur so lange bis der Tod die Liebenden scheidet? Nein, die Liebe ist stärker als der Tod….“
Und das sagt der Kardinal zu einem, für den Dagmar Koller die dritte Ehefrau war?! Steht jetzt also die Unaufhörlichkeit der Liebe höher als die Unauflöslichkeit der Ehe? Wenn ja, würde es mich freuen, denn dann hätte eine neue Partnerschaft von mir auch eine Chance auf „kirchlichen Segen“. Oder gelten die Worte des Kardinals nur für die Zilks dieser Welt?
Bitte klären Sie mich auf, falls es eine neue Linie der Kirche gegenüber Wiederverheirateten gibt. Oder – wenn das einen Sinn hat – leiten Sie meine Anfrage an den Kardinal persönlich weiter.
Danke im Voraus,
R. Melchart

telefonseelsorge@surfeu.at an treborme@gmx.at, 26.11.2008
Lieber Herr Melchart!
Ich heiße Tine, ich arbeite bei der Telefonseelsorge Wien und ich möchte Ihnen jetzt auf ihr mail antworten:
Ich habe die Predigt unseres Kardinals nicht gehört, aber, um es mit Ihren Worten zu sagen: Die Unauflöslichkeit der Ehe soll auf die Unaufhörlichkeit der Liebe hinweisen. Die Sakramente sind ja nichts anderes als Zeichen, in denen Gottes (unaufhörliche und unauflösliche) Liebe zu uns Menschen sichtbar werden soll. Und diese Liebe gilt allen gleich, egal ob verheiratet oder geschieden oder wiederverheiratet.
In diesem Sinn kann das Sakrament der Ehe natürlich auch nicht aufgelöst werden, denn das würde ja als Zeichen bedeuten, dass Gott seine Liebe zu uns (zB im Konfliktfall) auflösen kann. Die Kirche sieht aber an der Realität der vielen Scheidungen nicht vorbei. Daher empfiehlt gerade unser Kardinal, das persönliche Gespräch mit allen zu suchen, deren Ehe zerbrochen ist und jeden „Fall“ individuell zu betrachten. Einer Segnung Ihrer Beziehung steht nichts im Wege, wenn Sie und Ihre Partnerin diesen von Herzen wünschen.
Allerdings muss ich leider auch dazu sagen, dass sich nicht alle Pfarren und Priester an diese Grundregeln halten. Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, Kontakt zu einer Pfarre und einem Pfarrer bzw. einer Pastoralassistentin zu suchen, wo Sie sich angenommen und wohl fühlen.
Ich hoffe, ich habe Ihnen damit weitergeholfen und wünsche Ihnen alles Gute!
Tine