Adventmail 2008/06 (Briefe an…)

Sehr geehrter Herr Klaus von der Flüe!
Zwar weiß ich nicht, ob wir dieselbe Sprache sprechen, Sie im 15. und ich im 21. Jahrhundert, dennoch möchte ich diese einmalige Gelegenheit nützen, um Ihnen einen Brief zu schreiben. Ich habe mich nämlich schon oft über Sie geärgert, obwohl Sie doch ein Heiliger sind – oder sagen wir lieber: obwohl die römisch-katholische Kirche Sie heiliggesprochen hat, was über tatsächliche Heiligmäßigkeit ja bekanntlich nicht viel aussagt.
Aber ich will mit Ihnen nicht über Kirchenpolitik diskutieren, obwohl das sicher interessant wäre, sondern Ihnen eine ganz persönliche Frage stellen: Welches, bitte, sind die wahren Gründe dafür, dass Sie Ihren Bauernhof, Ihre treu sorgende Frau und Ihre zehn Kinder verlassen und fortan als Einsiedler gelebt haben? Das jüngste Kind war damals erst 16 Monate alt. Was hat Sie so sicher gemacht, damit Gottes Willen zu erfüllen? Sie haben bei der Hochzeit doch bestimmt geschworen, füreinander da zu sein, „bis dass der Tod euch scheidet“? Muss man einen solchen Schwur denn nicht halten? Ich denke an Priester, denen es die Kirche äußerst übel nimmt, wenn sie eine in sehr jungen Jahren getroffene Lebensentscheidung rückgängig machen und den Zölibat beenden wollen. Sie aber wurden schon 1649 ein „Seliger“ und 1947 ein „Heiliger“, und Sie gelten als Schutzpatron der Schweiz!
Ich versuche mir vorzustellen, welches Ihre Beweggründe für diesen ungewöhnlichen und in meinen Augen moralisch zumindest zweifelhaften Schritt gewesen sein könnten. Hatten Sie Angst vor weiteren zehn Kindern (oder hatte vielleicht Ihre Frau Angst davor)? Befürchteten Sie, dass Ihr ältester Sohn, der damals 20 war, unter einem starken Vater zu sehr leiden würde? War Ihnen alles zu viel: zu viel Druck, zu viel Lärm, zu viel Arbeit? Hat Ihnen Ihre Frau ständig dreingeredet, wenn Sie Ihre offenbar sehr segensreiche Beratungstätigkeit für Politiker ausübten? Oder hat sie vielleicht ganz schlecht gekocht, und Sie wollten sie nicht kränken, indem Sie ihr die Wahrheit sagten…
Ich fürchte, ich werde auf meine eingangs gestellte Frage keine Antwort bekommen! Und so will ich Ihnen abschließend nur noch eines gestehen: Sie sind mir zwar ein Ärgernis, aber den Namen Klaus finde ich ausgesprochen schön. Wer weiß, ob er heute noch gebräuchlich wäre, gäbe es nicht einen Namenspatron, und sei es auch nur ein so rätselhafter Heiliger wie Sie, lieber Herr von der Flüe!
Mit freundlichen Grüßen aus der Zukunft, Christa aus Wien.

Adventmails 2006/06 (Listen aller Art)

5 Sendungen im Fernsehen (Kabel), die ich mag und mir fast immer anschaue:
1.) Zeit im Bild, ORF: Ideale Ergänzung zur täglichen Lektüre der Zeitung „Die Presse“.
2) Das Nachtcafé, SWR: jeden Freitag, 22-23:30 Uhr, Talk-Show auf höchstem Niveau, spannend, menschlich, lehrreich… Die Sendung wird am Samstag um 8:50 wiederholt.
3) Millionenshow, ORF, oder lieber noch: Wer wird Millionär?, RTL: Befriedigte Eitelkeit, Wissbegierde, Ärger, Schadenfreude…
4) Krimis von Donna Leon: traumhaft schöne Aufnahmen der traumhaft schönen Stadt Venedig! (Wenn Tote gezeigt werden, mache ich schnell die Augen zu.)
5) Dancing Stars, ORF: die Sendung, die zu sehen keine meiner Freundinnen zugibt! Flotte Musik, extravagante Kleider, vor allem: Tanz! Psychologisch interessant: Unterschiede zwischen Österreich und Italien (vgl. RAI UNO: „Ballando con le stelle“)

Christa, 74, Pensionistin, Wienerin, Großmutter von 8 Enkeln zwischen 10 und 27


Adventmail 2004/01 (Glücksmomente)

Liebe FreundInnen,
das ist das erste in einer Reihe von 24 Mails für meinen dritten elektronischen Adventkalender. Bisher haben 18 Leute auf meine Bitte reagiert, als Beitrag dafür Glücksmomente schriftlich festzuhalten. Und manche haben noch Bereitschaft signalisiert, sich der Mühe des Formulierens zu unterziehen. Vielleicht fühlen sie sich ja motiviert durch die täglichen Zusendungen, dafür zu sorgen, dass die Serie nicht vor dem Heiligen Abend abreißt und ich improvisieren muss… Für die nächsten zweieinhalb Wochen hab ich jedenfalls viel schönen Lesestoff. DANKE allen dafür.
Und hier das erste Adventmail (übrigens das erste von allen, das ich bekommen hab), alle weiteren unkommentiert:

Es gibt Glücksmomente in meinem Leben, die lassen sich zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter wiederholen, und das geht so:
Ich komme vom Michaelerplatz, durchquere den Inneren Burghof und trete auf den Heldenplatz hinaus. Nach einigen Schritten bleibe ich stehen und schaue mich um, und Begeisterung erfüllt mich angesichts der Fülle an Schönheit. Ich sehe – im Sonnenglanz oder von Regenwolken verhangen – die Hofburg, die beiden Museen, das Parlament, das Rathaus, das Burgtheater, die Minoritenkirche, dazu noch die Reiterstandbilder, blühende oder auch schneebedeckte Sträucher, alte Bäume, Rasenflächen, Menschen.
Andere Leute mögen darüber lächeln, aber bei mir stellt sich da jedes Mal wieder dieses Glücksgefühl ein: Hier, wo ich zur Welt gekommen bin, hier darf ich leben, hier in Wien!

Christa, 72, Pensionistin (Übersetzerin)