Adventmails 2006/05 (Listen aller Art)

5 Best of books, die ich heuer gelesen (ein- oder mehrmals!!)

Gut gegen Nordwind, Daniel Glattauer:
D.G., den ich sonst nur aus seinen nicht bloß amüsanten „Standard“-Kommentaren kenne und leider nicht persönlich – Robert, ist der nicht auch ein Freund von dir? -, verschaffte mir mindestens zwei höchst vergnügliche Abende.. Achtung! Mitanwesende Personen fühlen sich vernachlässigt oder reißen einem das Buch aus der Hand…

Der Nazi und der Friseur, Edgar Hilsenrath:
Schluck. Lach. Ist ja ein Roman. Nicht mehr auszuhalten. Prust. Vielleicht doch noch ein Glas Rotwein, um das zu verdauen….

Imagination als heilsame Kraft, Luise Reddemann:
Kontrapunkt zum vorigen, nicht nur Fachbuch für PsychogInnen wie mich. Für alle, die dafür offen sind, ihre großen und kleinen Leiden in den Hintergrund und ihre Ressourcen und Kräfte in den Vordergrund rücken zu lassen. Die Autorin ist Begründerin einer Traumatherapierichtung (PITT), ich hab bei ihr eine beeindruckend schlichte und meinen Arbeitsstil verändernde Fortbildung gemacht…

Der Grüffelo (The Gruffalo), Julia Donaldson und Axel Scheffler:
„Kinderbuch“ in Reimen; witzig, gescheit und toll illustriert. Nachfolger „Das Gruffelokind“ find ich genauso gut. Es gibt eine in verschiedensten Tonlagen gelesene britische Version von der englischen Schauspielerin Imelda Staunton in Kassettenform. Bald kann mans fraus kinds auswendig!

Hoch wie der Himmel, tief wie die Erde, Sylvia Wetzel:
Sehr hilfreiche „Meditationen zu Liebe, Beziehungen und Arbeit“ aus der wunderbaren buddhistischen Ecke. Jedoch wie immer: Es gibt nix Gutes, außer…

Elisabeth, 46, Psychotherapeutin

Adventmails 2006/04 (Listen aller Art)

Fünf Namen: Wie mein Bursche, der als Palmesel und Aprilscherz anno 2007 das Licht der Welt erblicken könnte, mutmaßlich heißen wird…

Nikolaus – wenn dieser Name nicht in den letzten Tagen durch Grete Laska (“Kein Nikolaus an Wiener Schulen!” – mittlerweile aber wieder alles retour) so sehr an positiver Strahlkraft verloren hätte und nicht auch dieser nervtötende Lauda so heißen würde. Aber immerhin: Lenau und Harnoncourt…

Julius – wenn sich nicht dieser protzige Papst im 16. Jahrhundert mit seinem Petersdom finanziell so dermaßen übernommen hätte und deswegen diesen doofen Ablass ins Leben gerufen hätte, um Bramante und Michelangelo zu finanzieren – und Martin Luther dadurch ein ziemlich schlagendes Argument in die Hand gegeben hätte, dem Katholizismus mal eines vor den Latz zu knallen…. (und meinem Kindsvater im prägeburtlichen Konfessionenstreit gleich noch einen Grund mehr, darauf zu beharren, dass das Bübchen evangelisch wird). Wenn dieser Julius II. nicht auch noch Schutzpatron der Latrinenreiniger wäre, dieser schräg-frisierte Meinl und dieser noch schrägere Cäsar so heißen würde… Aber andererseits: Julius Tandler hat die Mütterberatungsstellen eingeführt…

Lorenz – wenn nicht Millionen von männlichen österreichischen Neugeborenen derzeit so (oder zur Abwechslung Laurenz?) heißen würden und man nicht immer fragen müsste, ob der Knirps mit Vor- oder Nachnamen (Konrad? Wolfgang?) Lorenz heißt. Und wenn nicht der Heilige Laurentius gar so unappetitlich umgekommen wäre. Aber immerhin hat er in seiner Todesstunde am Rost fast Monty-Python-mäßigen Humor bewiesen: “Könntet Ihr mich wenden? Ich glaube, am Rücken bin ich schon durch…”

Martin – nett, lieb, sympathisch. Außerdem macht Mantel-Teilen und Lichterlgehen im Kindergarten immer einen schlanken Fuß. Aber andererseits dieser unsägliche Hans-Peter – und erst recht dieser Luther. Womit hab ich den verdient?

Paul – ok, klingt nach Revolutionär (Saulus, Manker…), klingt nach guter Zeichnung (Klee, Flora), hat auch einen leichten rosa Einschlag (Paulchen Panther) – und ist noch dazu dem “Paulinchen” ähnlich.
So hätte mein Kind nämlich ganz sicher geheißen. Wenn es ein Mädchen wär…

Doris, 32, „Furche“-Redakteurin für Gesellschaft und Bildung

Adventmails 2006/03 (Listen aller Art)

Alte Musik – Edelsteine

  1. Eustache du Caurroy (1549–1609): “Pavane pour le roy” aus Requiem des Rois de France, gespielt vom Ensemble “doulce mémoire”.
    Meine Tanzmusik, wenn ich in bester Laune bin. Am Anfang hört man taktelang nur den fetzigen Rhythmus der Trommeln, die Erwartung wächst und wächst, bis die mittelalterlichen Bläser mit ihrer unvergleichlichen alten Stimmung einsetzen. Oder man sucht sich jemanden, dem man beim Zuhören in die Augen sehen kann.
  2. Johannes Ockeghem (1410–1479): Chanson “S’elle m’amera je ne scay” gesungen vom “Orlando Consort”.
    Die Zeile „Robin et Marion s’en vont au bois joli“ klingt mir oft im Ohr, weil sie so kinderliedhaft klingt, und doch etwas anderes meint. An der Oberfläche ist der Chanson ein Minnelied mit dem bekannten Inhalt: „Ob sie mich lieben wird, das weiß ich nicht, doch will ich tun, was ich kann, ein wenig ihre Gnade zu erlangen.“ Parallel dazu läuft aber in der Mittelstimme unabhängig ein anderes Lied: “Kleine Camusette, du bringst mir fast den Tod. Robin und Marion gehen in den Wald, gehen fort, Arm in Arm, und schlafen ein.”
  3. Don Carlo Gesualdo (1560–1613): „Omnes amici mei“ aus Tenebrae gesungen vom „Taverner Consort“.
    Für verzweifelte Stunden. Gesualdo hat die verrückteste geistige Musik des Mittelalters geschrieben, die in ihren Dissonanzen für klassische Ohren extrem ist. Als reicher Fürst von Venosa musste er sich nicht nach Auftraggebern richten und suchte seine Texte so aus, dass er möglichst bizarre Wortausmalungen unterbringen konnte. „Alle meine Freunde haben mich verlassen und die, die mir Fallen stellen wollen, haben die Oberhand. Die ich geliebt habe, haben mich verraten, (…) sie haben mich gezwungen, Essig zu trinken.“ Wer den Text mitliest, dem wird angesichts der Harmonik bei den „insidias“ (Hinterhalte) schwindelig, und bei „amici mei“ dreht sich ihm der Magen um.
  4. Richard Sumarte (16. Jht.): „Daphne“ gespielt von Paolo Pandolfo auf der Gambe.
    Dieses kurze Instrumentalstück ist von wunderbarer Leichtigkeit, die Akustik im berühmten El Escorial in Spanien ist exzellent, man hört den Fingeraufsatz auf dem Griffbrett und den Atem. In dieser Direktheit kann der Gambenspieler Feinheiten geschehen lassen ohne den Klang irgendwie zu pressen. Meine schönste Solo-Cello-CD in ihrer Gelassenheit und Intimität.
  5. Samuel Scheidt (1587–1654): „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr“ in der Einspielung von Dietrich Kollmannsperger.
    Als Orgelliebhaberin habe ich diesen Organisten bei meinem Besuch in Tangermünde dazu gebracht, mir eine Stunde lang diese älteste erhaltene Orgel vorzuführen, die 1994 restauriert worden ist. Ebenfalls in der alten Stimmung kann man schon Bach so gut wie nicht mehr auf ihr interpretieren. In Anlehnung an meinen ersten Listenpunkt wechseln bei dieser Choralbearbeitung die einzigartigen Bläserstimmen der Orgel mit dem Plenum ab, was mich durch die Klangkraft (nicht Lautstärke!) dieser Stimmung und den fanfaren- und gleichzeitig schicksalshaften Gestus des Refrains immer wieder erschüttert und fasziniert.

Jule Rosner, 23, Klavierstudentin in Berlin

Adventmails 2006/02 (Listen aller Art)

5 beste britische Snacks
Seit November lebe ich – für insgesamt 4 Monate – in Großbritannien. Ich war vor 10 Jahren schon mal ein gutes Jahr hier, dazwischen sehr oft zu Besuch, kenne Land, Leute und Küche also recht gut. Zugegeben die britische Insel ist nicht gerade für ihre „Haute cuisine“ bekannt, im “Snack-Bereich” allerdings hat dieses Land SEHR SEHR viel zu bieten.
Da ich den diversen britischen Köstlichkeiten kaum widerstehen kann – und vermutlich mit mehr als 5 zusätzlichen Kilos wieder nach Österreich kommen werde, hier meine persönliche Liste der 5 besten britischen Snacks.
Geheimes Motto für fast alle britischen Snacks ist übrigens: Always make sure you will get enough fat!!!

[Anm. 2025: Es folgen ausführliche Rezepte für die Zubereitung von Salt and Vinegar Crisps, Egg and Cress Sandwich, Baked Beans on Toast,Tripple Chocolate Brownies und Christmas Pudding (würde hier den Rahmen sprengen).]

Michaela, 39, normalerweise PR-Agentin f. Schuldnerberatungen und Armutskonfernez, dzt. „Visiting Researcher“ an der University of Winchester

Adventmails 2006/01 (Listen aller Art)

Florians Prognose für die Endplatzierung
der derzeitigen Staffel von “Starmania“:

  1. Platz und damit siegreicher Starmaniac: Tom* (weil er Schüler von meiner Mama ist)
  2. Platz: Martin (weil er so groß ist)
  3. Platz: Johnny (weil er gut singen kann)
  4. Platz: Gernot (weil er gut tanzen kann)
  5. Platz: Nadine** (weil sie letztens 8,5 im Saalvoting gehabt hat)

Florian Pichlbauer, 8 Jahre, Graz

* Gemeint war damals Tom Neuwirth, der es spätestens beim ESC 2014 als Conchita zu internationaler Berühmtheit brachte
** Nadine Beiler, damals sweet little sixteen, wurde Siegerin der 3. Starmania-Staffel und 2011 Österreichs ESC-Starterin (18. Platz)

Adventmail 2005/24 (warten)

Über den Messias und sein Friedensreich, auf das die Juden noch warten und das die Christen mit der Menschwerdung Gottes in Jesus bereits angebrochen sehen, schrieb der Prophet Jesaja vor ca. 2700 Jahren:

„…Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.“ (Jes 11, 6-9)

Das war’s für heuer mit dem Advent und meinem virtuellen Kalender, liebe Leute. Ich danke euch für die vielen wertschätzenden Rückmeldungen und wünsch euch von ganzem Herzen ein fröhliches Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr mit vielen netten Überraschungen!
Alles Liebe,
Robert

Adventmail 2005/23 (warten)

Ich steh’ im Regen und warte auf Dich, auf Dich.
Auf allen Wegen erwart’ ich nur Dich, immer nur Dich.
Der Zeiger der Kirchturmuhr rückt von Strich zu Strich,
ach, wo bleibst Du denn nur? Denkst nicht mehr an mich?
Und ich steh’ im Regen und warte auf Dich, auf Dich.
Immer warten nur die Menschen, die wirklich lieben.
Kommst Du noch nicht? Wie die fallenden Tropfen am Ärmel zerstieben.

Ich steh’ im Regen und warte auf Dich, auf Dich.
Auf allen Wegen erwart’ ich nur Dich, immer nur Dich.
Der Zeiger der Kirchturmuhr rückt von Strich zu Strich,
ach, wo bleibst Du denn nur? Denkst nicht mehr an mich?
Und ich steh’ im Regen und warte auf Dich, auf Dich…

(Songtext: Zarah Leander – Ich steh’ im Regen,
aus dem Film „Zu neuen Ufern“, 1937)

Adventmail 2005/22 (warten)

Wolfgang Krisch, Mandatar der grünen Bezirksvertretung Penzing,
informiert auf seiner Homepage “über Aktuelles, Bemerkenswertes sowie Dauerthemen und Materialien aus Penzing und der Penzinger bzw. der Wiener Kommunalpolitik”.

Am 22. Dezember 2004 brandmarkte er einen “Schildbürgerstreich besonderer Güte”, betreffend ein 42,5 cm weit in einen Gehsteig hineinragendes Wartehäuschen. Sapperlot! Da sage noch einer, die Grünen kümmerten sich – sogar so knapp vor Weihnachten – nicht um die Nöte der kleinen Leute.

Das war nachzulesen auf der Website http://www.wolfgangkrisch.at/ Doch die existiert (2025) nicht mehr. Einblicke in das segensreiche Wirken Krischs sind aber noch hier dokumentiert.

Adventmail 2005/21 (warten)

Indem die Frau den Mann ein paar Augenblicke warten lässt,
protestiert sie vor allem gegen das lange Warten,
das ihr Leben ist.

(Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht)

Ich bin unpünktlich,
weil ich die Schmerzen
des Wartens nicht fühle.
Ich warte wie ein Rind.

(Franz Kafka, Tagebücher)

Warten lernen wir gewöhnlich erst,
wenn wir nichts mehr zu erwarten haben.

(Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen)

Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge
darauf warten, dass Gott sich darum kümmert.

(Martin Luther King)

Adventmail 2005/20 (warten)

Nach dem Profi gestern darf heute ein Laie seine Poesie entfalten. Es handelt sich um “Brallo”, den gelernten Holzmechaniker aus Gesmold, der die Welt auf seiner eigenen Homepage mit Gedichten der klobigen Art beglückt (www.brallo.de).

Warten…

Die rote Rose in der Hand,
wartet er schon Minuten an der Wand.
Wäre sie doch schon hier,
in Gedanken ist er tief bei ihr.

Sein Herz schlägt jetzt mit lautem Ton,
sie kommt, und er freut sich schon.
Worte fallen nun, wie vom Himmel die Sterne,
jeder sieht es, sie haben sich gerne.

(Copyright by Brallo 6/99 – 12/99)