Adventmails 2006/04 (Listen aller Art)

Fünf Namen: Wie mein Bursche, der als Palmesel und Aprilscherz anno 2007 das Licht der Welt erblicken könnte, mutmaßlich heißen wird…

Nikolaus – wenn dieser Name nicht in den letzten Tagen durch Grete Laska („Kein Nikolaus an Wiener Schulen!“ – mittlerweile aber wieder alles retour) so sehr an positiver Strahlkraft verloren hätte und nicht auch dieser nervtötende Lauda so heißen würde. Aber immerhin: Lenau und Harnoncourt…

Julius – wenn sich nicht dieser protzige Papst im 16. Jahrhundert mit seinem Petersdom finanziell so dermaßen übernommen hätte und deswegen diesen doofen Ablass ins Leben gerufen hätte, um Bramante und Michelangelo zu finanzieren – und Martin Luther dadurch ein ziemlich schlagendes Argument in die Hand gegeben hätte, dem Katholizismus mal eines vor den Latz zu knallen…. (und meinem Kindsvater im prägeburtlichen Konfessionenstreit gleich noch einen Grund mehr, darauf zu beharren, dass das Bübchen evangelisch wird). Wenn dieser Julius II. nicht auch noch Schutzpatron der Latrinenreiniger wäre, dieser schräg-frisierte Meinl und dieser noch schrägere Cäsar so heißen würde… Aber andererseits: Julius Tandler hat die Mütterberatungsstellen eingeführt…

Lorenz – wenn nicht Millionen von männlichen österreichischen Neugeborenen derzeit so (oder zur Abwechslung Laurenz?) heißen würden und man nicht immer fragen müsste, ob der Knirps mit Vor- oder Nachnamen (Konrad? Wolfgang?) Lorenz heißt. Und wenn nicht der Heilige Laurentius gar so unappetitlich umgekommen wäre. Aber immerhin hat er in seiner Todesstunde am Rost fast Monty-Python-mäßigen Humor bewiesen: „Könntet Ihr mich wenden? Ich glaube, am Rücken bin ich schon durch…“

Martin – nett, lieb, sympathisch. Außerdem macht Mantel-Teilen und Lichterlgehen im Kindergarten immer einen schlanken Fuß. Aber andererseits dieser unsägliche Hans-Peter – und erst recht dieser Luther. Womit hab ich den verdient?

Paul – ok, klingt nach Revolutionär (Saulus, Manker…), klingt nach guter Zeichnung (Klee, Flora), hat auch einen leichten rosa Einschlag (Paulchen Panther) – und ist noch dazu dem „Paulinchen“ ähnlich.
So hätte mein Kind nämlich ganz sicher geheißen. Wenn es ein Mädchen wär…

Doris, 32, „Furche“-Redakteurin für Gesellschaft und Bildung

Adventmail 2004/22 (Glücksmomente)

Ganz Wien schnarcht – bis auf zwei
Im Dunkeln blitzt schon Banales hell. Klingt verdammt philosophisch, ist aber so.
Zum Beispiel gestern Nacht: halb zwei Uhr früh, das Büro geleert, die letzten Muntermacher verdrückt (halbroher Hotdog und TWIX – aber reden wir nicht davon), das Wasser im Glas abgestanden, der Schreibtisch unter den Zetteln unauffindbar. Und vor der trüben Linse am verschmierten Monitor: ein halbfertiger Artikel.
Es ist wie Fegefeuer: Schreibblockade, Sinnsturm im Hirn, fast fertig – aber am Ende fehlt immer noch das dicke Ende. Was ja – wie alle wissen – das schwierigste ist. Langsam kriecht auch noch die übernächtigte Kälte in den Pullover, und der Möchtegern-Schlafschweiß dazu. Lieber heimgehen kuscheln? Sinnlos, am Morgen muss das Opus fertig sein.
Jetzt auch noch Unklarheit wegen zweier Telefonnummern. Welche ist richtig: die oder die? Da hilft nur probieren. Der Anrufbeantworter wird’s schon richten.
Doch – oops: Da ist ja wer. Da kämpft auch jemand gegen seine Synapsen. Da klingt es genauso müde und mürbe vom Hörer zurück.
„Ja unglaublich: Sie sind noch im Büro?“, stammle ich.
„Ja, das ist eben so, wenn man das Büro neben dem Schlafzimmer hat.“
„Was machen Sie denn noch, um Gottes Willen?“
„Ich plage mich durch drei Gesetzestexte. Und Sie?“
„Ich wollte eigentlich nur die Telefonnummer ausprobieren. Sie ist offenbar richtig. Gute Nacht – und tun Sie nicht mehr zu lange…“
Das war fein. Das war richtig nett. Ganz Wien schnarcht vor sich hin – und die zwei Traumtänzer, die sich das selbst vermurkst haben, finden sich…
Doris, 30, Journalistin