Adventmail 2017/20 (Thema Geheimnisse)

Im Internet gibt’s Listen wie „53 Songs About Secrets and Keeping Secrets“ oder „The Best Songs with Secrets in the Title”. Fallen euch einige Beispiele ein?
Vielleicht den Beatles-Song aus ihrer Anfangszeit “Do you want to know a secret?”, der trotz reichlich banalem Text einige für Fab-Four-Fans interessante secrets birgt: John Lennon komponierte es 1962 unter dem Eindruck eines Liedes aus dem Disney-Film „Snow White and the seven dwarfs“, das ihm seine Mutter Julia als Kind vorgesungen hatte. Veröffentlicht wurde der Song auf dem Premierealbum „Please Please Me“ wie üblich unter Lennon/McCartney, gesungen wurde es aber von George Harrison, weil – wie John in einem Interview 1980 sagte – “it only had three notes and he wasn’t the best singer in the world”. Den US-Fans war’s egal, dort erreichte die Single-Auskoppelung 1964 Platz 2 der Billboard Charts – Harrisons erster Top-Ten-Song als Leadsänger. Erst 1969 konnte er das mit seinem Number One Hit „Something“ toppen – einem viel besseren Lied als „Do you… ?“.
Bekannt ist auch „Secret Love“ von den Bee Gees, weniger schon „Secrets“ von Tears For Fears, „In My Secret Life“ des altersweisen Leonhard Cohen oder das Seal-Video „Secret“, in dem er mit seiner damaligen Frau, der Schreckschraube Heidi Klum, nackt kuschelt. Im Radio viel gespielt wurden auch die Fremdgeh-Balladen „Daytime Friends and Nighttime Lovers“ von Kenny Rogers und „Me and Mrs. Jones“ von Billy Paul; zurecht vergessen wurden „ Secret Journey“ von The Police oder „A Saucerful of Secrets“ von Pink Floyd. Eine Entdeckung wert ist dagegen die Interpretation des American-Songbook-Klassikers „Secret love“ durch die blinde US-Jazzsängerin Diane Schuur.
Ein Nummer-eins-Hit in mehreren Ländern wurde Madonnas „Secret“, veröffentlicht als Single aus dem Album „Bedtime Stories“ (1994), einer Phase, als sich Madonna als lasziver Vamp inszenierte und sich in Videos so provokant „brüstete“, dass es viele Männer „schwanzte“. Und dazu ein persönliches secret: Über die „Namenskollegin“ der Gottesmutter schrieb ich Anfang der 90er-Jahre (noch vor ihrem Meisterwerk „Ray of Light“) ein durchaus wertschätzendes Porträt für die damalige Huch-kirchenkritisch!-Monatszeitung „Kirche intern“. Die Mitarbeit dort hätte – in der Ära Groer – fast verhindert, dass ich Kathpress-Redakteur werde.

Adventmail 2017/19 (Thema Geheimnisse)

Mir sind ja Männerbünde eher suspekt, und das nicht erst seit die Burschenschafterpartei an die Macht kommt. Auch bei Ordensgemeinschaften denke ich mir manchmal, schade, dass es keine gemischtgeschlechtlichen gibt. Okay, Themen wie Verliebtheit, Sex oder Eifersucht zwischen Mann und Frau würden Energien binden, aber ehrlich: Gibt’s das alles nicht auch in Klöstern, in denen sich nur Männer (oder Frauen) tummeln?
Aber ich wollte heute über Freimaurer schreiben, über die ich vor langer Zeit mal einen Artikel schrieb. Und mein Eindruck seit damals: Grundideale wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität sind durchaus ehrenwert und kein nachvollziehbarer Grund, warum ein Katholik nicht auch Freimaurer sein könnte (wie Joseph Ratzinger dies 1983 in seiner Funktion als Präfekt der Glaubenskongregation bis heute verbindlich festhielt). Die Freimaurer bekennen sich zum Grundsatz der Gewissens-, Glaubens- und Geistesfreiheit „und verwerfen jeden Zwang, der diese Freiheit bedroht“, hieß es demgegenüber in der Lichtenauer Erklärung von 1970, der Gespräche zwischen Vertretern des Geheimbundes und der katholischen Kirche (darunter Kardinal König) vorausgingen. Und weiter: „Sie achten jedes aufrichtige Bekenntnis und jede ehrliche Überzeugung. Sie verwerfen jegliche Diskriminierung Andersdenkender.“ Das klingt doch gut, atmet den Geist der europäischen Aufklärung.
Aber warum dann das Arkanprinzip, mit dem sich Freimaurer zur Verschwiegenheit verpflichten, z.B. über Rituale oder andere Logenbrüder? Das klingt doch nach Machtklüngeln, Seilschaften, geheimer Verschwörung. Begründet wird dies mit zu wahrender Privatsphäre. Der Sitz der Logen, ihre Vorsitzenden und ihre Satzungen sind aber öffentlich bekannt, ihre Schriften zugänglich.
Maria Theresias Gatte Franz Stephan von Lothringen, Joseph Haydn und natürlich Wolfgang Amadeus Mozart mit seiner Freimaurer-Oper „Die Zauberflöte“ zählen zu den Promis in den Anfängen, Fred Sinowatz, Jörg Mauthe oder Karlheinz Böhm zu den Vertretern der österreichischen Freimaurerei aus jüngerer Vergangenheit.
Aktuell ist die Ausstellung „300 Jahre Freimaurer: Das wahre Geheimnis“ in der Nationalbibliothek zu sehen. Bei der Eröffnung sagte Alt-HBP Heinz Fischer, die Freimaurerei trete in Österreichs Politik seit langem kaum in Erscheinung. „Wenn den Freimaurern bisweilen vorgeworfen wird, dass sie im Hintergrund Macht ausüben, so weiß ich aus langjähriger Erfahrung, dass die Meinungsbildung im Bereich der Politik viel zu komplex ist, als dass ein diskreter Männerbund mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und Interessen geheim, aber effektiv die Fäden ziehen und überdurchschnittlich Macht ausüben kann.” Viel zu komplex? Das lässt im Blick auf die Burschenschafter hoffen…

Adventmail 2017/18 (Thema Geheimnisse)

Heute drei Witze rund um Geheimnisse, ein juristischer, ein politischer und ein theologischer. Mal was für’s Zwerchfell statt für’s Hirn:

Szene im Gerichtssaal. Richter: “Was genau war denn in dem Brief?”
Angeklagter: “Sag ich nicht, Briefgeheimnis!”
Richter: “Was haben Sie demjenigen, den Sie daraufhin angerufen haben wollen, gesagt?”
Angeklagter: “Sag ich auch nicht, Fernmeldegeheimnis.”
Richter: “Und wie viel Geld haben Sie nun letztendlich bekommen?”
Angeklagter: “Sag ich nicht, Bankgeheimnis!”
Richter: “Nun, dann verurteile ich sie zu 2 Jahren Haft!”
Angeklagter: “Warum das denn?”
Richter: “Staatsgeheimnis.”

SED-Chef Erich Honecker und Willi Stoph (Armeegeneral und Ministerratsvorsitzender) wollen inkognito in den Westen fahren. Da sie das nicht so einfach können, verkleiden sie sich als Anstreicher und steigen in den Zug Richtung BRD. Im Abteil erkennt sie sofort ein altes Müttcherchen und sagt: “Du bist doch der Honecker und Du der Stoph!” Irritiert steigen die beiden aus dem Zug und legen ihre Verkleidung ab.
Nach ein paar Tagen versuchen sie es als Schornsteinfeger noch einmal. Erneut sitzt ein altes Mütterchen im Abteil, und auch dieses erkennt die beiden auf Anhieb. Ganz verunsichert fragen Stoph und Honecker die Alte: “Wie hast Du das denn heraus bekommen?” “Na, ganz einfach”, sagt das Mütterchen,” ich bin doch der Volkskammerpräsident Sindermann.”

Der Vatikan lüftete jüngst das Geheimnis, dass Jesus Italiener und kein Jude war, und nannte dafür drei Belege: 1.) Nur ein Italiener wohnt bis 30 bei seiner Mutter. 2.) Nur ein Italiener kann seine Mutter für eine Jungfrau halten. 3.) Nur eine Italienische Mutter meint, dass ihr Sohn Gott sei.

Adventmail 2017/17 (Thema Geheimnisse)

Tagebücher sind Geheimnisträger par excellence. Zumindest waren sie’s für meine Generation, für die es noch eine Option war, als JugendlicheR Zeit mit dem Aufschreiben von Erlebnissen und nicht auf Bildschirme starrend zu verbringen.
Längst vergangene Befindlichkeitsschilderungen sind Fundgruben unfreiwilligen Humors. Das machen sich Diary Slams zugute, in denen Leute Selbstironie beweisen, indem sie aus alten Tagebüchern vorlesen. In Wien kann man das z.B. unter dem Titel „Liebes Tagebuch“ im Theater an der Gumpendorfer Straße regelmäßig tun (www.liebestagebuch.at).
Ich war ca. von meinem 16. Lebensjahr an Tagebuchschreiber und blieb dies, bis E-Mails und Social Media meine Freiräume dafür belegten. Mein ältestes „analoges“ Exemplar stammt aus dem Jahr 1976 und war ein liniertes DIN-A4-Heft mit der Aufschrift „DEUTSCH-ÜB./Robert Eibl“. Damit wollte ich vor meiner womöglich neugierigen Mutter verschleiern, dass es sich hierbei um ein TA(ge)BU(ch) handelte. Freilich umsonst: Als ich einmal eine genervte Anmerkung zur hypochondrischen Ader meiner Mutter machte, schrieb sie am Rand der Zeile ein sarkastisches „Dankeschön!“ dazu. Nach diesem Vertrauensbruch wusste ich das „TaBu“ besser zu schützen.
Und nun ein – selbstironischer – Eintrag vom Sommer 1976, als mein erster Urlaub ohne Eltern, dafür mit gleichaltrigem Cousin zunächst nach Wien führte, mit dem „Austria Ticket“ der ÖBB. Motto: Zwei Provinzpflänzchen in der großen Stadt…
„Nach einer zweistündigen Fahrt mit dem Städteschnellzug kamen Fredi und ich ziemlich hilflos am Wr. Südbahnhof an. Wir wandten uns gleich an die Information und erkundigten uns nach der günstigsten Straßenbahnverbindung zum Westbhf. Vor unserer Fahrt dorthin sahen wir uns noch das nahegelegene Belvedere an, dessen Größe und Schönheit uns mächtig beeindruckte.
Als wir uns später in der Schnellbahn nicht gleich auskannten, brüllte uns der Fahrer gleich an. Am W-Bhf. gaben wir unser Gepäck ab und suchten dann die Bahnhofsmission auf. Uns wurde mitgeteilt, daß eine Übernachtung nur nach Vorbringen plausibler Gründe möglich ist; man gab uns die Adresse einer abgelegenen, teuren Jugendherberge, die wir auf keinen Fall aufsuchen wollten. Wir fuhren mit der Schnellbahn (???, Anm.) zum Ring, wir besuchten sogleich das Kunstgeschichtliche Museum, was uns 5 öS kostete. Gegenüber im Naturhistorischen Museum waren wir von der Vielfalt der interessanten Ausstellungsobjekte überwältigt.
Durch den Volksgarten gelangten wir direkt vor das gewaltige Parlament, von dem Fredi am meisten begeistert war. Die Prunkbauten der Ringstraße sind ein unvergeßliches Erlebnis, noch dazu, da wir in Wien den einzigen schönen Tag unserer Reise hatten. Wir waren uns später darüber einig, daß der erste Tag zugleich auch der schönste unserer Tour gewesen war.
Nach einem langen Besichtigungsmarsch (Rathaus, Burgtheater, Hofburg) gelangten wir zum Stephansdom, vor dem gerade der U-Bahn-Bau in vollem Gange ist; daher war auch Fotographieren leider unmöglich.
Am frühen Nachmittag hatten wir Prater und Riesenrad vor Augen, nachdem wir vorher noch einen kleinen Imbiß zu uns genommen hatten. Die Verlockungen im Prater sorgten dafür, daß dieser Tag unser teuerster wurde. Wir blieben von 2 – 11h und probierten so ziemlich alles aus, was der Prater zu bieten hatte. Riesenrad, Achterbahn, Minigolf, Go-Kartrennen, Riesenrutsche uws. Beeindruckend waren die riesigen Hallen mit endlosen Reihen von Flippern.
Beim Rückweg kamen wir noch an der Oper vorbei, tranken noch schnell ein Bier und holten unser Gepäck ab. Glücklicherweise hatte die Bahnhofsmission noch zwei Betten für uns übrig; das Übernachten kostete 35 öS.“

Claudias Geheim-Tipp: das Louisiana Museum of Modern Art in Humlebaek 35 km außerhalb von Kopenhagen.
Ich liebe das Meer; die Kombination von Kunst und Natur ist in diesem Museum einfach grandios!

Adventmail 2017/16 (Thema Geheimnisse)

Von Wurmlöchern bekam ich zum ersten Mal etwas mit, als ich mich an Flipperautomaten versuchte. Ohne zu verstehen, was das überhaupt sein soll. Nicht dass ich das jetzt behaupten würde, wo ich das als astronomisches Phänomen (das immerhin schon vor 82 Jahren von Albert Einstein und Nathan Rosen erstmals beschrieben wurde) zuzuordnen weiß.
Der Begriff „Wormhole“ wurde 1957 vom US-Physiker John Archibald Wheeler geprägt; er stellte eine Analogie zwischen der gekrümmten Raumzeit und der Theorie, dass räumliche und zeitliche Distanzen im Weltall „abkürzbar“ sind, und einem Wurm her, der sich durch einen Apfel hindurchfrisst.
Anschaulich, wenn auch einem begrenzten Geist wie meinem nicht verständlich, wurden Wurmlöcher in dem sehenswerten Science-Fiction-Film „Interstellar“ gemacht, in dem der Astronaut Cooper (Matthew McConaughey) seiner inzwischen zur Greisin gewordenen Tochter Murphy (Jessica Chastain) nach einer Reise durch ein Wurmloch wieder begegnet. Und das sei nicht nur ein bloßes Hirngespinst, hieß es: Wissenschaftlicher Berater bei dem Filmprojekt war Kip Thorne, ein US-Wissenschaftler und Schüler von John Archibald Wheeler.
Ehrlich gesagt, ich schnall schon nicht, dass der bis ins 19. Jahrhundert unhinterfragte physikalische Raum unserer Alltagserfahrung durch Einstein und Co. durch eine vierdimensionale „Raumzeit“ abgelöst wurde, und auch nicht, dass die gigantischen Distanzen im All durch experimentell noch gar nicht bewiesene, jedenfalls aber instabile Wurmlöcher überwindbar sein könnten. Ein tiefes Geheimnis bleibt wohl nicht nur für mich die unbestrittene Tatsache, dass das Universum rund 14 Milliarden Jahre alt ist und sich seit dem Urknall in wahnwitziger Geschwindigkeit ausdehnt: Die entferntesten Objekte, deren Licht wir heute wahrnehmen können, befanden sich zu der Zeit, als sie dieses Licht aussandten, in einer Entfernung von 40 Millionen Lichtjahren zur Erde (die Entfernung zwischen Erde und Mond beträgt ungefähr 1,3 Lichtsekunden). Heute trennen uns von diesen Objekten 46,6 Milliarden Lichtjahre.
Und das größte Geheimnis von allen: Wer schuf das alles, und zu welchem Ende?

Geheimtipp Isolde: Ganz, ganz hinten, im Dreiländereck Italien Österreich und Schweiz liegt in einem (fast geheimen) Tal eine wunderbare Hütte, das Hohenzollernhaus. Vom nächstgelegenen Ort Pfunds aus sind es fast 10 km in das Tal hinein (keine Angst, ein großer Teil davon kann gefahren werden). Dann eine nette Wanderung einem Wasserfall entlang auf eine Anhöhe. Dort thront das Hohenzollernhaus mit Blick über das Radurschltal mit seinen ausgedehnten, hoch hinaufreichenden Zirbenwäldern, Mooren, Bergwiesen….. Ein Geheimtipp auf für Wanderer und Bergsteiger. Z.B. lässt sich von dort aus auch der Glockturm mit seinen 3355 m besteigen.

Adventmail 2017/15 (Thema Geheimnisse)

Ich gebe „Das größte Geheimnis“ auf Google ein und stoße auf Verschwörungstheorien. Ein Buch dieses Titels („The Biggest Secret“) verfasste der ehemalige britische Fußball-Profi und nun als Autor erfolgreiche Hirnschüssler David Icke. Anhand des „Mordes“ an Prinzessin Diana „belegt (er) mit überzeugenden Beweisen, dass unser Planet seit Jahrtausenden durch dieselben miteinander verbundenen Blutlinien kontrolliert wird“, behauptet sein Verlag.
Woher kommt dieses offenbar unausrottbare Bedürfnis, abstruse Bedrohungsszenarien zu entwerfen? Unterschiedlichsten „bösen Mächten“ die Verfolgung geheimer Interessen zuzuordnen – ihnen zum Vorteil und „uns“ zum Nachteil? Sündenböcke zu benennen? Ist es so verführerisch, Ängste oder Wut gegen „die da (oben)“ mit stereotyper Monokausalität gegen selbst-kritisches Hinterfragen zu immunisieren?
Verschwörungstheorien gab es immer schon: Kaiser Nero beschuldigte die Christen in Rom der Brandstifterei und des „Hasses gegen das Menschengeschlecht“ (Tacitus); Juden wurde im Mittelalter die Schuld an der Pest durch Brunnenvergiftung zugeschrieben und Ritualmorde an christlichen Knäblein unterstellt; als im Bund mit dem Teufel Stehende wurden auch die Hexen verbrannt, als Umstürzler und potenzielle Königsmörder die „Papisten“ im England des 16./17. Jht.s hingerichtet. Verschwörungstheorien jüngeren Datums ranken sich um die Ermordung Kennedys, die Mondlandung, um 9/11, Chemtrails oder – siehe oben – den Tod von Lady Di.
Stumpfsinn geriert sich dabei als Superschläue und Durchschauungskompetenz: Was, du erkennst nicht, dass Thurnher, Wolf, Reiterer und auch gleich Milborn Schergen des linksgründominierten ORF sind? Aber geh! Glaubst nicht, dass die in Brüssel einzig und allein Großkonzerninteressen auf Kosten unserer Heimat durchsetzen wollen? Wie naiv!
Wir leben im Zeitalter der Empörungsmaschine Facebook, in der Popolitik aus dem Bathroom des White House per Twitter gemacht wird und Fakten als Fake News denunziert werden.
Im Theologiestudium las ich in einem Seminar „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ von Karl Popper. Es ist inzwischen 72 Jahre alt und gerade wieder hochaktuell.

Adventmail 2017/14 (Thema Geheimnisse)

Diese Serie kann nicht ohne Hinweis auf Geheimagenten auskommen, die seit Jahrzehnten ein breites Kinopublikum zum Schaudern und Schwärmen bringen. Allen voran 007 James Bond, die Actionfilm-Reihe rund um Jason Bourne oder Ethan Hunt in Mission Impossible, davor die Figuren des Lemmy Caution oder Jerry Cotton sind zu Ikonen der Populärkultur geworden. Im Internet kursieren alle möglichen Best-of-Listen von Agenten- bzw. Spionagefilmen. Meine persönlichen Top Twelve möchte ich Euch hier ans Herz legen und mit dem beigefügten Link zur extra angelegten Trailer-Liste vielleicht Erinnerungen oder aber cineastischen Appetit wecken:

„Der Staatsfeind N. 1“ (Tony Scott, USA 1998); Kritik an der totalen staatlichen Überwachung mit Will Smith, Gene Hackman und Jon Voight.
„Der Spion, der aus der Kälte kam“ (Martin Ritt, GB 1965); Klassiker mit Richard Burton und Oskar Werner nach einem (Dreh-)Buch von John le Carré.
„Michael Clayton“ (Tony Gilroy, USA 2007); George Clooney und Tilda Swinton im Konflikt um die Machenschaften eines Chemiekonzerns.
“Citizenfour” (Laura Poitras, US/GB 2014), eine Doku mit dem und über den Whistleblower Edward Snowden; ein Stück Zeitgeschichte, schon deswegen spannend.
„Mission Impossible“ (Brian De Palma, USA 1996); Actionreicher Auftakt der Serie mit Tom Cruise, Jon Voight und Jean Reno.
„Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Steven Spielberg, US 2015); Tom Hanks gibt einen rechtschaffenen Pflichtverteidiger, der Respekt für einen Sowjetspion (Mark Rylance) entwickelt.
„Dame König As Spion“ (Tomas Alfredson, GB 2011); Gary Oldman und Colin Firth in noch einer komplexen Le-Carré-Geschichte über einen Maulwurf beim britischen Geheimdienst.
“Zero Dark Thirty” (US 2012); Kathryn Bigelows zurecht vielfach oscarnominierter Streifen über die CIA-Suche nach Osama bin Laden.
„James Bond 007: Skyfall“ (Sam Mendes, US/GB 2012); von Kritikern und Publikum gleichermaßen geschätzter 23. Bond-Film, schon allein wegen Adeles Titelsong empfehlenswert.
„Der dritte Mann“ (Carol Reed, GB 1949); Joseph Cotten und Orson Welles irren durch das düstere Wien der Nachkriegszeit – das muss man gesehen, Anton Karas‘Harry-Lime-Thema gehört haben.
„Burn After Reading“ (Ethan und Joel Coen, US 2008); Höchst vergnügliche Parodie auf das Agentenfilmgenre mit Stars in Bestform: Clooney, Pitt, Malkovich, Frances McDormand, Tilda Swinton.
„Das Leben der anderen“ (Florian Henckel von Donnersmarck, D 2008); Stasi-Aufarbeitung auf höchstem Niveau nach einem genialen Drehbuch des Regisseurs, das z.T. im Stift Heiligenkreuz entstand. Ulrich Mühe, Martina Gedeck, Sebastian Koch und Ulrich Tukur in meinem Favorite Film.

Geheimtipp Fabian
Mein Tipp ist “planetarian“, eine relativ kurze, aber sehr nette Geschichte. Sie handelt von einem zynischen Schrottsammler in einer postapokalyptisch verseuchten Welt, der auf seinen Streifzügen zufällig auf ein altes Planetarium stößt. In dem Gebäude wird er herzlich von einem fröhlichen Robotermädchen begrüßt und zu einer Vorstellung eingeladen, durch die er Einblick in eine frühere, weit mehr von Glauben und Hoffnung geprägte Zeit bekommt.
„Planetarian“ gibt es als Visual Novel am Computer (sogar auf Deutsch), als kurze animierte Serie und auch als Film. Ein Buch dazu gibt es nicht, wobei meiner Meinung nach die grafische und musikalische Untermalung der Planetarium-Vorstellung sowieso nur sehr schwer zu ersetzen wäre.

Adventmail 2017/13 (Thema Geheimnisse)

Die Bezeichnung „Priesterloch“ könnte für Missverständnisse sorgen. Dahinter verbirgt sich folgendes Geheimnis:
Im 16. Jahrhundert, unter der Herrschaft von Queen Elizabeth I., lebten katholische Priester in England gefährlich. Sie wurden regelrecht gejagt und mussten sich verstecken. Aber wo? Glücklicherweise gab es Familien, die den Priestern Zuflucht gewährten, obwohl das eine riskante Sache war. Denn wenn die Herbergsgeber dabei erwischt wurden, drohten ihnen strenge Strafen wegen Hochverrats.
Nicholas Owen (um 1550-1606), ein Maurer und Laienbruder der Jesuiten, machte es sich zur Lebensaufgabe, seinen Glaubensgenossen zu helfen. Er baute unzählige sogenannte „Priest Holes“ – äußerst schwer zu findende Verstecke in Burgen und Schlössern, in denen die katholischen Priester Zuflucht fanden. Der aus Oxford stammende Owen zog unter dem Decknamen Little John durchs ganze Land und legte seine kunstvollen Verstecke an. Dabei arbeitete er meist nachts und immer allein und nahm für seine Dienste nur wenig Lohn. Manchmal waren die Priest Holes groß genug, dass mehrere Priester gleichzeitig Unterschlupf fanden, meist aber sehr klein für gerade mal einen Geistlichen, der ständig mit seiner Entdeckung rechnen musste. Die Priesterjäger gingen sehr gründlich vor, die Durchsuchung einer großen Burg dauerte manchmal bis zu zwei Wochen.
Nicholas Owen wurde mehrmals gefangen genommen, 1606 kam er in den Tower nach London, wo er auf der Streckbank zu Tode gefoltert wurde – ohne sein Geheimwissen zu verraten. In Harvington Hall in Worcestershire finden sich vier der am besten erhaltenen Priest Holes, die Owen alle im Bereich der großen Treppe anlegte. In Coughton Court in Warwickshire versteckte er den Unterschlupf so geschickt, dass selbst die späteren Besitzer nicht wussten, wo es genau war. Erst 1945 stieß man bei Bauarbeiten zufällig darauf.
Papst Paul VI. sprach Nicholas Owen 1970 als einen der 40 Märtyrer von England und Wales heilig. Er gilt als Schutzpatron der Zauberkünstler, Illusionisten und Entfesselungskünstler, sein Gedenktag war erst kürzlich am 1. Dezember.

Adventmail 2017/12 (Thema Geheimnisse)

„Geheimnisvoll“. Dieses Adjektiv kommt verlässlich, wenn vom Lächeln der Mona Lisa die Rede ist. Aber (warum) lächelt sie überhaupt, und wie ist ihr Gesichtsausdruck zu deuten?
“Du bist berühmt wie jener Turm von Pisa,/ dein Lächeln gilt für Ironie./ Ja … warum lacht die Mona Lisa?/ Lacht sie über uns, wegen uns, trotz uns, mit uns, gegen uns – oder wie?”, rätselte schon Kurt Tucholsky.
Das berühmteste Lächeln der Kunstgeschichte ist seit Jahrhunderten Gegenstand phantasievollster Spekulationen. „Während einige Untersuchungen auf eine Fazialislähmung (Lähmung der mimischen Gesichtsmuskulatur, Anm.) als mögliche Ursache hinweisen, stellt Borkowski 1992 fest, dass manche Menschen zuweilen ähnlich lächeln, wenn sie ihre Schneidezähne verloren haben“, wirft Wikipedia eher prosaische Thesen in die Schlacht.
Science.orf.at verblüffte vor einigen Jahren mit der Meldung: „US-Neurowissenschaftler haben nun anhand des Porträts einen Test durchgeführt. Das Ergebnis: Die Emotionen der Mona Lisa – mithin also ihr Lächeln – werden nur über ihren Mund transportiert.“ Ei der Daus!
Möglicherweise, so wird von Kunsthistorikern vermutet, hängt das nicht fassbare Lächeln der Mona Lisa mit der “verrauchten” Maltechnik “Sfumato” Leonardo da Vincis zusammen. Dabei werden mehrere dünne Farbschichten übereinander gelegt, so dass die Umrisse der einzelnen Bildkomponenten ineinander zu fließen scheinen. Deshalb erscheint zum Beispiel der Mund der Gemalten verschwommen und unscharf.

Keine gemalte Frau ist so berühmt wie die
Mona Lisa. Aber warum lächelt sie?

Die Wirkung vor allem auf Männer war jedenfalls immer beachtlich: „Do you smile to tempt a lover, Mona Lisa?“, sang Nat King Cole. „Or is this your way to hide a broken heart?“.
Und Théophile Gautier, ein Literat aus Paris, der Stadt der Liebe, schwelgte schon vor 160 Jahren über den sinnlichen Mund der Florentinerin, der „mit soviel Süße, Anmut und Überlegenheit verspottet, dass man sich ganz schüchtern fühlt, wie ein Schuljunge vor einer Herzogin“. Der Arme. Aus seinem Zeitgenossen, dem englischen Essayisten Walter Pater, bricht dagegen die libidoarme Atmosphäre des Victorian Age geradezu hervor: „Die Gestalt, die hier so seltsam neben den Wassern auftaucht, drückt die Erfüllung eines tausendjährigen Begehrens des Mannes aus…“
Solche Deutungen machen uns heute noch lächeln, wenn nicht gar schelmisch grinsen.
Heiter stimmt mich auch, dass der hierzulande gebräuchliche Titel „Mona Lisa“ auf einem Rechtschreibfehler beruht. Denn „Mona“ leitet sich von der italienischen Kurzform „Monna“ (für Madonna) ab, und ist somit kein Vorname, sondern bezeichnet eine Ehefrau, nämlich die des Tuchhändlers Francesco del Giocondo. Und jetzt haltet euch fest: Meine revolutionäre These, warum Lisa sanft lächelt, ist die, dass sie auf Italienisch „La Gioconda“ heißt – auf Deutsch „die Heitere“.

Geheimtipp Martina: Das Museo Vostell in der Provinz Caceres in Südwestspanien.
Gelegen in der Extremadura – und damit in einem Landstrich, der per se als Geheimtipp gilt – ist das Museum vom deutschen Skulptur- und Happeningkünstler Wolf Vostell eine überraschende und großartige Location. In einer alten Fabrik mitten im Nirgendwo sind Skurrilitäten ausgestellt, deren Besuch sich absolut lohnt. Hier die Skulptur “Warum der Prozess zwischen Jesus und Pilatus nur zwei Minuten gedauert hat”.

Adventmail 2017/11 (Thema Geheimnisse)

Wissenschaftler der renommierten Columbia University in New York fragten 3.400 Personen nach Geheimnissen: Was und wieviel verbergen Sie vor ihren Mitmenschen? In dieser Studie, über die es im Wonnemonat Mai einige Medienberichte gab, kam eine stattliche Anzahl an Geheimnissen zusammen, insgesamt gut 13.000, die die ForscherInnen penibel in 38 Kategorien wie Lügen, Krankheiten, Finanzprobleme, Drogenkonsum, sexuelle Untreue, sexuelle Orientierung oder geheime Hobbys unterteilten. Die häufigsten Geheimnisse betrafen sexuelles Verhalten, Sehnsüchte nach einer anderen Person als dem Partner und Lügen. Jeder Mensch trägt demnach im Schnitt 13 Geheimnisse mit sich – davon fünf, von denen er noch nie jemandem erzählt hat (am häufigsten dabei: romantische Fantasien mit einem anderen Partner).
Laut Studienautor Michael Slepian gilt: Je öfter wir über unsere als negativ bzw. schuldhaft empfundenen Geheimnisse nachdenken, desto negativer ist der Einfluss auf unser Wohlergehen. Geheimnisse belasten, insofern sie uns dazu bringen, in einer Beziehung nicht offen und ehrlich sein zu können. Dann fühlen wir uns weniger authentisch, generell unzufriedener und zeigen sogar körperliche Symptome.
Peter Stippl, Präsident des Österreichischen Berufsverbandes für Psychotherapie, bestätigte dies gegenüber dem „Kurier“: “Fallweise sind es wirklich Geheimnisse, die die Menschen in die Psychotherapie führen. Ich kenne das etwa von Klienten, die als Zeugen vor Gericht vorgeladen sind – sie können oft nächtelang nicht schlafen.”
Wie sehr jemand unter einem Geheimnis leidet, hänge nicht so sehr von dessen “moralischer Schwere” ab, betonte Stippl, sondern von den eigenen Wertvorstellungen. “Es kommt zu einer Konfrontation mit dem eigenen Über-Ich, sei es ein stark religiös geprägtes Gewissen oder ethische Vorstellungen von einem korrekten Leben.”
Bevor man ein Geheimnis ausplaudert, sollte man sich eine Frage stellen, rät Stippl: “Was ist mein Motiv?“ Drückt mein Gewissen so, dass ich es nicht mehr aushalte? Möchte ich jemandem schaden? Mich wichtig machen?
Von letzterem Bedürfnis profitieren Journalisten, wenn sie „hinter vorgehaltener Hand“ Informationen mit dem Zusatz bekommen: „Aber von mir haben Sie das nicht, gell?“