Mir sind ja Männerbünde eher suspekt, und das nicht erst seit die Burschenschafterpartei an die Macht kommt. Auch bei Ordensgemeinschaften denke ich mir manchmal, schade, dass es keine gemischtgeschlechtlichen gibt. Okay, Themen wie Verliebtheit, Sex oder Eifersucht zwischen Mann und Frau würden Energien binden, aber ehrlich: Gibt’s das alles nicht auch in Klöstern, in denen sich nur Männer (oder Frauen) tummeln?
Aber ich wollte heute über Freimaurer schreiben, über die ich vor langer Zeit mal einen Artikel schrieb. Und mein Eindruck seit damals: Grundideale wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität sind durchaus ehrenwert und kein nachvollziehbarer Grund, warum ein Katholik nicht auch Freimaurer sein könnte (wie Joseph Ratzinger dies 1983 in seiner Funktion als Präfekt der Glaubenskongregation bis heute verbindlich festhielt). Die Freimaurer bekennen sich zum Grundsatz der Gewissens-, Glaubens- und Geistesfreiheit „und verwerfen jeden Zwang, der diese Freiheit bedroht“, hieß es demgegenüber in der Lichtenauer Erklärung von 1970, der Gespräche zwischen Vertretern des Geheimbundes und der katholischen Kirche (darunter Kardinal König) vorausgingen. Und weiter: „Sie achten jedes aufrichtige Bekenntnis und jede ehrliche Überzeugung. Sie verwerfen jegliche Diskriminierung Andersdenkender.“ Das klingt doch gut, atmet den Geist der europäischen Aufklärung.
Aber warum dann das Arkanprinzip, mit dem sich Freimaurer zur Verschwiegenheit verpflichten, z.B. über Rituale oder andere Logenbrüder? Das klingt doch nach Machtklüngeln, Seilschaften, geheimer Verschwörung. Begründet wird dies mit zu wahrender Privatsphäre. Der Sitz der Logen, ihre Vorsitzenden und ihre Satzungen sind aber öffentlich bekannt, ihre Schriften zugänglich.
Maria Theresias Gatte Franz Stephan von Lothringen, Joseph Haydn und natürlich Wolfgang Amadeus Mozart mit seiner Freimaurer-Oper „Die Zauberflöte“ zählen zu den Promis in den Anfängen, Fred Sinowatz, Jörg Mauthe oder Karlheinz Böhm zu den Vertretern der österreichischen Freimaurerei aus jüngerer Vergangenheit.
Aktuell ist die Ausstellung „300 Jahre Freimaurer: Das wahre Geheimnis“ in der Nationalbibliothek zu sehen. Bei der Eröffnung sagte Alt-HBP Heinz Fischer, die Freimaurerei trete in Österreichs Politik seit langem kaum in Erscheinung. „Wenn den Freimaurern bisweilen vorgeworfen wird, dass sie im Hintergrund Macht ausüben, so weiß ich aus langjähriger Erfahrung, dass die Meinungsbildung im Bereich der Politik viel zu komplex ist, als dass ein diskreter Männerbund mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und Interessen geheim, aber effektiv die Fäden ziehen und überdurchschnittlich Macht ausüben kann.” Viel zu komplex? Das lässt im Blick auf die Burschenschafter hoffen…