Adventmail 2017/13 (Thema Geheimnisse)

Die Bezeichnung „Priesterloch“ könnte für Missverständnisse sorgen. Dahinter verbirgt sich folgendes Geheimnis:
Im 16. Jahrhundert, unter der Herrschaft von Queen Elizabeth I., lebten katholische Priester in England gefährlich. Sie wurden regelrecht gejagt und mussten sich verstecken. Aber wo? Glücklicherweise gab es Familien, die den Priestern Zuflucht gewährten, obwohl das eine riskante Sache war. Denn wenn die Herbergsgeber dabei erwischt wurden, drohten ihnen strenge Strafen wegen Hochverrats.
Nicholas Owen (um 1550-1606), ein Maurer und Laienbruder der Jesuiten, machte es sich zur Lebensaufgabe, seinen Glaubensgenossen zu helfen. Er baute unzählige sogenannte „Priest Holes“ – äußerst schwer zu findende Verstecke in Burgen und Schlössern, in denen die katholischen Priester Zuflucht fanden. Der aus Oxford stammende Owen zog unter dem Decknamen Little John durchs ganze Land und legte seine kunstvollen Verstecke an. Dabei arbeitete er meist nachts und immer allein und nahm für seine Dienste nur wenig Lohn. Manchmal waren die Priest Holes groß genug, dass mehrere Priester gleichzeitig Unterschlupf fanden, meist aber sehr klein für gerade mal einen Geistlichen, der ständig mit seiner Entdeckung rechnen musste. Die Priesterjäger gingen sehr gründlich vor, die Durchsuchung einer großen Burg dauerte manchmal bis zu zwei Wochen.
Nicholas Owen wurde mehrmals gefangen genommen, 1606 kam er in den Tower nach London, wo er auf der Streckbank zu Tode gefoltert wurde – ohne sein Geheimwissen zu verraten. In Harvington Hall in Worcestershire finden sich vier der am besten erhaltenen Priest Holes, die Owen alle im Bereich der großen Treppe anlegte. In Coughton Court in Warwickshire versteckte er den Unterschlupf so geschickt, dass selbst die späteren Besitzer nicht wussten, wo es genau war. Erst 1945 stieß man bei Bauarbeiten zufällig darauf.
Papst Paul VI. sprach Nicholas Owen 1970 als einen der 40 Märtyrer von England und Wales heilig. Er gilt als Schutzpatron der Zauberkünstler, Illusionisten und Entfesselungskünstler, sein Gedenktag war erst kürzlich am 1. Dezember.

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