„Geheimnisvoll“. Dieses Adjektiv kommt verlässlich, wenn vom Lächeln der Mona Lisa die Rede ist. Aber (warum) lächelt sie überhaupt, und wie ist ihr Gesichtsausdruck zu deuten?
“Du bist berühmt wie jener Turm von Pisa,/ dein Lächeln gilt für Ironie./ Ja … warum lacht die Mona Lisa?/ Lacht sie über uns, wegen uns, trotz uns, mit uns, gegen uns – oder wie?”, rätselte schon Kurt Tucholsky.
Das berühmteste Lächeln der Kunstgeschichte ist seit Jahrhunderten Gegenstand phantasievollster Spekulationen. „Während einige Untersuchungen auf eine Fazialislähmung (Lähmung der mimischen Gesichtsmuskulatur, Anm.) als mögliche Ursache hinweisen, stellt Borkowski 1992 fest, dass manche Menschen zuweilen ähnlich lächeln, wenn sie ihre Schneidezähne verloren haben“, wirft Wikipedia eher prosaische Thesen in die Schlacht.
Science.orf.at verblüffte vor einigen Jahren mit der Meldung: „US-Neurowissenschaftler haben nun anhand des Porträts einen Test durchgeführt. Das Ergebnis: Die Emotionen der Mona Lisa – mithin also ihr Lächeln – werden nur über ihren Mund transportiert.“ Ei der Daus!
Möglicherweise, so wird von Kunsthistorikern vermutet, hängt das nicht fassbare Lächeln der Mona Lisa mit der “verrauchten” Maltechnik “Sfumato” Leonardo da Vincis zusammen. Dabei werden mehrere dünne Farbschichten übereinander gelegt, so dass die Umrisse der einzelnen Bildkomponenten ineinander zu fließen scheinen. Deshalb erscheint zum Beispiel der Mund der Gemalten verschwommen und unscharf.

Mona Lisa. Aber warum lächelt sie?
Die Wirkung vor allem auf Männer war jedenfalls immer beachtlich: „Do you smile to tempt a lover, Mona Lisa?“, sang Nat King Cole. „Or is this your way to hide a broken heart?“.
Und Théophile Gautier, ein Literat aus Paris, der Stadt der Liebe, schwelgte schon vor 160 Jahren über den sinnlichen Mund der Florentinerin, der „mit soviel Süße, Anmut und Überlegenheit verspottet, dass man sich ganz schüchtern fühlt, wie ein Schuljunge vor einer Herzogin“. Der Arme. Aus seinem Zeitgenossen, dem englischen Essayisten Walter Pater, bricht dagegen die libidoarme Atmosphäre des Victorian Age geradezu hervor: „Die Gestalt, die hier so seltsam neben den Wassern auftaucht, drückt die Erfüllung eines tausendjährigen Begehrens des Mannes aus…“
Solche Deutungen machen uns heute noch lächeln, wenn nicht gar schelmisch grinsen.
Heiter stimmt mich auch, dass der hierzulande gebräuchliche Titel „Mona Lisa“ auf einem Rechtschreibfehler beruht. Denn „Mona“ leitet sich von der italienischen Kurzform „Monna“ (für Madonna) ab, und ist somit kein Vorname, sondern bezeichnet eine Ehefrau, nämlich die des Tuchhändlers Francesco del Giocondo. Und jetzt haltet euch fest: Meine revolutionäre These, warum Lisa sanft lächelt, ist die, dass sie auf Italienisch „La Gioconda“ heißt – auf Deutsch „die Heitere“.
Geheimtipp Martina: Das Museo Vostell in der Provinz Caceres in Südwestspanien.
Gelegen in der Extremadura – und damit in einem Landstrich, der per se als Geheimtipp gilt – ist das Museum vom deutschen Skulptur- und Happeningkünstler Wolf Vostell eine überraschende und großartige Location. In einer alten Fabrik mitten im Nirgendwo sind Skurrilitäten ausgestellt, deren Besuch sich absolut lohnt. Hier die Skulptur “Warum der Prozess zwischen Jesus und Pilatus nur zwei Minuten gedauert hat”.