Am 9. Dezember …
… 656 war Basra am Persischen Golf Schauplatz der berühmten „Kamelschlacht“, an deren Ende das Schlachtfeld mit 10.000 Leichen übersät war. Kontrahenten waren zwei Lager, die um die Legitimität stritten, dem Propheten Mohammed in der Führung der Ummah, der religiösen Gemeinschaft aller Muslime, nachzufolgen: Der vierte Kalif Ali ibn Abi Talib, ein Cousin und Schwiegersohn des 632 in Medina gestorbenen Propheten, besiegte dabei die Opposition unter der Führung der jüngsten Prophetenwitwe Aischa, die Alis Anspruch auf das Kalifat bestritt. Auf Ali beriefen sich in der Folge die Schiiten, auf Abu Bakr, den ersten Kalifen und (als Vater Aischas) Schwiegervater des Propheten, die Sunniten; sie bilden heute trotz der Niederlage von 656 die große Mehrheit der Muslime.
Ausgelöst wurden die Konflikte durch die nie geklärte Ermordung des dritten Kalifen, Uthman/Osman, auch eines Schwiegersohns Mohammeds (der mindestens neun Frauen hatte sowie vier leibliche Töchter und drei Söhne, die allesamt noch als Kinder starben), im Juni 656. Ali setzte sich durch, wurde aber fünf Jahre später ebenfalls ermordet.
24 Jahre nach dem Tod Mohammeds ereignete sich somit der erste innerislamische Bürgerkrieg, an dem noch dazu enge Vertraute der Propheten beteiligt waren. Liegen die so rasch entfesselten Macht- und Ränkespiele daran, dass der Islam bereits eine weltpolitische Größe geworden war? Hätten unter diesen Gegebenheiten auch Petrus und Paulus ihren Streit um die Heidenmission mit Waffengewalt und nicht bei einem friedlichen Apostelkonzil ausgetragen? Nein, undenkbar, behaupte ich. Hat der Islam somit schon durch diese Wurzeln eine stärkere Tendenz zur Gewaltbereitschaft als das Christentum, das drei Jahrhunderte bis zur Etablierung als Staatsreligion brauchte?
Wohl kaum, auch wenn der Terror gegenwärtig die blutrünstige Seite des Islam(ismus) zeigt und das Christentum bis auf gelegentliche Fundis im Weißen Haus kaum mehr kriegerisch auftritt. Ich denke, mit der Religion verhält es sich wie mit der Liebe: Auch in deren Namen wurden schon etliche Kriege geführt, und doch käme keiner auf die Idee, sie abschaffen zu wollen.
Schlagwort-Archiv: Islam
Adventmail 2008/18 (Briefe an…)
amaetfacquodvis@gmx.at an bischof@kath-kirche-vorarlberg.at, 18.3.2008
Sehr geehrter Herr Bischof Fischer!
Ich habe mit Ihrer Stellungnahme zu Moscheebauten ein grundsätzliches Problem: Sie schreiben, es wäre nicht „angemessen“ bzw. eine „harte Gangart“, sollten Muslime ihr Recht (auf freie Religionsausübung) in Anspruch nehmen, „im Bereich des religiösen Lebens Bauwerke durch gesetzlich möglichen Druck umzusetzen“. Es wäre dies laut Ihrer Stellungnahme in der Karwoche eine „Vorgangsweise, die in unserem demokratischen Land in Möglichkeiten nützte, die in islamisch dominierten Ländern meist strikt unterbunden sind“.
Soll den Muslimen hierzulande nur eingeschränkte (Menschen)Rechte zukommen, weil anderswo in der Welt Christen in ebendiesen Rechten beschnitten werden?! Sind Sie für eine Art „Sippenhaftung“ aller Muslime? Oder meinen Sie nicht auch, dass die im christlich geprägten Europa entwickelte Idee UNTEILBARER Menschenrechte FÜR ALLE nicht doch mehr der Liebesbotschaft Christi entspräche?
Mit ratlosen Grüßen und der Bitte um Antwort,
Klaus Halling,
Pfarrgemeinderat in Krems [von mir frei erfunden]
bertram.neurauter@kath-kirche-vorarlberg.at an amaetfacquodvis@gmx.at, 3.4.2008
Büro +Elmar Fischer
6800 Feldkirch, Hirschgraben 2, Tel. +43 5522 72080
Werte Frau!
Werter Herr!
Auf Grund der sehr zahlreichen Zuschriften ist es Bischof Elmar nicht möglich, persönlich zu antworten.
Er dankt für die Reaktionen, die für ihn Signal der Aktualität der mit dem Islam in unsrem Land gegebenen Fragen sind.
Mit freundlichen Grüßen
i. A. Bertram Neurauter