Adventmail 2023/21 (Tiere)

Große, verdienstvolle Männer, manche mit Pferden unterm Hintern und mit Tauben auf dem Haupt, die ihnen aufs selbige kacken, sind die üblichen Hauptdarsteller der Denkmäler in den europäischen Kulturmetropolen. In Edinburgh stießen meine Liebste und ich auf unserer Schottlandreise 2014 auf ein Kontrast-Standbild: Beliebteste Sehenswürdigkeit der Stadt ist die kleine Statue eines treuen Hundes namens Bobby. Der bronzene Skye Terrier hockt bescheiden und jenseits von Grandiosität auf der Spitze einer Granitsäule eines Brunnens mitten in der Altstadt. Und das Denkmal steht dort seit 150 Jahren, errichtet kurz nach dem Tod des Hundes.
Geboren wurde Bobby angeblich am 4. Mai 1855, er gehörte John Grey, einem Wachmann der Stadtpolizei von Edinburgh. Der starb drei Jahre später, 1858, und fand in Greyfriars Kirkyard seine letzte Ruhestätte. Bewacht wurde Greys Grab fortan von seinem treu ergebenen Terrier: Bobby soll den Rest seines enorm langen Hundelebens dort am Friedhof verbracht haben. 14 Jahre lang – und damit länger als die durchschnittliche Lebenserwartung von Terriern – hat der Hund angeblich das Grab seines ehemaligen Besitzers bewacht, bis er selbst am 14. Januar 1872 starb.
Bobbys Treue sorgte schon damals für Aufsehen und Bewunderung. Lady Burdett-Coutts, Präsidentin des Damenkomitees der Tierschutzorganisation „Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals“ (RSPCA), gab die Statue zu Bobbys Ehren noch kurz vor seinem Tod beim bekannten Bildhauer William Brodie in Auftrag. Enthüllt wurde sie am 15. November 1873 und ist heute als „Greyfriars Bobby“ (nach dem Namen des Friedhofs) das kleinste denkmalgeschützte Objekt Edinburghs.

Terrier Bobby – der treueste Hund Schottlands

Wir wollen jenen unromantischen Kritikastern nicht glauben, die behaupten, die ganze Geschichte sei nur erfunden bzw. Bobbys sei ein einfacher Streuner gewesen, der auf dem Friedhof herumschlich, weil er dort immer wieder etwas zu essen bekam.
Dennoch ist die Geschichte bei den Bewohnern wie Touristen von Edinburgh äußerst beliebt. Reisende aus der ganzen Welt bestaunen die kleine Hundestatue und reiben (zum Unmut des um Denkmalschutz bemühten Stadtrates) an ihrer Nase. Denn das soll Glück bringen.
Ich habe 2014 nicht gerieben. So viel Skepsis muss sein.

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