Im Alten Testament wird erzählt, dass Mose fuchsteufelswild wurde, als er mit den beiden Steintafeln und den Zehn Geboten darauf vom Sinai wieder herunter zu den Israeliten kam. Dieses „störrische Volk“ (O-Ton Jahwe) hatte sich ungeduldig wartend neue Götter gewünscht und ausgerechnet Moses Bruder Aaron dazu gebracht, ihm ein Goldenes Kalb zur Verehrung zu schaffen. In dem viele Fragen aufwerfenden Kapitel 32 des Buches Exodus heißt es, „als Mose dem Lager näher kam und das Kalb und den Tanz sah, entbrannte sein Zorn“. Er packte das häretische, aus Goldschmuck gegossene Machwerk, „verbrannte es im Feuer und zerstampfte es zu Staub“. Monotheismus und Götzendienst sind unvereinbar, so das Fazit der Erzählung.
Heilige Tiere wie das Wohlstand symbolisierende junge Rind finden sich in vielen Kulturen weltweit und sehr früh in der Menschheitsgeschichte. Jäger/Sammler waren vom Jagderfolg abhängig, bäuerliche Kulturen von Herdentieren; und um das Wohlwollen der Gottheiten zu sichern, wurden ihnen Tiere geopfert (auch dem Gott Israels, vorzugsweise Lämmer von Schafen oder Ziegen; Arme opferten ersatzweise Tauben).
Und Gottheiten wurden selbst mit Tieren identifiziert, besonders im Alten Ägypten: Apis war der heilige Stier von Memphis und zugleich irdische Verkörperung des Gottes Ptah; die Göttin Hathor wieder trat in Kuhgestalt mit Hörnern auf, Thot wurde mit Ibiskopf, Anubis mit dem eines Schakals dargestellt, Horus als Falke, und auch viele andere Tiere wurden als heilig angesehen: Widder, Katzen, Mantelpaviane, Krokodile und sogar Mistkäfer (Skarabäen). Der griechische Göttervater Zeus näherte sich Europa als Stier und Leda als Schwan. In nördlichen Kulturen genossen Bär, Bison und Pferd kultische Verehrung, in den Indiokulturen Amerikas Schlange und Jaguar. Die indische Mythologie mit ihren heiligen Kühen, Affen und Ratten und dem elefantenköpfigen Ganesha sei hier nur kurz erwähnt.
Und welche Tiere vergöttern wir heutzutage? Unvergessen ist „Das Fest des Huhns“, die köstliche Dokumentarfilm-Parodie aus dem Jahr 1992. Die Sitten und Gebräuche der „Ureinwohner“ Oberösterreichs werden darin von afrikanischen Forschungsreisenden im Stil europäischer Anthropologen beschrieben. Über die „Religion“ finden sie heraus, dass die Kirchen zwar leer sind, die Menschen sich jedoch in Zelten zusammenfinden, dort literweise Bier trinken, dazu hauptsächlich Hühner essen und anschließend dann kollektiv den kultischen Vogerltanz aufführen. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass das Lamm als Opfersymbol vom Huhn abgelöst wurde.