Adventmail 2023/18 (Tiere)

Ich überlege, welche Bücher mit „Tierhelden“ ich bisher schon las. „Krambambuli“ und „Animal Farm“ in der Schule fallen mir ein, Jack Londons „Wolfsblut“, der Katzen-Krimi „Felidae“ und noch bevor das Buch erfolgreich verfilmt wurde: „Schiffbruch mit Tiger“, den „Booker Prize“-Roman von Yann Martel, der mich besonders fesselte.
Es geht darin um eine besondere Episode im „Life of Pi“, so der Originaltitel. Sein Vater ist Zoodirektor in Indien, muss aber aus wirtschaftlichen Gründen nach Kanada auswandern und tut dies mit Familie und dem halben Zoo auf einem japanischen Frachter. Der gerät in einen schweren Sturm, das Schiff kentert und sinkt. Alle kommen um bis auf den jugendlichen Pi, ein Zebra, einen Orang-Utan, eine Hyäne und einen bengalischen Tiger namens „Richard Parker“. Im Rettungsboot kommt es zum Überlebenskampf, den nur Richard Parker und – mit Glück und Einfallsreichtum – Pi überstehen.
Pi und der mit Fischen gefütterte Tiger „arrangieren sich“ und überleben schlecht und recht einige Monate. Sie stranden an einer Insel aus Algen, eine Art Schlaraffenland, auf der es von Erdmännchen wimmelt: Der ausgehungerte Tiger frisst sich an ihnen satt, auch Pi ernährt sich von den süßen Algen, bis er merkt, dass die ganze Insel bei Nacht zur fleischfressenden Falle wird. Es folgt die Flucht beider mit dem Rettungsboot. Nach 227 Tagen auf See landen Pi und Richard Parker an der mexikanischen Küste, letzter verschwindet, „ohne sich umzudrehen“, im Dschungel.
Ein Untersuchungs-Team aus Japan hört sich später diese Geschichte ungläubig an. „Wenn Sie nur wahrhaben wollen, was Sie glauben können, wofür leben Sie dann überhaupt?“, entgegnet ihnen Pi. Auf die Bitte der Besucher hin erzählt er ihnen eine Alternativversion seiner Odyssee, diesmal ohne Tiere: Auf dem Rettungsboot befinden sich nun neben Pi ein französischer Koch, ein Matrose, der sich beim Sturz ins Rettungsboot ein Bein bricht, und Pis Mutter. Es kommt zu Mord, Totschlag und Kannibalismus.
Am Ende seiner Erzählung lässt Pi entscheiden, welches die wahre und bessere Geschichte sei. Über die Wahrheit lasse sich schwer befinden, so die Zuhörer. Die Geschichte mit den Tieren sei aber wohl die bessere. Darauf der religiöse Pi: „Und genauso ist es mit Gott.“
So sehe ich das übrigens auch (und das geht jetzt über Tierisches hinaus). Allen Respekt vor der Überzeugung, dass die Erde nur ein unbedeutendes Staubkorn im All und mit dem Tod alles aus ist. Aber für die „bessere Geschichte“ halte ich eine Sicht auf das Leben und die derzeit so brüchige Welt, die auf einen liebenden Gott setzt, der/die auf jedes „Staubkorn“ seiner/ihrer Schöpfung schaut und alles gut ausgehen lässt. Und zur besseren Geschichte wird so ein Glaube erst recht, wenn er zum Anstoß wird, respekt- und liebevoll mit anderen Menschen, mit Tieren und Pflanzen umzugehen.

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