Ich war gerade an der Grenze zwischen Kindergarten und Volksschule, als ich zum ersten Mal mit dem heuer 100-jährigen Disney-Konzern in Berührung kam. Ein Vertreter machte meiner alleinerziehenden Mutter schmackhaft, für mich Knirps ein Micky-Maus-Jahresabo zu lösen und damit Leseförderung zu betreiben. Die 52 Hefte, damals noch in der deutschen Übersetzung der legendären Erika Fuchs (grübel, schluck, zitter, bibber und „Dem Ingenieur ist nichts zu schwör“), gingen leider verloren. Heute betrüge ihr Sammlerwert Tausende Euro.
Lieber als die immer sehr vernünftige (Micky) Maus war mir damals schon und blieb bis heute der cholerische Loser Donald Duck. Von meinem Taschengeld kaufte ich mir noch bis zur Gymnasialzeit die Lustigen Taschenbücher mit Donald und den anderen Enten Dagobert, Daisy und Tick, Trick und Track. Und ich musste schmunzeln, als meine Enkel auf unseren gemeinsamen Urlaubsreisen mit Begeisterung ebenfalls diese Bücher lasen.
Eine weitere Comic-Tierheldin, die ich als Kind liebte, war die Reihe mit der Collie-Hündin „Bessy“, weniger mochte ich die damals auch recht beliebten „Fix & Foxy“-Hefte. Auch den Comics-„Urvater“ Wilhelm Busch und seinen Raben „Hans Huckebein“ fand ich großartig.
Comics aus dem Hause Disney finde ich heute so lala; aber bis heute schätze und sammle ich Graphic Novels als ernst zu nehmendes literarisches Genre. Damit zurück zur Maus: Für Einsteiger:innen und alle, die das noch nicht kennen, empfehle ich wärmstens „Maus. Die Geschichte eines Überlebenden“ (engl.: Maus. A Survivor’s Tale; 1986) von Art Spiegelman. Der dafür mit dem Pullitzer Preis (!) ausgezeichnete Comic-Autor verarbeitet hier die Geschichte seines Vaters, eines polnischen Auschwitz-Überlebenden, und bringt nebenbei auch die eigenen Reaktionen auf dessen schwierigen Charakter zum Ausdruck. Spiegelman weist den Volksgruppen/Nationen dabei Tiergattungen zu: Juden zeichnet er als Mäuse, Deutsche als Katzen, US-Amerikaner als Hunde, Polen als Schweine, um dadurch (und durch das Medium Comic) Abstand zum erzählten Grauen zu wahren.