„Böhlerstern“ heißt das Paradehotel in der Stahlstadt Kapfenberg, wo ich meine Teenagerjahre verbrachte. Das „Böhlerstern“ (www.boehlerstern.at) bzw. Werkshotel, wie man in Kapfenberg eher sagte, war Schauplatz so mancher Ballnacht, die ich als Gymnasiast mitmachte.
In diese Zeit hat mich kürzlich eine neue Sendereihe in der ORF-Dienstagnacht zurückgeführt. Unter dem Titel „Liebes Tagebuch“ werden Selbstdarstellungswillige dabei ermuntert, sich ihren „Jugendsünden“ zu stellen und aus alten Tagebüchern vorzulesen. Das war für mich ehedem passionierten Tagebuchschreiber Anstoß zu einer Reise in die Vergangenheit. Und eine Erkenntnis war, dass ich deutlich öfter Ballveranstaltungen besuchte, als ich heutiger Wenigtänzer in Erinnerung hatte. Höhepunkt war dabei mein Maturaball im Jänner 1979, über den ich Folgendes notierte (und hiermit schweren Herzens ohne jedes Redigieren darlege):
„… Wir Polonaisetänzer stellten uns um 19.30 Uhr im Stiegenhaus auf, um mit heuchlerischem Zähnefletschen die Gäste zu großzügigen Spenden zu veranlassen. So standen wir uns eine Stunde lang die Beine in den Bauch…
Mit zehnminütiger Verspätung begann die Walzerformation. Direktor Rathmayr war schon zweimal armeringend gekommen, um zu fragen, wann der Zirkus denn endlich beginne. Das Tanzen klappte tadellos. Ich hatte mich an Astrids ‚Um-mich-herum-schurln‘, das sie Walzer nannte, bereits soweit gewöhnt, dass es mit viel körperlichem Einsatz und Dagegenstemmen halbwegs normal aussah. Kurz, die Polonaise wurde ein voller Erfolg…
Ich tanzte an diesem Abend irrsinnig viel und lernte auch eine Menge Leute kennen: Ich tanzte mit Sabine, Maria Predans hübscher Schwester, … mit Uschi Wimmler, die die atemberaubendsten Proportionen unserer Schule hat, dann mit … (es folgen weitere 13 Namen, Anm.)
Mit Gusts Cousine kam es zu einer lustigen Episode. Als ich sie um halb 12 endlich (aus ihrer Sicht endlich) zum Tanzen aufforderte, kriegte ich sie nicht mehr los. Ich wollte nicht so unhöflich sein, einfach ‚Danke, tschüss!‘ zu sagen. An der Bar trat ich heimlich Andy ins Schienbein und deutete mit dem Finger bedeutungsvoll auf Gabi, aber der Schweinehund tat, als ob er es nicht bemerkte. Später erzählte er mir dann, wie sehr er innerlich darüber gelacht hatte. In der Disko raunte ich Wolfgang zu: „Du, nimm mir die einmal ab.“, und brav, wie er ist, unterbrach er auch bald unseren Tanz: ‚Darf ich dich ablösen?‘ Ich bejahte vielleicht etwas zu schnell und verschwand.
Um viertel fünf, als bereits viele Gäste verschwunden waren, die Musik zu spielen aufgehört hatte und die Schuhe zu drücken begannen, sank die Stimmung und ich in die Polstersessel im Kaffeezimmer. Gernot, Andy, die Baumis und ich verhielten uns ruhig, bis die Eltern alles aufgeräumt hatten, und fanden uns um 6 beim Ramsauer ein, um ein Frühstück zu nehmen.“