Gestern bei Ingeborg Bachmann hieß es, Sterne seien „die berühmten Orden der Nacht“. Heute geht es um einen nicht ganz so berühmten Orden, nämlich den Sternkreuzorden, oder, wie er in voller Pracht heißt, um den „Hochadeligen Frauenzimmer-Sternkreuzorden“. Gestiftet hat diesen österreichischen Damenorden 1668 Kaiserin Eleonore, die dritte Gattin Kaiser Ferdinands III.
Anlass dafür war wieder mal eine Feuersbrunst, die im Februar 1668 in der Hofburg ausbrach und die Kaiserinwitwe Eleonora fast erwischt hätte. Später wurde im Schutt ein auf wundersame Weise unversehrt gebliebenes Partikel eines Reliquienkreuzes wiedergefunden. Zur Erinnerung daran stiftete Eleonora den Sternkreuzorden als höchste Auszeichnung für Damen am Kaiserhof. Ein goldenes Kreuz wird dabei von vier Diamantsternen umgeben, zu lesen ist die Aufschrift: „Salus et Gloria“ (Heil und Ruhm). Der Orden, dessen Zweck in der Vertiefung der Kreuzesverehrung und in Werken der Nächstenliebe bestand und dessen Oberhaupt stets die regierende Kaiserin war, „existiert in abgewandelter Form bis heute“. So heißt es zumindest auf www.habsburger.net, was ich aber bezweifle: Seit dem Untergang der Monarchie verleiht die Republik Österreich keine Orden nur mehr an Frauen, geschweige denn an ausschließlich katholische adelige.
Dem Sternkreuz- und anderen „Damenorden“ wie der „Orden der Sklavinnen der Tugend“, der auch von der rührigen Eleonora gestiftet wurde und bei dem Nicht-sichtbares-Tragen mit 100 Taler Bußgeld bestraft wurde, haftet die Patina einer vergangenen Welt an. Ebenso manch althergebrachter Tugend. In meiner Redaktion heißt es despektierlich, „was für eine Pläätschn kriegt er denn?“, wenn über eine Ordensverleihung zu berichten ist. Das ist Ausdruck eines allgemeinen Bedeutungsverlustes des (allzu) Förmlichen und Orden-tlichen, dem nur wenige nachtrauern.
Erstaunlich, dass gutes Benehmen und „Höflichkeit“, die Tugend der Adelshöfe, als Erziehungsziele heute wieder hoch im Kurs sind. Allerdings mit zweifelhaftem Erfolg: Ich treffe z.B. in meiner Siedlung immer wieder auf Kinder, die ich (zuerst) grüße (weil mir ja kein Stein aus der Krone fällt), ohne dass auch nur ein Muh oder Mäh als Antwort kommt. Vielleicht sollte man doch wieder einen Orden stiften, diesmal für höfliche Kinder, so was wie den „Höflichkeitsorden am Goldenen Gängelband“…