Adventmails 2014/15 (Sterne)

Es gibt nur wenige Naturschauspiele, die allen Menschen zugänglich sind und zugleich allgemeine Bewunderung auslösen. Der Sternenhimmel ist so eins, auch wenn wir Großstadtmenschen selbigen nur ganz selten zuhause erleben können.
Meine erste markante Erinnerung an den nächtlichen Schein Tausender Funkelsterne führt zurück ins Jahr 1984. Damals machte ich auf der südlichsten Kykladeninsel Anaphi einen meiner schönsten Urlaube mit meinen Grazer FreundInnen Sepp, Maria, Ursula – sowie Hans, einem vor Ort kennengelernten Holländer und David-Bowie-Fan. Übernachtet wurde am Strand en plein air, und noch unvergesslicher als „Hühnerficken“ (ein Kartenspiel, das uns Hans beibrachte) blieb mir der Prachthimmel im Gedächtnis, der sich allabendlich über meinem Lager mit Stroh und Schlafsack auftat.
Nächste Station, wieder Urlaub, war der Hohe Atlas im Herbst 2012. Diesmal Übernachtung im Zelt, in der Wildnis, zwischen den Mulis, die tagsüber das Hauptgepäck unserer Wandergruppe schleppten. Bei nächtlichen Bedürfnissen hieß es ab ins Toiletten-Zelt, das die Mulitreiber über der eigens ausgehobenen Grube aufstellten. Weniger am Hinweg, aber am Rückweg zur Schlafstatt dann ein Blick nach oben – und wieder: pure Ehrfurcht vor diesem funkelnden Schauspiel über der nächtlich-kahlen Bergwelt Marokkos.
Und zuletzt heuer im September, Ile de la Réunion, früher Abend, inmitten der Mitwandernden den Kopf im Nacken, ringsum Varianten von „Wow!“. Vergessen die Müdigkeit vom Aufstieg in den Bergkessel Cirque de Mafate und der Appetit auf den täglichen Cari-Eintopf, dafür langes Sich-Satt-Sehen und -Laben an der Milchstraße und den erkennbaren Sternbildern. Neu gegenüber Anaphi 30 Jahre früher: Ein Mitreisender hatte eine App auf seinem Smartphone, das am Firmament auch Diffizileres als den Großen Wagen oder Kassiopeia erkennen ließ. Und ein anderer hatte eine Kamera, die wirklich gute Fotos von dieser Ansammlung von Stars der Schöpfung gestattete. Ich bekam eins zugesendet; ich werde wohl keine Urheberrechte verletzen, wenn ich Euch dieses Sterntalerbild über dem Indischen Ozean als kleines Adventpräsent zugänglich mache.

Der Nachthimmel über La Réunion im Indischen Ozean, leider ein müder Abklatsch gegenüber der Realität.

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