Weit mehr als 6 Millionen Videos sind das Ergebnis, wenn man unter „birth“ auf YouTube sucht („Geburt“ bringt 146.000 Ergebnisse, deutlich weniger als „birth Jesus“). Darunter sind viele Filme, bei denen wohl nicht nur ich mir denke: So genau wollte ich es gar nicht wissen.
Ich halte es schon für tendenziell schamgrenzüberschreitend, von der eigenen Geburt Großaufnahmen mit allen Details machen zu lassen. Und erst recht, das Produkt auf ein weltweit abrufbares Medium hochzuladen. Oder: Ich stelle mir vor, Eltern und Schwiegereltern kommen erstmals nach einer Geburt auf Kaffee und Torte vorbei, und der stolze Vater präsentiert auf Projektionsleinwand ein Video von Blasensprung und Presswehen: „… und jetzt kommt gleich der Mutterkuchen…“ Iiiih.
Da schon lieber Professionalität und Nachdenklichkeit bei Filmen rund ums Gebären. Z.B. der Diagonale-prämierte Film “In die Welt”, in dem Regisseur Constantin Wulff mit Szenen aus dem Alltag in der Wiener Semmelweisklinik einen nüchternen Einblick in das Drama, den Schmerz und die Schönheit des In-die-Welt-Kommens gibt. „Man kann sehr viel über eine Gesellschaft lernen“, meinte der Regisseur, „wenn man näher betrachtet, wie man mit dem Gebären umgeht“.
Empfehlenswert ist auch „Das Wunder des Lebens“, das auch die vorgeburtliche Entwicklung veranschaulicht. Gedreht hat der schwedische Fotograf und Filmemacher Lennart Nilsson, einer der berühmtesten Wissenschaftsjournalisten der Welt.
Wie es in anderen Kulturen zugeht, zeigt die französische Doku „Der erste Schrei“. Marie-Claire Javoy reiste dafür einmal um die Erde einer Sonnenfinsternis hinterher und fing ein, wie man in Afrika, Asien oder Alaska, bei Naturvölkern oder unter Esoterikern, im kalten Klinikum oder auf hartem Slumboden das Licht der Welt erblickt. Wer reinschauen mag: „Der erste Schrei“ beginnt mit einer Unterwassergeburt mit „Delphinassistenz“.