Den Rest seiner Zeit verwendete er auf eine Reihe von Gewohnheiten, die ihn erfolgreich davor bewahrten, unglücklich zu sein. Bisweilen, an windigen Tagen, ging er zum See hinunter und schaute stundenlang hinaus, denn es schien ihm, als zeichne sich auf dem Wasser das unerklärliche, schwerelose Schauspiel dessen ab, was sein Leben gewesen war.
(Alessandro Baricco: Seide)
Schlagwort-Archiv: 2003
Adventmail 2003/13 (Wie Bücher enden)
Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
(Das Evangelium nach Matthäus)
Adventmail 2003/12 (Wie Bücher enden)
Und doch, als er gestorben war, als sie ihm ihre Lippen auf die Stirn gedrückt hatte und mit Denise und Gary in die warme Frühlingsnacht hinausging, da spürte sie, dass es nun nichts mehr gab, was ihre Hoffnung zunichte machen konnte, nichts. Sie war fünfundsiebzig Jahre alt, und sie würde einiges in ihrem Leben ändern.
(Jonathan Franzen: Die Korrekturen)
Adventmail 2003/11 (Wie Bücher enden)
Bei all dem muss sich Bildung als Kommunikation bewähren. Sie darf sie nicht erschweren, sondern muss sie bereichern. Sie darf deshalb nicht als bedrückende Norm, als unangenehme Aufgabe, als eine Form der Konkurrenz oder gar als gespreizte Selbstbeweihräucherung daherkommen. Sie darf überhaupt nicht separat als „Bildung“ in Erscheinung treten oder gar zum Thema werden; vielmehr ist sie der Stil der Kommunikation, durch die Verständigung zwischen Menschen zum Genuss wird. Kurzum: Sie ist die Form, in der Geist, Fleisch und Kultur zur Person werden und sich im Spiegel der anderen reflektiert.
(Dietrich Schwanitz: Bildung. Alles, was man wissen muss)
Adventmail 2003/10 (Wie Bücher enden)
„Gute Nacht, Nini.“
„Gute Nacht.“
Die Amme reckt sich in die Höhe und macht mit ihrer kleinen Hand, an deren Knochen die Haut gelb und faltig klebt, das Kreuzzeichen auf die Stirn des Greises. Sie geben sich einen Kuss. Es ist ein ungeschickter, kurzer, merkwürdiger Kuss: Wenn ihn jemand sähe, müsste er lächeln. Aber wie jeder Kuss ist auch dieser eine Antwort, eine unbeholfene, zärtliche Frage auf eine Frage, die nicht in Worte zu fassen ist.
(Sandor Marai: Die Glut)
Adventmail 2003/08 (Wie Bücher enden)
Als Onkel Nolte dies vernommen,
War ihm sein Herze sehr beklommen.
Doch als er nun genug geklagt:
„Oh!“ sprach er – „Ich hab’s gleich gesagt.“
„Das Gute – dieser Satz steht fest –
Ist stets das Böse, was man läßt!“
„Ei ja! – da bin ich wirklich froh!
Denn, Dott sei Dank! Ich bin nicht so!“
(Wilhelm Busch: Die fromme Helene)
Adventmail 2003/07 (Wie Bücher enden)
Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird’s Ereignis:
Das Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan;
Das Ewigweibliche
Zieht uns hinan.
(Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Der Tragödie zweiter Teil)
Adventmail 2003/06 (Wie Bücher enden)
Sie hat ihn noch immer nicht berührt. Aber trotzdem hat er sie vom Kopf bis zu den Zehenspitzen gespürt, als hätte die Notapothekerin sich in eine Art Gänsehaut auf dem Brenner-Körper verwandelt. Aber er hat sich noch immer mit eiserner Disziplin gezwungen, die Augen nicht aufzumachen.
„Wenn du nicht aufpasst, nehm ich dir auch gleich dein Rachenzäpfchen weg“, hat die Notapothekerin aus ungefähr null Zentimeter Entfernung behauptet.
„Geh“, hat der Brenner mit geschlossenen Augen gelächelt.
Und dann hat die Notapothekerin nichts mehr gesagt.
Und dann hat sie sich auf ihn gestürzt. Hyäne nichts dagegen.
(Wolf Haas: Silentium)
Adventmail 2003/05 (Wie Bücher enden)
Weder die Autorin noch der Verlag sind gegenüber Personen oder Gesellschaften für tatsächlichen oder angeblichen Verlust, Schaden, Verletzungen oder Leiden haftbar, die direkt oder indirekt durch die Informationen oder das Fehlen von Informationen in diesem Buch verursacht werden.
(Lou Paget: Der perfekte Liebhaber. Sextechniken, die sie verrückt machen)
Adventmail 2003/04 (Wie Bücher enden)
„Sch’ma Jisruel, kalt is ma in die Fiß, Sch’ma, die Fiß so kalt, oj is ma in die Fiß Israel. Sch’ma Jisruel, in die Fiß is ma soi koit in die Fiß adonai.“
Da denk ich mir, wann endlich warm werden die Füße, und der Kopf bleibt wunderbar kühl, kann passieren, dass kommt nicht der Messias, sondern ein schönes Gefühl.
(Robert Schindel: Gebürtig)