Adventmail 2003/24 (Wie Bücher enden)

Und seine Schbäze haum si d Schuach gschmiad und haum iwaroe gschüdad, wia des ois is und woa und sei wiad, und da Heagod hod eana ghoefm dabei, indem das a mid ole meglichn Deita fa da Hää owa zaagd hod, das des woa is, wos s dazöön.
(Wolfgang Teuschl: Da Jesus und seine Hawara)

Adventmail 2003/23 (Wie Bücher enden)

Ich war plötzlich so verflucht glücklich, weil Phoebe immer im Kreis herumfuhr. Ich hätte beinah geheult, so verflucht glücklich war ich, falls das jemand interessiert. Ich weiß nicht warum. Einfach weil sie so verdammt nett aussah, während sie dort herumfuhr – in ihrem blauen Mantel und allem. Großer Gott, so was muss man gesehen haben.
(J.D. Salinger: Der Fänger im Roggen)

Adventmail 2003/22 (Wie Bücher enden)

Estragon: Also, wir gehen?
Wladimir: Zieh deine Hose rauf.
Estragon: Wie bitte?
Wladimir: Zieh deine Hose rauf.
Estragon: Meine Hose ausziehen?
Wladimir: Zieh deine Hose herauf.
Estragon: Ach ja.
(Er zieht seine Hose herauf. Schweigen)
Wladimir: Also? Wir gehen?
Estragon: Gehen wir!
(Sie gehen nicht von der Stelle)
(Samuel Beckett: Warten auf Godot)

Adventmail 2003/20 (Wie Bücher enden)

Christa T. wird zurückbleiben.
Einmal wird man wissen wollen, wer sie war, wen man da vergisst. Wird sie sehen wollen, das verstände sie wohl. Wird sich fragen, ob denn da wirklich jene andere Gestalt noch gewesen ist, auf der die Trauer hartnäckig besteht. Wird sie, also, hervorzubringen haben, einmal. Dass die Zweifel verstummen und man sie sieht.
Wann, wenn nicht jetzt?
(Christa Wolf: Nachdenken über Christa T.)

Adventmail 2003/18 (Wie Bücher enden)

In diesem Augenblick kommen mir so viele fundamentale Gedanken, so viele wahrhaft metaphysischen Dinge möchte ich mitteilen, dass ich auf einmal müde werde und die Entscheidung fälle, nicht weiter zu schreiben, nicht weiter zu denken, sondern geschehen zu lassen, dass mir das Ausdrucksfieber Schlaf schenkt und ich mit geschlossenen Augen all das, was ich gesagt haben könnte, wie eine Katze streichle.
(Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe)

Adventmail 2003/15 (Wie Bücher enden)

In unseren besten Augenblicken, wenn vor lauter Gelingen auch das energischste Tun in Lassen aufgeht und die Rhythmik des Lebendigen spontan uns trägt, kann sich der Mut plötzlich melden wie eine euphorische Klarheit oder ein wunderbar in sich gelassener Ernst. Er weckt in uns die Gegenwart. In ihr steigt die Wachheit mit einem Mal auf die Höhe des Seins. Kühl und hell betritt jeder Augenblick deinen Raum; du bist von seiner Helle, seiner Kühle, seinem Jubel nicht verschieden. Schlechte Erfahrungen weichen zurück vor den neuen Gelegenheiten. Keine Geschichte macht dich alt. Die Lieblosigkeiten von gestern zwingen zu nichts. Im Licht solcher Geistesgegenwart ist der Bann der Wiederholungen gebrochen. Jede bewusste Sekunde tilgt das hoffnungslose Gewesene und wird zur ersten einer Anderen Geschichte.
(Peter Sloterdijk: Kritik der zynischen Vernunft)