Es gibt jede Menge Weltuntergangscartoons. Wie ein (schlechter) Witz wirken auch Berichte über immer wieder vorausgesagte Weltuntergänge, zu denen es dann – Überraschung! – doch nicht kam.
Der baptistische Prediger William Miller war einer von vielen Bibelforschern, der aus Zeitangaben der Heiligen Schrift die baldige Wiederkunft Christi und den damit verbundenen Weltuntergang berechnen zu glauben meinte. Zwischen dem 21. März 1843 und dem 21. März 1844, später präzisiert auf 22. Oktober 1844, sollte es so weit sein. In banger Erwartung kündigten viele Gläubige ihre Arbeit, lösten Farmen auf, verkauften Häuser und Habseligkeiten, beglichen Schulden oder verschenkten Besitz, um sich „bereit“ zu machen. Als an diesem Tag nichts geschah, erlebten die „Milleriten“-Gemeinden einen Schock: Tränen, Spott von außen, Glaubenskrisen und Abwanderungen. Dumm gelaufen.
Langfristig spaltete sich die Bewegung. Ein Teil gab die Berechnungen auf, andere deuteten das Datum um (nicht sichtbares himmlisches Ereignis). Aus dieser Neuorientierung entstand später u. a. die Siebenten-Tags-Adventisten-Tradition.
Armageddon-Spezialisten sind auch die ab den 1860er-Jahren aus Bibelforschern rund um Charles Taze Russell (1852-1916) hervorgegangenen Zeugen Jehovas. Im Jahr 1874 sagte die Gruppe zum ersten Mal einen Weltuntergang voraus. Dieses Datum sollte nur eine von zahlreichen anderen Gelegenheiten sein, zu der Gott – nach Meinung der Zeugen endlich – die Erde richten und die Ungläubigen vernichten sollte. Spätere Apokalypsen wurden für 1878, 1881, 1910, 1914, 1918, 1925, 1975, 1984 und 1994 vorausgesagt – jeweils endzeitliche Ereignisse, von denen die Zeugen glaubten, sie wären in der Bibel prophezeit worden und stünden „über jedem Zweifel“ oder seien „von Gott bestätigt“. Russell starb im Jahr 1916, hinterließ jedoch weitere apokalyptische Vorausberechnungen für die Jahre 1918, 1925 und 1975.
Das Ausbleiben dieser Ereignisse führte jedes Mal zu Glaubwürdigkeitskrisen, in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre etwa gingen Missionstätigkeit und Wachstum der Zeugen Jehovas statistisch signifikant zurück.
Schon Martin Luther machte seinerzeit gleich drei Jahre als mögliche Termine für den Weltuntergang publik: 1532, 1538 und 1541. Danach ließ er bis zu seinem Tod im Jahr 1546 zu keiner weiteren Prognose hinreißen.
Ich stehe hier und kann nicht anders, als den Kopf zu schütteln über die immer wiederkehrende Tendenz, Religion als eine Art esoterisches Geheimwissen für Auserwählte zu missbrauchen.
