„Der Fremde“, (Francois Ozon, F 2025) ****

Diesen wunderbar fotografierten Schwarzweißfilm nach dem berühmten Roman von Albert Camus gibt’s eigentlich noch gar nicht in Österreichs Kinos. Dass ich ihn schon vorab mit einer Schar Mitfeiernder sah, lag am Preis, den der Verleih „Filmladen“ bekam: Eine Gratulantin aus Frankreich überreichte den „Europa Cinemas Awards 2025“ für „Best Programming“ in den beiden Kinos Votiv und DeFrance – eine tolle und verdiente Auszeichnung für das Mitglied von „Europas Cinemas“, einem Netzwerk von rund 1300 Arthouse-Kinos in 39 Ländern. Glückliche Gewinner wie ich durften gratis mitfeiern.

Geschäftsführer Michael Stejskal lobte Ozons neuen Streifen vorab als eine der herausragendsten Produktionen des Jahres 2025, der den lakonisch-nihilistischen Ton des Camus-Klassikers gut treffe. Im Mittelpunkt steht der im Algier der 1930er-Jahre lebende junge Büroangestellte Mersault. Als er ein Telegramm erhält, das ihm den Tod seiner in einem Altersheim lebender Mutter kundtut, zeigt sich sein gefühlsarmer Charakter. Am Tag der Beerdigung beginnt er nach dem Besuch einer Filmkomödie eine Affäre mit Marie und schläft noch am selben Abend mit ihr. Die Beziehung verfestigt sich, ohne dass Mersault je Liebe verbalisiert. Er bleibt konsequent ehrlich desinteressiert, auch das Lügen scheint ihn zu langweilen. Als ihn sein Nachbar Raymond in einen Konflikt mit Einheimischen verstrickt und Mersault an einem heißen Tag am Strand einen Mord begeht, landet der durch scheinbar nichts Berührbare vor Gericht. Seine Weltsicht legt er am deutlichsten, ja sogar oder leidenschaftlich im Gespräch mit einem Priester im Gefängnis dar, der vergeblich versucht, Mersault zu Reue und Hinwendung zu Gott zu bewegen. Denn „das Leben ist absurd“ und „was für eine Rolle spielt es, ob man mit 30 oder 70 stirbt“.

Francois Ozon erzählt diese Geschichte sehr europäisch im Arthouse-Stil, lässt sich und seinen Bildern viel Zeit. Beim Abspann zu hören: „The Cure“ mit ihrer Romanvertonung aus dem Jahr 1978 „Killing an Arab“.

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