Johanna Grillmayer, „Ein guter Mann“ (Müry Salzmann 2025) ****

Bei einem Buch, in dem mein Name steht (ganz am Ende, unter den Danksagungen an Unterstützende) kann ich nicht objektiv bleiben. Aber egal. Es ist der dritte Band der Trilogie („That’s life in Distopia„, „Ein sicherer Ort„) meiner Freundin und Journalistenkollegin Johanna rund um eine nicht näher beschriebene Katastrophe, die die Menschheit bis auf einen überschaubaren Rest Überlebender auslöschte. Und ich gestehe, Fortsetzungen oder gar Cliffhanger, bei denen ich ein, zwei Jahre aufs Weitererzählen warten muss, mag ich an sich nicht sonderlich. Erinnert mich zu sehr an „Der Herr der Ringe“ oder jetzt wieder die „Avatar“-Reihe.

Ich brauchte jedenfalls einige Dutzend Seiten, bis ich wieder hineinfand – in das Dorf im Burgenland, in dem sich Jola(nthe?), ihre (mindestens) zwei Männer Jakob und Marek, die Dorfchefin Em(ma) und all die anderen eine neue Heimat geschaffen haben. Es ist inzwischen 20 Jahre NdE (nach dem Ereignis), die uns gewohnten Errungenschaften der Zivilisation geben allmählich ihren Geist auf: Geräte, Kleidung, Papier, Straßen. Nicht nur die Beschaffung von Ersatz bzw. Alternativen ist kompliziert, auch das Beziehungsgefüge in dem kleinen Gemeinwesen, in dem herkömmliche Kleinfamilienmodelle nicht mehr taugen und auch noch Bedrohungen von außen (durch „Lederjackenbanden“) zu bewältigen sind.

Johanna mutmaßte, dass ich deswegen schwer ins Buch fand, weil mir eine anfangs geschilderte Abtreibung gegen den Strich gehen könnte. Nein. Erstens verliert für mich ein Text nicht dadurch an Attraktivität, weil darin geschilderte Geschehnisse meinen Ethikvorstellungen widersprechen, zweitens halte ich Abtreibung für eine legitime Option von Frauen in einer Zwangssituation – wobei der Staat ernsthaft für stützende Rahmenbedingungen zu sorgen hätte.

Die zweite Generation, die VdE nur vom Hörensagen kennt, bekommt in Johannas drittem Band viel mehr Bedeutung; Jolas Kinder Judith und Noah, mit Abstrichen Aron, gewinnen dabei Kontur, die anderen Figuren bleiben blass. Und mehr Augenmerk hätte ich mir auch für die thrillerhafte Abwehr der Bandengewalt gewünscht, die spannungsmindernd allzu knapp – geradezu „explosionsartig“ – geschildert wird.

Im weiteren Verlauf nimmt die Handlung so richtig Fahrt auf. Nicht zuletzt den neuen Möglichkeiten zu verdanken, die die Wiederinstandsetzung alter Bahnlinien mit sich bringt.

Fazit: Wer nicht schon die einzelnen Bände der Trilogie las, möge sie hintereinander gleich auf einmal lesen.

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