Können Feministinnen religiös sein, gläubige Mitglieder einer abrahamitischen Weltreligion? Wenn es nach der ukrainischen Femen-Aktivistin („Pussy Riot“) Inna Schewtschenko geht, eher nicht. Sie betrachtet Christentum, Judentum und Islam als unheilbar patriarchalisch und zitiert dazu die mir noch von meinem Theologiestudium bekannte Mary Daly: „If God is male, then male is God.“ In einer der ersten Szenen des auf einem Drehbuch Schewtschenkos basierenden Film sind barbusige Feministinnen zu sehen, die in Kiew triumphierend ein Holzkreuz umsägen und danach schnell die Flucht ergreifen. Ohje, dachte ich da. Das wird jetzt ein filmisches Pamphlet, das Identifikationsfiguren keinerlei Raum gibt, die Religion und Feminismus sehr wohl für vereinbar halten. Da kann dann auch ich nicht mit, denn ein Gott, der Unterdrückung von Frauen gutheißt oder sogar verlangt, ist weit entfernt von dem, an den ich glaube.
Aber dem war dann gar nicht so. Es kamen auch religiös offene wie die (widerrechtlich geweihte) katholische Bischöfin Christine Mayr-Lumetzberger zu Wort, selbstbewusste Musliminnen, die aus Überzeugung den Hidschāb tragen, eine jüdische transsexuelle Rabbinerin u.a. Schewtschenko traf sich mit diesen Frauen in Europa und in den USA, widersprach ihnen zu Themen wie Abtreibung und Bekleidungsvorschriften, ließ ihre andere Sichtweise aber letztlich gelten.
Schmunzeln machte mich die russische Pussy-Riot-Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa, die wegen ihrer feministischen Haltung ins Gefängnis musste und dort – „It was a torture!“ – nur die Bibel zu lesen bekam. Jesus sei ihr dabei sehr sympathisch geworden, und sie habe bei der Lektüre genug Stoff zum Argumentieren gegen die Putin-freundliche, den Krieg rechtfertigende russisch-orthodoxe Kirchenleitung gesammelt.