Marina Abramović, Albertina Modern, 17.11.2025 ****

Marina Abramović (1946 in Belgrad geboren) gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Performance-Künstlerinnen. Sie setzt sich selbst und ihren Körper vor Publikum aus, dessen Reaktion Teil des künstlerischen Prozesses werden soll – etwa in ihrer frühen Performanceserie „Rhythm“: Ein weiß gedeckter Tisch mit Utensilien wie Ketten, Messer, Schal, Rasierklingen, einer dornigen Rose u.a. lud Besucher:innen dazu ein, damit und mit der regungslos davor stehenden Künstlerin etwas zu gestalten. Männer entblößten sie, legten ihr eine Kette um, küssten sie, verletzten sie mit Dornen – bis sie durch Blickkontakt Scham auslöste. Noch reduzierter Abramovićs Aktion „The Artist is Present“: Da saß sie stundenlang nur da und blickte einem wechselnden Gegenüber in die Augen – so lange, wie der/die Gegenübersitzende das wünschte.

An den Wiener Aktionismus und Valie EXPORT erinnert Abramovićs Zusammenarbeit mit ihrem Lebenspartner von 1976 bis 1988, Ulay: Zu sehen sind Videos mit wechselndem Anschreien, Ohrfeigen, Selbstverletzungen. Explizit politisch wurde ihr Schaffen mit dem Krieg in Ex-Jugoslawien. Aufgetürmte blutige Rinderknochen und filmische Ausführungen über die Vernichtung von Ratten veranschaulichten die alltägliche Gewalt.

In ihrem Spätwerk wendet sich die inzwischen fast 80-Jährige immer mehr der Natur und der darin verborgenen Spiritualität zu. Esoterisch mutet z.B. die Einladung an die Albertina-Besuchenden an, die Energie verschiedener Metalle und Gesteine durch Anlehnen oder Draufliegen zu erspüren. Naja.

All das verstört und fasziniert zugleich. Es weckt Lachen und Angst, Wut und Abscheu, Scham und Voyeurismus – jedenfalls Neugier. Und hielt mich knapp zwei Stunden in der noch bis 1. März 2026 zugänglichen Sonderausstellung fest.

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