Ich bin heuer am Ende des Sommers mit dem Rad von Feldkirch den Rhein entlang bis an die Nordsee gefahren. 1.526 km mit Übernachtungen etwa in Basel, Straßburg, Koblenz, Köln, Duisburg und Nijmegen.
Bereits in den Jahren davor unternahm ich ausgiebige Touren allein mit meinem E-Bike, das ich zum 60er bekam: 2020 von St. Moritz via Innsbruck, Chiemsee, Passau nach Wien, 2021 vom Reschensee quer durch Südtirol und Kärnten nach Graz. Ohne Elektromotor-Unterstützung war ich mit meinem alten Simplon-Rad auch schon entlang von Mosel und Isonzo, in einem großen Kreis um Hamburg sowie auf der Ostseeinsel Rügen unterwegs.
Ich liebe das: mich nach einem stärkenden Frühstück mit prall gepackten Satteltaschen aufs Rad schwingen und losdüsen. In einer Geschwindigkeit, die es erlaubt, mir Zeit für das Besondere zu nehmen, für Ausblicke, Kaffee und Kuchen zwischendurch, Stopps am Ufer mit erfrischendem Bad wie heuer am Rhein und im Bodensee, vor Kirchenbauten zum Innehalten und Kerze-Anzünden für Daheimgebliebene, dann wieder weiter, “On The Road Again” von Canned Heat u.a. vor mich hin trällernd.
Diese Art des Unterwegsseins macht nicht nur mich glücklich: RadlerInnen, denen ich begegne, lächeln mir oft zu, man grüßt sich, tauscht sich über Woher und Wohin aus und gibt sich Tipps.
Ich werde oft gefragt, ob mir die rund 100 km pro Tag nicht zu anstrengend sind. Nein, mit dem E-Bike ist das kein Problem. Die körperlich größte Herausforderung ist das spätestens nach drei Tagen im Sattel beleidigte Sitzfleisch. Aber das lässt nach.
Und das Gepäck? Ist mir das nicht zu wenig? Nochmal nein. Zwischendurchwaschen (wie heuer in der Jugendherberge in Heidelberg) ist immer möglich, Gewand und Toilettezeug sind immer knapp bemessen, auch für Regenschutz und Abendlektüre ist Platz, ebenso für Ladekabel für Radakku, Handy und Kamera.
Das Alleinsein stört mich tagsüber gar nicht. Ich kann da ganz meinem Rhythmus folgen. Abends in Gaststätten vermisse ich Gesellschaft dann aber schon. Andere Gäste sitzen zu zweit oder mehrt an den Tischen – ich allein. Außer in Köln, wo ich heuer ins Gespräch mit Einheimischen kam, über die “Meterwurst” mit Bratkartoffeln, die ich Hungriger mir zum Kölsch bestellt hatte. Ich lernte, dass man auf das kleine 0,2-Kölsch-Glas den Bierdeckel legen muss, sonst bringt die Kellnerin unaufgefordert immer wieder ein neues Blondes.
Mein Lieblings-Radland sind übrigens die Niederlande. Dort wird seit Jahren beim Straßenbau auf “Fietspad” geachtet, wo RadlerInnen bequem und sicher unterwegs sind. Auch in Deutschland ist es üblich, Gehsteige als Begegnungszonen für Räder zu öffnen und so gegenseitige Rücksichtnahme einzuüben. Österreich hat da noch viel zu lernen und Ellbogenmentalität abzulegen.








