Vor 25 Jahren begannen meine Schwester Martina, mein Bruder Andreas und ich mit Reisen zu runden Geburtstagen unserer Mutter Franziska. Die erste, zu ihrem 60er, führte nach Prag. Die weiteren, im Fünfjahresabstand, nach Laibach, Budapest, Kopenhagen, nach Sirmione am Gardasee und zuletzt Ende Oktober, kurz vor Mutters 85er, nach Triest. Ob es weitere Reisen gibt, wird sich zeigen; auszuschließen ist es nicht, denn von Franziskas acht Geschwistern, allesamt zwischen Ende 70 und Anfang 90, leben bis auf eine Schwester noch alle.
Allerdings werden Städteerkundungen wie die drei Tage in Triest allmählich mühsam. Das Gehtempo der Jubilarin passte schlecht zu dem der anderen, wir behalfen uns mit dem Zugeständnis von Soloerkundungen von jeweils einer/m von uns “Kindern”. Vorrang hatten natürlich Franziskas Bedürfnisse – die Reisen mit ihr sind ja ein Geschenk. Konkret bedeutete dies abendliches Kartenspielen, Besuch von Geschäften, die z.B. mich wenig interessierten, lange Pausen mit Aperol Spritz, und mein Bruder hatte für die dreistündige Autoanreise aus Graz eine Playlist mit Schlagern wie “Azzurro” von Adriano Celentano, “Hinterrrr den Kulissen von Paris” von Mireille Mathieu oder “Das alte Haus von Rocky Docky“ von Bruce Low zusammengestellt.
Reisen mit einer Seniorin erfordert aber nicht nur Konzessionsbereitschaft, sondern ist auch immer wieder unterhaltsam: Ein Ausflug in die nahe slowenische Küstenstadt Koper sorgte für “Also so was hab ich noch nicht erlebt”-Empörung bei Franziska: Im Café des zentralen Hauptplatzes habe sie auf dem Weg zum Damenklo an Pissoirs vorbeigehen müssen, an denen sich gerade zwei Männer erleichterten. “I hob eh wegg’schaut – glaubt’s, das interessiert mi?!”, hieß es kurz vor der Erkenntnis, dass es sich bei besagtem Örtchen um die Herrentoilette gehandelt hatte. Und vor der Rückreise bedauerte Franziska, dass der Rosenstrauß, den unsere Gastgeberin für die 85-Jährige im Appartement als Willkommensgruß platziert hatte, leider schon ganz vertrocknet sei. Ein zweiter Blick ergab, dass sie die Trockenblumen im Flur mit dem durchaus noch intakten Blumengeschenk verwechselt hatte.
Schön, dass die manchmal etwas indisponierte angehende Greisin über sich selbst lachen kann…
Falls jemand von euch in nächster Zeit mal nach Triest reist (Direktzug von Wien/Graz!), noch ein heißer Lokaltipp: In der Osteria de Scarpon aßen wir zu viert abends zweimal um insgesamt 85 Euro. Die lustige Wirtin spendierte (!) jeweils Dolci und Grappa nach den köstlichen Fischgerichten.
