„Gedichte, die von Wassertrinkern geschrieben wurden, können nicht lange Gefallen finden“, outete sich der Dichter Horaz 14 v. Chr. im Alten Rom als kreativer Weintrinker. Wer sich das offenbar besonders zu Herzen – oder sollte man sagen: zur Leber? – genommen hat, sind amerikanische Schriftsteller. Die von der WHO als Krankheit anerkannte Alkoholsucht wird in den USA als „writers desease“ bezeichnet. Mit dem Nobelpreis ausgezeichnete amerikanische Literaten waren zu mehr als 70 Prozent Alkoholiker, schrieb Rainer Schmitz in seinem unterhaltsamen Literaturlexikon „Was geschah mit Schillers Schädel?“
Es soffen (sich zu Tode): Jack London, Jack Kerouac, Ernest Hemingway, William Faulkner, Herman Melville, Eugene O’Neill, Edgar Allan Poe, Norman Mailer, Truman Capote, Charles Bukowski – aber auch Größen diesseits des Atlantiks wie Jaroslav Hasek, Albert Camus, Fernando Pessoa, Erich Kästner oder James Joyce.
Ein ziemlicher Schluckspecht war auch der Zürcher Staatsschreiber Gottfried Keller (1819-1890). Mit einem herzlichen Grüezi an meine Schweizer Verwandten erzähle ich hiermit folgende Anekdote: An einem Sommerabend ruderte Keller mit einem Freund über den Zürichsee nach Küsnacht, angelockt von einem Gasthaus mit vorzüglichem Wein. Nach Mitternacht bestiegen die beiden Zecher schon recht angeheitert wieder ihr Boot und legten sich abwechselnd je eine Stunde in die Riemen. Doch das Ausgangsufer kam einfach nicht in Sichtweite. Als der Morgen zu grauen begann, ging der Wirt von Küsnacht zum Landungssteg und wunderte sich angesichts zweier erschöpfter Ruderer: „Warum tut Ihr’s Kähnli nit abhänge, Ihr Herren?!“

Trinkfreudig sind auch wir Dulliösterreicher, und das ist ein durchaus ernstes Thema. Laut WHO-Statistik über Alkoholismus rangiert Österreich nach Weißrussland, Litauen und Tschechien auf Rang 4 in Bezug auf Konsumation reinen Alkohols: Durchschnittlich 12,1 Liter verbraucht ein Über-15-Jähriger pro Jahr.


