In seiner Komödie „Der eingebildete Kranke“ (Le Malade imaginaire) spottet der Pariser Barockpoet Molière (1622-1673) wie schon in früheren Stücken über die Ärzte. Sie behandeln überaus geschäftig den scheinkranken Argan, der sich allen verkehrten Anordnungen der quacksalbernden Ärzte geduldig und penibel unterwirft. Von seinen eingebildeten Krankheiten und dem vermeintlich drohenden Tod ist er so besessen, dass er sogar seine Tochter Angelique mit einem Arzt zwangsverheiraten will.
Ohne seine Hypochondrie wäre Argan ein, wenn auch beschränkter, gutmütiger Hausvater, so aber wird er zum Tyrannen seiner Tochter und zur Marionette seiner erbschleichenden zweiten Frau Belinde. Diese will er prüfen, indem er sich tot stellt. Er durchschaut Belinde und erlaubt daraufhin Angélique, ihren Geliebten Cléante zu heiraten. Den Ärzten wird übel mitgespielt. Argans Bruder Beralde beruhigt den Eingebildeten durch das Possenspiel einer Doktorpromotion.
Deftig-burlesk geht es zu in dieser Satire; ein turbulenter, heute noch häufig gespielter Spaß, der für Molière kurz nach der Premiere am 10. Februar 1673 jedoch bitterer Ernst wurde: Der in der Gunst des 16 Jahre jüngeren Sonnenkönigs Ludwig XIV. stehende Dichter hatte die Rolle des Titelhelden selbst übernommen. Doch bei der vierten Vorstellung, am 17. Februar 1673, erlitt er einen Blutsturz; er starb, makabererweise noch im Kostüm des „eingebildeten Kranken“, nur wenige Stunden später.