Das reich bestückte Wien Museum hat kürzlich seine Bestände online zugänglich gemacht. Da ist doch sicher auch was Interessantes zum Thema Krankheit dabei, denke ich mir, gebe diesen Suchbegriff ein – und finde die Darstellung eines Holzstichs mit dem Titel „Im Vorzimmer des Papstes während seiner Krankheit“.
Es handelt sich um Pius IX., der von 1846 bis 1878 die längste Amtszeit eines Papstes hatte. Leider, denn er verantwortete das kirchenmachtpolitisch unselige Erste Vatikanische Konzil 1869/70. Auf dem 1878 entstandenen Kunstwerk des aus Böhmen stammenden Lithographen Franz Kollarz ist der starrköpfige Antimodernist umringt von antichambrierenden honorigen Persönlichkeiten und flankiert von Schweizer Gardisten. Pius war damals bereits 85 und stand an der Schwelle des Todes.
Dazu fällt mir eine kuriose Geschichte aus der unterhaltsamen ORF-Schmähführer-Serie „Was gibt es Neues?“ ein: Das Rateteam wurde jüngst in einer November-Folge gefragt, was eine „Hammerfrage“ sein könnte. Die Antworten der KabarettistInnen waren witzig, aber unrichtig.
Es ist nämlich so: Trotz der Prominenz eines Papstes und der weitreichenden Folgen, die sein Tod auslöst, findet keinerlei pathologische Untersuchung oder gar Autopsie des verstorbenen Pontifex‘ statt. Vielmehr wird der Tod vom Camerlengo, dem päpstlichen Kämmerer, offiziell festgestellt. Dazu wurde früher eben die „Hammerfrage“ gestellt: Der Camerlengo klopfte seinem sich nicht mehr rührenden Chef dreimal mit einem zeremoniellen Hämmerchen aus Silber und Ebenholz auf die Stirn, rief ihn bei seinem Taufnamen und fragte: „Schläfst Du?“ – ein Ritual, das freilich längst nicht mehr gebräuchlich ist. Auch im Vatikan hat die moderne Medizin derlei Hokuspokus (= hoc est corpus; das ist [mein] Leib) ersetzt.