Er bekam einen stieren Blick. Fletschte die Zähne. Packte die Stöcke, als wollte er Blut aus ihnen herauspressen. Schien die Piste fressen zu wollen.
Die Rede ist von Skistar Hermann Maier, genannt Herminator in Anlehnung an den über Leichen gehenden Terminator. Der Olympiasieger (2x), Weltmeister (3x) und Gesamtweltcupsieger (4x) ist einer der Sportler mit einem besonders auffälligen Startritual. Auf Youtube gibt es sogar eine Zusammenstellung mit „Start Impressionen“ von Maier. Noch extremer, wenn auch nicht so erfolgreich wie der Herminator, gestaltete Slalomweltmeister Manfred Pranger sein Startritual. Wenn er mit Tunnelblick und Schaum vor dem Mund unverständliche Wortkaskaden ausstieß, fragte ich mich immer: Was um Gottes willen hat der eingenommen?

Überaus minutiös, ja zwanghaft legte Rafael Nadal (Tennis) den Beginn und auch den weiteren Verlauf seiner Wettkämpfe an: Wasserflasche millimetergenau ausrichten, vor jedem Punkt die Hosen und das Shirt zurechtzupfen, sich über Haare und Nase streichen – immer in derselben Reihenfolge. Für ihn sei das ein Mittel, „Ordnung im Kopf“ zu schaffen, sagte er 22-fache Grand-Slam-Sieger.
Sprintweltrekordler Usain Bolt inszenierte sich gerne vor dem Publikum: Vor dem Start und nach Siegen zeigte der Jamaikaner seine ikonische „Lightning Bolt“-Pose, bei der er schräg in den Himmel zeigte.
Tormaschine Cristiano Ronaldo stellt sich vor Freistößen breitbeinig hin, atmet tief ein, blickt konzentriert auf das Tor und führt dann den typischen Anlauf aus. Nach Toren springt er mit Drehung in die Luft und landet mit ausgebreiteten Armen, bereit für Ovationen (mehr bekommt bei mir aber Messi).
Für Aufsehen sorgt immer wieder das Ritual von Neuseelands Rugby-Team, der „All Blacks“: Vor jedem Spiel führen sie den traditionellen Haka, einen Maori-Kriegstanz, auf. Dieses Ritual ist nicht nur Einschüchterung der Gegner, sondern Ausdruck von Identität, Stolz und Teamgeist.
Und auch ich habe ein Ritual vor wichtigen Fußballspielen: Fenster abdunkeln, Getränk vorbereiten, Polster richten, Füße hochlagern, an der Aufstellung herummäkeln, „Pscht!“ zur Liebsten sagen.






