Das neue Jahr hat schon begonnen. Zumindest das Kirchenjahr, das nach katholischer wie evangelischer Tradition immer am ersten Adventsonntag beginnt, heuer also am 30. November (orthodoxe Christ:innen begingen ihr Neujahrsfest schon am 1. September). Die Trennung von christlich-sakraler und profaner Zeitgliederung und Kalenderordnung besteht erst seit der Reformation. Noch deutlich später dran war die Lateinische, also „westliche“ Kirche mit Zentrum Rom: Bis zur Festsetzung des Neujahrstages im Jahr 1691 durch Papst Innozenz XII. auf den 1. Jänner galt in weiten Teilen Europas der 6. Januar (Hochneujahr) auch als profaner Jahresbeginn.
Auf die Alten Römer gehen die Monatsbezeichnungen von September bis Dezember zurück – also 7./8./9./10. Monat. Damit war es bereits lange vor Christi Geburt vorbei. Ab dem Jahr 153 v. Chr. wurde der Beginn des Amtsjahrs vom 1. März auf den 1. Jänner verlegt, auf den Tag des Amtsantrittes der Konsuln. Mit Caesars (julianischer Kalender-) Reform begann dann auch das Kalenderjahr zu diesem Zeitpunkt und tut das bei uns bis heute.
Einer nachvollziehbaren Logik folgt die Festsetzung des Jahresbeginns, wenn der Frühling zur Tag- und Nachgleiche anfängt. Am 21. März ist Neujahr im Iran, bei den Kurden, in Indien und Pakistan sowie weiteren -istan-Ländern (Tadschik-,Usbek-, Kirgis-, Turkmen- und Afghanistan).
Beweglichen Terminen folgen unsere älteren Glaubensgeschwister: Rosch ha-Schana feierten Juden 2025 ab Sonnenuntergang des 23. September, 2026 (im Judentum schon das Jahr 5787) ist der Termin dann 12./13. September. Die jüngeren Geschwister können etwa alle 33 Jahre doppelt feiern: Denn das muslimische Jahr ist etwa 11 Tage kürzer als unser der Sonne folgendes und verfügt über keine Schaltmonate; dadurch wandert der Neujahrstermin kontinuierlich nach vorne. Der chinesische Neujahrstag fällt auf einen Neumond zwischen dem 21. Jänner und dem 21. Februar – heuer war der 29. Jänner der Beginn des Jahres der Schlange.
Christ:innen beginnen ihre Zeitrechnung mit der (eigentlich früher erfolgten) Geburt Jesu, Muslime mit der Hidschra, der Auswanderung Mohammeds von Mekka nach Medina im Jahr 622 n. Chr. Im Buddhismus orientiert man sich am Todesjahr des Buddhas Siddhartha Gautama 544 v. Chr., im Judentum an der biblisch errechneten Schöpfung des Himmelsgewölbes durch JHWH am Jom Rischon, dem 6. Oktober 3761 v. Chr.
Andere Kulturen leiteten ihre Zeitrechnung vom Amtsantritt der jeweiligen Herrscher ab, so die altägyptische. Die altgriechische Jahreszählung fußte auf Olympiaden (die erste nach 776 v. Chr.), die Römer zählten ab urbe condita („753 stieg Rom aus dem Ei“). Gerade mal 13 Jahre dauerte der 1792 verordnete französische Revolutionskalender, ähnlich kurz die von Mussolini ausgerufene „Era Fascista“, die er 1927 mit 1922 beginnen ließ. „Tausendjährige Reiche“ dauern meist deutlich kürzer, Gott sei Dank.
Auch in Japan wird heutzutage noch das Jahr basierend auf der Amtszeit des aktuellen Tenno gerechnet. Ist immer wieder interessant, wenn Charaktere in einer japanischen Serie ein Jahr mündlich bezeichnen als z.B. „Showa 60“ und die Untertitel machen daraus „1986“. Aktuell sind wir im Jahr 2025 bei Reiwa 7, nachdem die Ära des Tenno Naruhito mit 2019 als Reiwa 1 begonnen hat.