Adventmail 2025/3 (Anfang/Ende)

„Schön. Wow!“ Das waren laut seinem Schriftstellerbruder Daniel Glattauer die letzten Worte, die der fast ebenso bekannte Journalist, Pädagoge und Autor Niki Glattauer vor seinem Tod am 4. September sagte. Die Entscheidung, seinen assistierten Suizid schon Tage vor dessen Durchführung in einem Interview anzukündigen und zu begründen, hat die österreichische Öffentlichkeit sehr bewegt. Auch ich, der zu diesem Zeitpunkt radelnd in Skandinavien unterwegs war, verfolgte den Fall aufmerksam.

Und ich war gespalten: Die Motive des unheilbar krebskranken Glattauer konnte ich gut nachvollziehen. Auch seinen Wunsch, dass mehr über das Tabuthema Sterbehilfe diskutiert wird. Dennoch fürchte ich mich vor der möglichen Tendenz, dass ein selbst festgelegter Todeszeitpunkt als würdigere oder gar als einzig würdige Art des Sterbens gesehen wird. Und dass auf Schwerkranke der Druck normal wird, anderen nicht länger zur Last zu fallen und sich selbst zu „entsorgen“.

Glattauers „Schön. Wow!“ scheint immerhin darauf hinzuweisen, dass sein Abschied aus dieser Welt, umgeben von ihm lieben Menschen, wunschgemäß verlief. Ganz ähnlich schied Apple-Mitgründer Steve Jobs 2011 erst 56-jährig aus dem Leben: Seine letzten Worte „Oh wow. Oh wow. Oh wow.“ verstand seine Schwester Mona Simpson als Ausdruck von Staunen im Angesicht des Todes.

Weitere „famous last words“ gefällig? Sokrates mahnte 399 v. Chr. nach dem Leeren des Schierlingsbechers seinen Begleiter: „Kriton, wir schulden Asklepios einen Hahn. Vergiss nicht, ihn zu opfern.“ Allen bekannt ist wohl das „Es ist vollbracht“ von Jesus am Kreuz (Joh 19,30). Auch Goethes schwer zu deutendes „Mehr Licht!“ 1832 auf seinem Sterbebett wird oft zitiert.

Gute Manieren bis zuletzt bewies Marie Antoinette († 1793), die zu ihrem Henker sagte, nachdem sie ihm auf dem Weg zur Guillotine auf den Fuß getreten war: „Pardon, Monsieur, ich habe es nicht mit Absicht getan.“ Typisch für den bissigen Humor von Karl Marx († 1883) war seine Antwort an seine Haushälterin, die ihn nach letzten Worten fragte: „Gehen Sie raus! Letzte Worte sind für Narren, die noch nicht genug gesagt haben.“ Auch von Oscar Wilde († 1900) ist eine ironische Bemerkung in seinem Pariser Sterbezimmer überliefert: „Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.“ Den Vogel hinsichtlich Humors bis zum letzten Atemzug schoss James Donald French ab. Zu den journalistischen Beobachtern seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl 1966 in den USA sagte der verurteilte Mörder: „How’s this for your headline? ‘French Fries’.“

Was würde ich selbst gerne zuletzt sagen? Keine Ahnung. Ich denke, ich halte es mit dem tödlich getroffenen mexikanischen Revolutionsführer Pancho Villa (†1923), dem der Schlusssatz an einen Journalisten zugeschrieben wird: „Lass es nicht so enden. Schreiben Sie, dass ich etwas gesagt hätte!“ Soll heißen: Wenn mir nix G’scheites einfällt, möge man mir etwas andichten.

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