Adventmail 2009/03 (Was geschah am … Dezember?)

Am 3. Dezember …
… 1965 erschien das sechste Studioalbum der besten Band ever: Mit „Rubber Soul“ wollte das Management der Beatles schon vor 44 Jahren am Weihnachtsgeschäft mitnaschen. In Österreich waren die daraus entnommenen Singles in der Jahreshitparade 1966 jedoch weit hinter Größen wie Roy Black („Ganz in Weiß“), Chris Andrews („Yesterday Man“) oder Freddy Quinn („Hundert Mann und ein Befehl“), und Ö3 wurde erst zwei Jahre nach „Rubber Soul“ gegründet.
Irgendwann Ende der Sixties sang ich vorm Einschlafen immer wieder Beatles-Songs unter der Bettdecke in Phantasie-Englisch nach. Es waren Titel wie „She Loves You“, „Can’t Buy Me Love“ oder „I Should Have Known Better“ und somit durchwegs Songs aus der frühen, naiv-fröhlichen, „kind-kompatiblen“ Phase der Band. Erst später, in der AHS-Zeit, entdeckte ich auf Klassenausflügen beim gemeinsamen Singstreifzug durch „Beatles Complete“ die Meisterwerke der Spätzeit wie „Abbey Road“, zusammen mit dem titellosen Weißen Album der Favorit meiner Studienzeit.
Dazwischen lag „Rubber Soul“, von John Lennon in einem Interview einmal als „pot album“ und damit als Marihuana-inspiriert bezeichnet. Wenn ich die Tracklist ansehe, kann ich nur staunen über die unglaubliche Kreativität, die vor allem das Komponistenduo Lennon/ McCartney auszeichnete. George Harrison steuerte „If I Needed Someone“ und „Think for Yourself“ bei und spielte bei „Norwegian Wood“ erstmals auf einem Popsong eine Sitar; auch Ringo Starr wurde bei „What Goes On“ netterweise als Co-Komponist angegeben. Zwei während der Sessions zwischen Mitte Oktober und Ende November 1965 aufgenommene Lieder wurden nicht für das Album verwendet, sondern zeitgleich als Single (Doppel-A-Seite) veröffentlicht: Day Tripper/We Can Work It Out.
Mein Liebling auf „Rubber Soul“ ist „Nowhere Man“ mit dem brillanten Text von John. Oder doch die melodiöse Ballade „Michelle“ mit Pauls charmant-holprigem Französisch? Vielleicht aber auch „Girl“, wo John hörbar durch die geschlossenen Zähne die Luft einsaugt. Und da ist da auch noch „In My Life„: „There are places I’ll remember/All my life/ though some have changed…“
Eins noch: Warum eigentlich „Rubber Soul“? Das titelgebende Wortspiel (Rubber Sole = Gummisohle) geht angeblich auf Paul zurück, der sich über die zunehmende Begeisterung der Briten für Soulmusik amüsierte. Er bezog sich dabei vermutlich auf die abschätzige Bezeichnung plastic soul, die US-Musiker für die britische R&B-Szene verwendeten.