Samuel Beckett, „Warten auf Godot“
Der Titel lässt vermuten, dass Godot eine abgeleitete Form des englischen Wortes „God“ (Gott) ist. Godot ist die „Verkleinerungsform“, die im Französischen ähnlich wie Pierrot von Pierre abgeleitet wird. Wenn das Warten auf Godot ein Warten auf Gott ist, der die beiden Protagonisten Wladimir und Estragon erlösen soll, ergibt sich eine denkbare Erklärung: Die Menschen streben auf einen Gott hin, der sie erlöst.
Es besteht eine starke Unsicherheit durch das ganze Stück hindurch, die zwei Landstreicher warten auf Godot, obwohl sie gar nicht mehr genau wissen, ob sie tatsächlich mit ihm verabredet sind. Estragon erinnert sich nicht mehr, Wladimir weiß nicht mehr, was sie ihn genau gefragt haben: „… Eigentlich nichts Bestimmtes … eine Art Gesuch … eine vage Bitte …“ und Godot hat ihnen versprochen: „… Er würde mal sehen … Er müsse überlegen…“
Wiederkehrende Motive sind die andauernde Ungewissheit in der Verabredung mit Godot, die Irrationalität dieser Person an sich und die sich steigernde Hoffnungslosigkeit. Nur weil sie an den Versuchen scheitern, sich umzubringen, verbleiben sie wartend. Die beiden führen einen unaufhörlichen Dialog mit dem Ziel, sich abzulenken. Estragon: „Das tun wir, um nicht zu denken.“
PS: Eine Ergänzung zum gestrigen Mail: www.zeitverein.com (Danke, Petra!)