Adventmail 2013/10 (Advent-Jukebox)

CLAUDIA, Ärztin und Mitwanderin im Hohen Atlas, Köln
Ich habe lange überlegt: Welchen Beitrag schicke ich Dir? Am Anfang war alles klar: Joni Mitchell, „Both sides now“. Aber dann kamen Zweifel. Ist es nicht doch besser, die Toten Hosen zu wählen, mit „Wenn ein Herz brennt“ oder „Draußen vor der Tür“?
Bin bei Joni Mitchell geblieben. Zum einen, glaube ich, hat diese Frau einen megakünstlerischen Fortschritt geleistet damals von Woodstock, was ich natürlich auch nur von späteren Berichten mitbekommen habe. Und dann: Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Lied gehört habe abends in meiner Bude in Bonn mit meinem Balkon mit Blick über die Dächer der Stadt, frustriert, weil ich mich als „Ossi“ so unverstanden gefühlt und nachgedacht habe, wo soll es mit mir hingehen, weil ich Liebeskummer hatte oder einfach nur am nächsten Tag eine meiner vielen Prüfungen. Und nachdem ich „Both sides now“ gehört hatte, wurde ich ruhiger, und wie vom Himmel herbeigerufen kamen auch neue Überlegungen und Auswege. Dieses Lied hat mich schon oft abends begleitet.

Joni Mitchell: „Both sides now“,
www.youtube.com/watch?v=zIYu4EHq0Lo&feature=em-share_video_user&noredirect=1

Adventmail 2013/09 (Advent-Jukebox)

ROBERT, Redakteur und Adventmailgestalter, Wien
„Keine Ahnung, wann ich diesem Song zum ersten Mal begegnete. Aber ich weiß noch sehr gut, wann ich ihn immer wieder hörte, immer wieder dieses wehmütige “And no more shall we part”. Es ist schon Jahre her, und ich stand in einer akuten Trennungssituation, die mir zusetzte und mich so fühlen ließ, als wäre ich ein Fremder im eigenen Haus. Da kamen mir Zeilen wie “And no more shall we part/ It will no longer be necessary/ And no more will I say, dear heart/ I am alone and she has left me” gerade recht.
Dabei ist dieses Lied, gesungen von Nick Cave, der zwei Jahre und vier Tage vor mir auf die Welt kam, gar nicht optimistisch. Auch wenn “And never again will my letters start sadly, or in the depths of winter” so klingen mag. Aber dieser australische Nick, dessen Name “Höhle” oder auch “Zelle” bedeutet und auf Latein “Hüte dich!”, singt das und die anderen Strophen mit so viel Schmerz, Traurigkeit, auch Nachdenklichkeit und müder Anstrengung, dass dabei keiner an eine überwundene Krise denken mag. Und dazu ein Klavier, das einen Trauerzug zu begleiten scheint. Mir kamen jedenfalls die Tränen, damals. “Lord, stay by me/ Don’t go down…”
Heute denke ich mir beim Wiederhören, dass Wunden der Vergangenheit in einem/r bleiben, dass sich aber Jahresringe darüberlegen. Die halten alles zusammen, das Glück und das Leid, und Zeilen wie “And all of the birds will sing to your beautiful heart/ Upon the bough” treffen dann auf eine andere, stärkere Rinde/Haut, begleiten eine neue Lebensphase. “All the hatchets have been buried now” – All die Kriegsbeile sind jetzt begraben.
Übrigens: Litte ich heute noch unter Liebeskummer, würde ich wohl James Blake hören, ‚Limit to your love‘ (www.youtube.com/watch?v=oOT2-OTebx0) oder ‚Retrograde‘.
(www.youtube.com/watch?v=6p6PcFFUm5I&noredirect=1). Seelenpein kann schon verdammt schöne Sachen hervorbringen, findet ihr nicht?“

Nick Cave, And no more shall we part, https://www.youtube.com/watch?v=NZlpbVu6S_k

Adventmail 2013/08 (Advent-Jukebox)

MICHAELA, wiss. Mitarbeiterin der FH St. Pölten (Soziale Arbeit), Aktivistin der Armutskonferenz, Wien:
„Memory of the Future.“ Ein Liebeslied. Natürlich. Aber eines, dessen Botschaft weit über das Feld individueller Zweier-Beziehungen hinausgeht. Für mich jedenfalls.
Ein Lied, das von Erinnerungen an etwas erzählt, das noch gar nicht stattgefunden hat. Das dazu anregt, den eigenen Sehnsüchten und Lebensträumen zu folgen, ja mehr noch, sie sich in allen Einzelheiten „auszumalen“, sich vorzustellen, und auch schon davon zu erzählen, wie es ist, wie es sich anfühlt, wie es schmeckt, wenn wahr wird bzw. geworden ist, was eine/r sich schon lang erträumt hat.
Und nicht nur das.
So eine „Erinnerung an die Zukunft“ hilft auch bei zu erwartenden schwierigen Ereignissen. Es hilft – mir jedenfalls – sich vorzustellen, wie man „später einmal“ davon erzählen wird; von dieser ereignisreichen Zeit, von den unglaublichen Problemen, von der Krisenstimmung – und wie man sie bewältigt hat; darüber, wie sich die Hindernisse, die da waren, überwinden ließen, wie sich die Beharrlichkeit bewährt hat, wie am Ende, dann doch alles gut geworden ist.
Self-fullfilling prophecy. Die positive Variante!
Ich mag dieses Spiel mit Zeiten, Wünschen, Träumen.
Ich mag die mitschwingende Nicht-Akzeptanz des scheinbar Nicht-Realisierbaren und Unrealistischem.
Ich mag die Beharrlichkeit und die Romantik.
Und die Art, wie die Pet Shop Boys intelligente Gedanken mit eingängigen Beats verbinden, die mag ich sowieso – nicht nur an diesem Song.
Und so ist “Memory of the Future” nicht nur einer meiner absoluten Lieblingssongs, es ist auch ein Song, der für mich perfekt zum heutigen 8. Dezember passt. Zum Fest der unbefleckten Empfängnis Marias, der schon vor ihrer Geburt ein ganz spezieller Gnadenstand zuteilwird, als wäre – wem auch immer? – schon von vorherein klar, was sich da in ihrem später ereignisreichen Leben noch so abspielen sollte – mit diesem Sohn! „Memories of the Future“ eben – Maria hatte wohl so einige davon.

The Pet Shop Boys: Memory of the Future, https://www.youtube.com/watch?v=Qfkpcn3-1I0&noredirect=1

Adventmail 2013/07 (Advent-Jukebox)

ANDREAS, Arbeitsmarktbeleber (=BBRZ-Regionalleiter) und Bruder, Graz:
Kapfenberg 1986: In der Billigschütte des Coop werden Singles verkauft, mir fällt ein wunderschönes Cover auf. Zehn Schilling für “William, it was really nothing” von den Smiths. Sehr gut investiertes Geld – aber die Offenbarung wartet auf der B-Seite. ” …Please, please, please let me get what I want, Lord knows it will be the first time …”
Der Lebensabschnittssong für einen stets unglücklich verliebten Postpubertierenden, der es nicht mehr erwarten kann, nach der Matura den ersten Zug aus der Provinz in die große Stadt zu nehmen, war gefunden. Und heute noch muss ich jedes Mal, wenn ich den Song höre, an mein bepostertes Jugendzimmer in Kapfenberg denken …
Danke, Morrissey, für den Funken Hoffnung, den ich da in Liedform von dir zur richtigen Zeit erhalten habe …

The Smiths: „Please, please, please let me get what I want“, www.youtube.com/watch?v=GiqOsKngc-c&noredirect=1

Adventmail 2013/06 (Advent-Jukebox)

DORIS, Redakteurin bei „Furche“, Wien:
Habe unlängst beim Kochen auf Ö1 eine Sendung über eine aus Australien stammende und nun in Berlin lebende Singer-Songwriterin gehört, den Namen en passant notiert, auf YouTube diesen grandiosen Song gefunden – aber im CD-Geschäft (ja, ich kaufe wirklich noch CDs!!!) gemerkt, dass ich den Namens-Zettel vergessen habe. Natürlich kennt keiner eine aus Australien stammende und nun in Berlin….. egal.
Am nächsten Tag zettelbewehrt der zweite Versuch – und CD natürlich nicht lagernd. Das heißt bestellen, eine Woche später wiederkommen, glücksstrahlend kaufen – und daheim beim Anhören zerknirscht merken, dass der glorreiche Song natürlich nicht auf der Scheibe ist, die man gerade in unendlich altmuttrischer Manier ganz real und um ein Schweinegeld erstanden hat (“Please Don’t Give Me What I Want”).
Also doch das entsprechende, ältere Album (“The Dance of a Stranger Heart”) via iTunes runterladen und sich dabei fluchend fast einen Herzinfarkt holen, weil man wieder mal das Kennwort der Apple ID vergessen hat (Wer merkt sich eigentlich all diese Scheiß-Kennwörter????).
Schließlich euphorisch reinhören – und entsetzt realisieren, dass die straighte Studio-Version nicht annähernd den Charme der verwackelten Live-Variante auf dem Bardentreffen in Nürnberg 2012 versprüht. Vom entzückenden, anfänglichen Text-Aussetzer nicht zu reden 😉
Deshalb: Einfach hier anschauen, zuhören – und gepflegt schwach werden…

Kat Frankie: “Love Me”, www.youtube.com/watch?v=QbJD19-vgBU

Adventmail 2013/05 (Advent-Jukebox)

HEINRICH, Architekt bei www.atos.at, langjähriger Freund, Wien
Es gibt nur ein Musikstück, das, wann immer ich es höre, mich zum Heulen bringt. Es beschreibt einen Menschen, den ich genau so erlebt habe, wie er da besungen wird. Er war für meine Sicht der Dinge und des Lebens prägend, mit seiner Ruhe, seiner Gelassenheit, seiner immerwährenden Zuversicht, seinem Humor, seiner Liebe. Er war der Vater, den ich nicht hatte.
Unvergessen seine Geschichte, als er Kompaniekoch im Russlandfeldzug war und sein Küchenjunge den Kochtopf mit den Resten des Kaiserschmarrens nicht ordentlich reinigte. Am nächsten Tag gab es Sauerkraut ungewöhnlicherweise mit Rosinen, was allerdings sehr gut ankam. Viel mehr war von dieser schrecklichen Zeit von ihm nicht zu hören.
Er hat mir sein Auto geborgt, als ich Führerscheinneuling war, war für mich da, als es mir schlecht ging, hat mich aufgenommen, als ich nicht wusste wohin, hat mich als Kind in seinem großen Lastwagen mit den hölzernen Fässern mitgenommen, hat mich ins Spital gebracht, als ich mir den Sattel seines Waffenrades in den Schenkel gerammt hatte.
Es sind nur Sternschnuppen an Erinnerungen, aber das Gefühl, dass es möglich ist, ein liebevolles Leben zu führen, ist geblieben.

STS – Großvater, www.youtube.com/watch?v=jjaDvS5fQQI

Adventmail 2013/04 (Advent-Jukebox)

CLAUDIA, Lehrerin und Mitwanderin auf Madeira, Düsseldorf:
Plätzchenbacken in der Familie hat bei uns Tradition. Es ist immer etwas chaotisch und immer mit Musik im Hintergrund. Viele Jahre lang war Rolf Zuckowski der Hit. Die “Weihnachtsbäckerei” (www.youtube.com/watch?v=ul7Y06TOq5w‎) wurde gesungen, auf Cello und Geige einstimmig und zweistimmig gespielt. Meine Kinder liebten die Wiederholung….
Vor acht Jahren war ich (noch in Hamburg wohnend) auf einem Adventskonzert und lernte „Maybebop“ – ein deutsches A-capella-Pop-Quartett – kennen. Und beschloss: Kein Zuckowsky mehr, nie mehr.
Die Kinder waren begeistert von den Adventsliedern von Maybebop und haben die Zeichen der Zeit verstanden. Sie entdeckten die Lebensmittelfarbe und färbten alles: den Teig, den Guss, die Dekoration. Unsere Plätzchen schmeckten immer noch vorzüglich, jedoch kostete es mich manchmal schon Überwindung, in diese grellbunten Objekte mit Genuss hineinzubeißen!

Maybebop: „Gummibaum“ (2008), www.youtube.com/watch?v=20U_NwQiZAc

Adventmail 2013/03 (Advent-Jukebox)

FABIAN, Informatikstudent, Sohn und Mitbewohner, Wien:
Das Lied, das ich gewählt habe, ist “Lilium” aus der Serie “Elfen Lied”, gesungen von Kumiko Noma.
“Elfen Lied” ist eine japanische Anime-Serie. Lilium spielt hauptsächlich während der Eröffnungssequenz der Serie, während im Hintergrund eine Montage abgeänderter Gustav-Klimt-Bilder zu sehen ist (die Figuren im Original wurden durch die Hauptcharaktere der Serie ersetzt). Eine wunderschöne Art, jede Folge zu beginnen. Aber auch während der Serie spielt Lilium eine Rolle; es ist das Lied, das die beiden Protagonisten verbindet.
Falls ihr euch „Elfen Lied“ selbst ansehen wollt, muss ich allerdings warnen: Die Serie scheut sich nicht vor der offenen Darstellung von Gewalt und Blut. Darüber hinaus ist sie allerdings sehr empfehlenswert, mit einer der rührendsten Geschichten in Anime (meiner Meinung nach). Und da ich 11 war, als ich die Serie zum ersten Mal gesehen habe, kann ich auch nicht behaupten, sie sei für Kinder dieser Altersklasse ungeeignet.
Lilium erweckt zunächst gar nicht den Anschein, aus einer japanischen Serie zu stammen, wurde aber in der Tat für die Serie geschrieben. Es wurde einem gregorianischem Gesang nachempfunden, daher ist der Text in Latein und besteht zu einem guten Teil aus Bibelversen. Dazu kommen das Orchester und die wunderbare Stimme von Kumiko Noma, was zusammen eine herrliche Kombination ergibt.
“Elfen Lied” ist auch heute noch eine meiner absoluten Favoriten und Lilium spielt dabei keine unwichtige Rolle. Es ist zweifellos ein äußerst einprägsames Lied. Ich versuche im Moment, es mir selbst für Klavier zu arrangieren.

Kayo Konishi/Yukio Kondo: “Lilium” (Titellied der japanischen Anime-Serie “Elfen Lied”, 2004), http://youtu.be/qA3oPpH7KVg

Falls euch die Orchesterfassung gefallen hat, kann ich auch sehr die “Heiligen-Version” empfehlen (Männerchor mit Klavier): http://youtu.be/znUKJKO-wjs

Adventmail 2013/02 (Advent-Jukebox)

ANNEMARIE, Chefredakteurin von „Lebensart“, Herzogenburg:
Ich hör euch schon unken: Na geh, bitte! Doch nicht diesen kommerziellen „Hadern“.
Trotzdem: Dieser Song ist alles andere als eine verpuffende Eintagsfliege! Ein Lied, das sich seit fast 30 Jahren in den Playlisten hält, darf sich zu den zeitlosen Kunstwerken zählen. In meiner ganz persönlichen Favoritenliste steht es gleich neben Hermann Hesses Gedicht „Stufen“: „Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat hängen …..“
Schon die anschwellenden Töne zu Beginn sind verheißungsvoll wie sich zusammenballende Gewitterwolken vor ihrer kraftvollen Entladung. Fast möchte man an orgastische Leidenschaft denken. Auch wenn der Text vordergründig von einer Liebesgeschichte handelt, steht er doch für viel mehr. Eine Interpretation lautet: „This song is about wanting to leave a bad place or relationship in your life and leave it all behind.“
Als dieser Song das erste Mal im Radio gespielt wurde, 1984, da war ich eine junge Frau, verliebt und glücklich verheiratet, und hatte keinesfalls den Wunsch, aus meinem Lebenskonzept auszubrechen. „I want to break free“ entsprach eher meinem innersten Wesen, das sich entwickeln wollte und unter selbst auferlegten Zwängen verschüttet war.
Jahre später war es meine Ehe, die es loszulassen galt. Danach standen eine berufliche Veränderung, eine herausfordernde Weiterbildung an. Immer hat mir dieses Lied eine innere Kraft gespiegelt, die dabei half, destruktive Lebensphasen hinter mir zu lassen. Mit jeder Lebensstufe fühlte ich mich freier. Heute erfüllt mich dieser Song mit einem milden Lächeln und der Freude darüber, wie viele zwängende Ringe sich schon verabschiedet haben – eine der guten Seiten am mittleren Lebensalter. Sobald ich mich satt und bequem zurücklehne, erinnert Freddie Mercury daran, hinzuschauen und offen für Veränderungen zu bleiben.
Ich schreibe diese Zeilen am 24. November, dem 22. Todestag von Freddie. Er starb in dem Jahr, in dem mein Sohn geboren wurde.

Queen: „I want to break free“ (1984), www.youtube.com/watch?v=o-Zo4AVL7AE&noredirect=1

Adventmail 2013/01 (Advent-Jukebox)

NORBERT, Organisations- und Managementberater bei www.ihratelier.at, langjähriger Freund, Wien
Als ich von Robert zu diesen Zeilen angestiftet wurde, welches Musikstück mir etwas bedeutet, hätte ich unter gehetzteren Umständen wahrscheinlich sofort Dylans “Like A Rolling Stone”, “Visions of Johanna” oder “Desolation Row” genannt oder vielleicht auch “Out The Blue” oder “Love” von John Lennon.
Doch die paar Sekunden, die mir der Zustand von Entspannung verschaffte, reichten aus, um mich in meiner Erinnerung umgehend in meiner Kindheit wiederzufinden. Und sofort tauchte ein (etwa 45 Jahre altes) “Hörbild” auf: ein Augenblick von Geborgenheit, ein Gefühl, das alles einfach nur gut ist:
Meine Mutter, mein (damals noch) ständig störender kleiner Bruder, meine Großmutter und ich hatten uns staunend vor einem Magnetophon eingefunden, das mein Onkel erstanden hatte. Nicht ohne Stolz, wie ich meine mich zu erinnern, befestigte er die eine Spule mit dem Magnetband auf der rechten Seite des viereckigen Kästchens und fixierte das lose Ende des Bandes an der Nabe der leeren Spule auf dessen linker Seite. Als sich die Spulen zu drehen begannen, ertönte plötzlich Musik aus dem Deckel des Gerätes: Ich hörte zum ersten Mal “Peter und der Wolf” von Serge Prokofieff. Damals muss ich etwa fünf Jahre alt gewesen sein, wir hatten noch keines dieser modernen Fernsehgeräte und ich kannte eigentlich nur das “Traummännlein” aus dem Radio, das eine Erzählstimme und Musik miteinander kombinierte. Doch das war leider immer nur sehr kurz – vor allem vor dem Schlafengehen. Aber dass man aus der Musik eine Geschichte heraushören konnte und noch dazu genau wusste, welche Figur sich wie anhörte , ohne dass man sie dauernd beim Namen nennen musste, also das faszinierte mich ungemein. Und obendrein: Eine ganz lange Geschichte, spannend und dann ging sie Gott sei Dank noch gut aus!
Das einzige, was mich an dieser Idylle irritierte war, so glaube ich, dass der Held genauso wie mein kleiner Bruder Peter und nicht wie ich, der große Bruder Norbert, hieß. Vielleicht war das auch der Grund, aus dem ich anfing zu denken, dass er glaube, er könne sich immer wieder vordrängen, nur weil er kleiner wäre. Das hatte dann ja schließlich irgendwann ein Ende. Na ja.

P.S. Heute bin ich oft froh, wenn er sich vordrängt (zum Beispiel, wenn wir bei Dylan-Konzerten sind), denn er ist viel größer.

Sergei Prokofjew: „Peter und der Wolf“ (1936), www.youtube.com/watch?v=QSjbjczAq1Y