Adventmail 2013/01 (Advent-Jukebox)

NORBERT, Organisations- und Managementberater bei www.ihratelier.at, langjähriger Freund, Wien
Als ich von Robert zu diesen Zeilen angestiftet wurde, welches Musikstück mir etwas bedeutet, hätte ich unter gehetzteren Umständen wahrscheinlich sofort Dylans “Like A Rolling Stone”, “Visions of Johanna” oder “Desolation Row” genannt oder vielleicht auch “Out The Blue” oder “Love” von John Lennon.
Doch die paar Sekunden, die mir der Zustand von Entspannung verschaffte, reichten aus, um mich in meiner Erinnerung umgehend in meiner Kindheit wiederzufinden. Und sofort tauchte ein (etwa 45 Jahre altes) “Hörbild” auf: ein Augenblick von Geborgenheit, ein Gefühl, das alles einfach nur gut ist:
Meine Mutter, mein (damals noch) ständig störender kleiner Bruder, meine Großmutter und ich hatten uns staunend vor einem Magnetophon eingefunden, das mein Onkel erstanden hatte. Nicht ohne Stolz, wie ich meine mich zu erinnern, befestigte er die eine Spule mit dem Magnetband auf der rechten Seite des viereckigen Kästchens und fixierte das lose Ende des Bandes an der Nabe der leeren Spule auf dessen linker Seite. Als sich die Spulen zu drehen begannen, ertönte plötzlich Musik aus dem Deckel des Gerätes: Ich hörte zum ersten Mal “Peter und der Wolf” von Serge Prokofieff. Damals muss ich etwa fünf Jahre alt gewesen sein, wir hatten noch keines dieser modernen Fernsehgeräte und ich kannte eigentlich nur das “Traummännlein” aus dem Radio, das eine Erzählstimme und Musik miteinander kombinierte. Doch das war leider immer nur sehr kurz – vor allem vor dem Schlafengehen. Aber dass man aus der Musik eine Geschichte heraushören konnte und noch dazu genau wusste, welche Figur sich wie anhörte , ohne dass man sie dauernd beim Namen nennen musste, also das faszinierte mich ungemein. Und obendrein: Eine ganz lange Geschichte, spannend und dann ging sie Gott sei Dank noch gut aus!
Das einzige, was mich an dieser Idylle irritierte war, so glaube ich, dass der Held genauso wie mein kleiner Bruder Peter und nicht wie ich, der große Bruder Norbert, hieß. Vielleicht war das auch der Grund, aus dem ich anfing zu denken, dass er glaube, er könne sich immer wieder vordrängen, nur weil er kleiner wäre. Das hatte dann ja schließlich irgendwann ein Ende. Na ja.

P.S. Heute bin ich oft froh, wenn er sich vordrängt (zum Beispiel, wenn wir bei Dylan-Konzerten sind), denn er ist viel größer.

Sergei Prokofjew: „Peter und der Wolf“ (1936), www.youtube.com/watch?v=QSjbjczAq1Y

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