ROBERT, Redakteur und Adventmailgestalter, Wien
„Keine Ahnung, wann ich diesem Song zum ersten Mal begegnete. Aber ich weiß noch sehr gut, wann ich ihn immer wieder hörte, immer wieder dieses wehmütige “And no more shall we part”. Es ist schon Jahre her, und ich stand in einer akuten Trennungssituation, die mir zusetzte und mich so fühlen ließ, als wäre ich ein Fremder im eigenen Haus. Da kamen mir Zeilen wie “And no more shall we part/ It will no longer be necessary/ And no more will I say, dear heart/ I am alone and she has left me” gerade recht.
Dabei ist dieses Lied, gesungen von Nick Cave, der zwei Jahre und vier Tage vor mir auf die Welt kam, gar nicht optimistisch. Auch wenn “And never again will my letters start sadly, or in the depths of winter” so klingen mag. Aber dieser australische Nick, dessen Name “Höhle” oder auch “Zelle” bedeutet und auf Latein “Hüte dich!”, singt das und die anderen Strophen mit so viel Schmerz, Traurigkeit, auch Nachdenklichkeit und müder Anstrengung, dass dabei keiner an eine überwundene Krise denken mag. Und dazu ein Klavier, das einen Trauerzug zu begleiten scheint. Mir kamen jedenfalls die Tränen, damals. “Lord, stay by me/ Don’t go down…”
Heute denke ich mir beim Wiederhören, dass Wunden der Vergangenheit in einem/r bleiben, dass sich aber Jahresringe darüberlegen. Die halten alles zusammen, das Glück und das Leid, und Zeilen wie “And all of the birds will sing to your beautiful heart/ Upon the bough” treffen dann auf eine andere, stärkere Rinde/Haut, begleiten eine neue Lebensphase. “All the hatchets have been buried now” – All die Kriegsbeile sind jetzt begraben.
Übrigens: Litte ich heute noch unter Liebeskummer, würde ich wohl James Blake hören, ‚Limit to your love‘ (www.youtube.com/watch?v=oOT2-OTebx0) oder ‚Retrograde‘.
(www.youtube.com/watch?v=6p6PcFFUm5I&noredirect=1). Seelenpein kann schon verdammt schöne Sachen hervorbringen, findet ihr nicht?“
Nick Cave, And no more shall we part, https://www.youtube.com/watch?v=NZlpbVu6S_k