Adventmails 2014/04 (Sterne)

„Familie ist für uns weiterhin das Sternbild Mann, Frau und Kind. Und nicht Mann, Mann oder Frau, Frau.“
Mit diesen Worten begründete einer der „Fixsterne“ meines Berufslebens seit dem Zivildienst bei der Katholischen Jugend, der Grazer Bischof Egon Kapellari, warum die Kirche am „Idealbild von Familie“ festhalte. Weiter heißt es in einer (nicht von mir verfassten) Kathpress-Meldung über das in Begutachtung befindliche Fortpflanzungsmedizingesetz, Kinder gebe es „nur mit dem Prinzip Mann und dem Prinzip Frau“. Kapellari mit indirektem Verweis auf das Naturrecht: „Das hat mit Religion nichts zu tun.“ Soll heißen: Diese Überzeugung müsste sich auch Nichtgläubigen als vernünftig erschließen. Nicht jede Unterscheidung sei eine Zurücksetzung, und „nicht alles Ungleiche kann gleichbehandelt werden, ohne dass es Folgeschäden anrichtet“, so Kapellari.
Für mich ist genau das eine offene Frage: Ist es diskriminierend, den Begriff – und die Vorrechte – der Familie heterosexuellen Paaren und deren Nachkommen vorzubehalten? Hat der Staat sogar die Pflicht, diese Konstellation als „Keimzelle der Gesellschaft“ und Garantin des Generationenvertrags besonders zu fördern? Oder ist der Tatsache Rechnung zu tragen, dass deklariert homosexuelle Bindungen immer normaler werden – etwa durch erlaubte Samen- und Eizellspenden oder durch geänderte Adoptionsbestimmungen? Ist die Natur „diskriminierend“, weil sie unterschiedliche Geschlechter zur Fortpflanzung vorsieht? Gibt es ein Recht auf Kinder auch für Paarkonstellationen, für die die Natur keine vorsieht? Welche „Folgeschäden“ genau würden drohen, wenn gesetzlich kein Einwand bestünde gegen einen im Reagenzglas gezeugten Embryo von Eizell- und SamenspenderInnen, der einer Dritten in die Gebärmutter gesetzt wird?
Mir fehlt bei all dem die „Sternbildsicherheit“ des Bischofs (und studierten Juristen). Ich fühle Unbehagen sowohl gegenüber (verdeckter) Homophobie als auch gegenüber der medizinisch-technischen Variante des „anything goes“. Mich interessiert Eure Meinung dazu (meine ist noch im Status der Einnistung)…

Adventmails 2014/03 (Sterne)

Wusstet Ihr, dass der Suchbegriff „Haubenkoch“ (121.000) auf Google zu deutlich weniger Ergebnissen führt als der Begriff „Sternekoch“ (538.000)? Also, ich nicht. Ich dachte, dass für tolle Köche nach dem Bewertungsschema des Gault Millau stets Hauben vergeben werden. Doch da der (rote) Guide Michelin Sterne nicht nur für Hotels, sondern auch für Restaurants Sterne verleiht, gibt es folglich auch Sterneköche. Ich lasse mich belehren: „1936 wurden die bis heute gültigen Definitionen zu den Sternen eingeführt: ‚Eine sehr gute Küche: verdient besondere Beachtung‘ (ein Stern), ‚Eine hervorragende Küche: verdient einen Umweg‘ (zwei Sterne), ‚Eine der besten Küchen: ist eine Reise wert‘ (drei Sterne).“
Na gut. Ich frag mich jetzt entsprechend meinem Adventthema natürlich, ob ein kundiger Chef de Cuisine, sagen wir vom Restaurant Caffé Stern in Paris (gestaltet von Philippe Starck), im „Stern Luzern“ oder vom Gasthaus Stern in Wien-Simmering, eine solche Auszeichnung auch für sternförmige Gerichte erlangen könnte, z.B. für entsprechend geformte Weihnachtskekse. Ob er ein gefinkeltes Rezept mit dem schönsten aller Gewürze, mit „Sternanis“ (anisi stellati fructus), kreieren könnte, oder ein phantastisches Dessert unter Verwendung von „Sternfrüchten“ (Averrhoa carambola, auch „Karambole“)?
Die Sternfrucht stammt ursprünglich aus Südostasien, wird inzwischen aber weltweit in den Tropen kultiviert. Die grüne bis gelbe, der Länge nach in fünf Rippen und Rinnen unterteilte Beere ist um die zehn Zentimeter lang und misst ca. fünf Zentimeter im Durchmesser. Das Fruchtfleisch ist gelblich durchscheinend und schwach säuerlich bis süß.
Die Rezepte, die ich im Internet fand, nutzen die Sternfrucht vor allem als dekoratives Element auf Desserts oder Cocktails. Kein Wunder, denn wenn man sie quer in Scheiben schneidet, erhält man dekorative Sterne.
Ach ja: Drei Sterne vom Guide Michelin bekam zuletzt kein einziger Gourmettempel in Österreich. Und auch zwei Sterne bekamen nur das Steirereck im Wiener Stadtpark und Silvio Nickol im Wiener Palais Coburg. Allerdings: In Österreich werden nur mehr Restaurants in Wien und Salzburg in der Ausgabe „Main Cities of Europe“ beurteilt, seit der Michelin Österreich 2009 eingestellt wurde.

Adventmails 2014/02 (Sterne)

Ich habe wenig Sinn für Schmuck, ich gestehe es. Ringe, Ketten, Armreifen, Broschen, Krawattennadeln – all das lässt mich kalt bzw. nicht vor Schaufenstern Halt machen. Doch hübsch finde ich den alljährlich von Swarovski herausgegebenen Kristallstern, der heuer irgendwie an ein Eichenblatt erinnert. 2013 war er achtzackig und zeigte in der Mitte eine kleine Sternvariante als Freiraum, 2012 sah er aus wie eine Winterolympiamedaille, 2011 bildeten zwei übereinander gelegte Hexagramme einen Zwölfzack. Und so weiter bis zurück zum Beginn 1991. Es gibt Sammler, die gieren nach der alljährlichen Ergänzung ihrer Bestände.
Seit Jahren krönt jedes Jahr ein „Swarovski Star“ auch den berühmten Christbaum am New Yorker Rockefeller Center. Auf www.luxurydaily.com ist zu erfahren, dass der wohl wichtigste Werbeträger des Tiroler Paradeunternehmens am 3. Dezember, also morgen, illuminiert wird: „The star was lifted to the top of the tree, but will not be lit until the ceremony to celebrate the 82nd Rockefeller Center Tree Lighting on Dec. 3.”
Sympathisch beyond of daily luxury ist die Tradition der „Herrnhuter Sterne“. Wikipedia nennt sie „mathematische Sternkörper, die aus einem Rhombenkuboktaeder als Grundkörper mit aufgesetzten Pyramiden bestehen“ – wovon ich verstehe, dass sie … ähm, also recht hübsch und mit vielen Spitzen ringsum versehen sind.
Zahlreiche Spitzen hat auch die Berlinerin und Wahlwienerin Maria Stern in ihr Swarovski-Lied eingebaut, mit dem sie beim FM4-Protestsongcontest 2010 reüssierte. Warum die darin besungene Fiona Swarovski-Grasser angeblich mit einer Klage drohte, wird hier nachvollziehbar.

Adventmails 2014/01 (Sterne)

Der Apostel Jakobus erschien Karl dem Großen im Traum und prophezeite dem Frankenherrscher Großes: Er werde einen Feldzug nach Galicien unternehmen, mit einem Heer so zahlreich wie die Sterne, und danach würden wie Karl und seine Mannen alle Völker bis zum Ende der Zeiten dorthin – nach Santiago de Compostela – zum Grab des Apostels pilgern.
Dargestellt ist diese Legende aus der „Historia Caroli Magni“ (12. Jht.) auf dem güldenen Aachener Karlsschrein, in dem die Gebeine des 814 verstorbenen ersten Karolingers ruhen. Zu sehen ist über dem Haupt des schlafenden Kaisers eine Art Milchstraße, die ein altes Symbol für den Weg der Seelen darstellt: Ihr Licht ist dabei der Kompass, der den Weg zum Paradies zeigt.
Santiago de Compostela (zur Zeit Karls im kleinen nichtislamischen Teil der iberischen Halbinsel gelegen), war neben einem Wallfahrtsort auch politischer Brennpunkt der Reconquista, der christlichen Rückeroberung der Halbinsel. „Sternenweg“ ist ein Synonym für den Pilgerweg dorthin; Santiago de Compostela heißt wörtlich Sankt Jakob vom Sternenfeld (vom Lateinischen „campus stellae“). Das Wappen der Stadt zeigt neben dem Jakobsgrab auch einen siebenzackigen – für Vollkommenheit stehenden – Stern und nicht, wie zahlreiche andere spanische Orte, eine Jakobsmuschel.
Mit Santiago verbindet mich übrigens eine besondere Erinnerung: Im Sommer 2012 besuchte ich im Zuge einer Reise nach Portugal mit drei ReisegefährtInnen auch die Jakobsstadt – und schoss dort ein Foto mit „spirituellem Mehrwert“: Freund Norbert saß inmitten der Urlaubstruppe und war als einziger „in Licht getaucht“, ein Strahlemann von Kopf bis Fuß. Meine Kamera als Zeugin einer Erleuchtung – wow!

Freund Norbert – einer der „Illuminati“?

Adventmails 2014 (Ankündigung)

Liebe Freundinnen und Freunde,
der Advent ist eine Zeit, die unter einem guten Stern steht. Dieser wies nicht nur den Weisen aus dem Morgenland den Weg an die Geburtsstätte Jesu Christi, sondern geleitet auch skeptische Zeitgenossen zwischen grell-vorweihnachtlichen Reklamelichtern hindurch zu Stätten der Geborgenheit und des Friedens. „Sterne“ aller Art sollen demgemäß auch das Thema meiner diesjährigen Adventmails sein. Die Palette reicht dabei vom Stern von Bethlehem zu jenem, „der deinen Namen trägt“, von „Odyssee 2001“ bis zu Sternfrüchten-Rezepten, von Stella McCartney bis zu Asterix, von Stardust bis zu Sternenhimmelerlebnissen, vom Prater- bis zum Mercedesstern.
Wie seit dem Beginn im Jahr 2002 möchte ich mit meinen adventlichen Zusendungen Aha-Erlebnisse, Schmunzelanlässe und sonstige Bereicherungen in der Vorweihnachtszeit bieten – getragen von der Überzeugung, dass Bildung ein immer neues, faszinierendes Puzzlespiel ist. Ihr braucht heuer keine Beiträge zu leisten (außer, Ihr habt etwas zum Thema zu sagen, das Euch unter den Nägeln brennt), für Sternstunden sorge ich diesmal alleine
Am Montag geht’s los. Bis dann!
Robert