Adventmail 2009/08 (Was geschah am … Dezember?)

Der 8. Dezember,
der Festtag der Unbefleckten Empfängnis Marias, ist so was wie ein katholischer Großkampftag. X Lehrschreiben haben die Päpste im Lauf der Jahrhunderte an diesem Tag veröffentlicht. Als kritischer Theologe könnte ich jetzt z.B. erwähnen, dass am 8. Dezember 1864 Pius IX. in seinem berüchtigten „Syllabus Errorum“ die Religionsfreiheit als zeitgeistigen Irrtum geißelte und kraft päpstlicher Lehrautorität die Auffassung verurteilte, man dürfe „gute Hoffnung hegen über die ewige Seligkeit aller, welche nicht in der wahren Kirche Christi leben“.
Tue ich aber nicht 😉
Stattdessen würdige ich den Weitblick des als „Pillenpapst“ diskreditierten Paul VI, der am 8. Dezember 1975 das Apostolische Schreiben Evangelii Nuntiandi publizierte und dort Sätze schrieb, die seinen antimodernistischen Vorgänger wohl im Grab rotieren ließen:
„In dieser echten Befreiung, die mit der Evangelisierung verbunden ist und sich um die Verwirklichung von Strukturen bemüht, die die menschliche Freiheit schützen, muss die Gewährleistung aller Grundrechte des Menschen mit eingeschlossen sein, unter denen der Religionsfreiheit eine erstrangige Bedeutung zukommt.“ (EN 39)
Oder: „Der Wahrheit verpflichtet und von der Liebe beseelt soll die Evangelisierung der Völker Respekt haben „vor der religiösen und geistlichen Lage der Menschen, die man evangelisiert. Respekt vor ihrem eigenen Lebensrhythmus, den man nicht über Gebühr belasten darf. Respekt vor ihrem Gewissen und ihren Überzeugungen, die man nicht brüskieren soll.“ (EN 79).