Adventmail 2009/21 (Was geschah am … Dezember?)

Am 21. Dezember …
… 1192 wurde ein unerkannt bleiben wollender König auf dem Rückweg vom dritten Kreuzzug in einem kleinen Gasthaus in Erdberg bei Wien gefangen genommen. Es war Richard I. Löwenherz von England, (oder besser: Richard Ier Coeur de Lion, denn Englisch sprach der Normanne kaum). Der 1,86 m große Recke hatte zwar als Heerführer im Kampf um Jerusalem überzeugt und durch seine Ritterlichkeit sogar seinen Gegner Saladin beeindruckt, war jedoch auf dem Gebiet der Diplomatie eine Niete und machte sich etliche seiner Mitstreiter zum Feind. So auch den österreichischen Babenbergerherzog Leopold V., den „Tugendhaften“ (der übrigens auch so wacker gekämpft haben soll, dass sein weißer Waffenrock nach der Schlacht um Akkon 1191 ganz blutbespritzt war. Als er seinen breiten Gürtel abnahm, war die Trikolore rot-weiß-rot erkennbar – und die zukünftige Flagge Österreichs geboren).
Der Haudrauf auf dem englischen Königsthron brüskierte Leopold beim Aufteilen der Kriegsbeute, und das sollte sich rächen: Die Rückkehr Richards im Herbst 1192 gestaltete sich durch die vom ebenfalls verärgerten Philipp II. August gesperrten französischen Häfen als schwierig, der Engländer musste einen Umweg über die Adria und die Alpen machen, um zu seinem welfischen Schwager Heinrich dem Löwen nach Bayern zu gelangen. In Friesach in Kärnten erkannte man den angeblichen Pilger zum ersten Mal, am 6. Dezember machte sich Richard in meiner Geburtsstadt Bruck an der Mur durch höfisches Gehabe verdächtig. Leopold V. befahl seine Gefangennahme. Die gelang am 21. Dezember 1192 in Erdberg, wo auffiel, dass ein Gefolgsmann des Königs mit fremdländischem Geld Lebensmittel kaufte. In einem kleinen Beisl Eckhaus Erdbergstraße 41/Schwalbengasse 17 wurde Richard Löwenherz gefasst.
Was folgte, ist legendär: Gefangenschaft in Dürnstein, Auslieferung an den deutschen Kaiser Heinrich VI. und eine der größten Geldtransaktionen des Mittelalters bei der Aufbringung des Lösegeldes von 23 Tonnen Silber. Mit dem österreichischen Anteil gründete Leopold die „Münze Österreichs“ und ließ Münzen prägen, deren Silbergehalt die österreichische Währung (Taler/Kreuzer, Gulden, Krone/Heller, Schilling/Groschen) bis ins 20. Jahrhundert hart bleiben ließ.
Richard kehrte erst 1994 nach London zurück, übernahm von seinem Bruder Prinz John (der Böse in Robin Hood!) wieder den Thron – und hatte diplomatisch zugelegt: Er legte den Konflikt zwischen den einstigen Eroberern aus der Normandie und den alteingesessenen Angelsachsen bei und wurde allseits respektierter König nur noch eines Volkes: der Engländer.